Fußball Warum die FG 08 Mutterstadt einen Meilenstein in der Vereinshistorie erreicht hat
Die FG 08 Mutterstadt hat in der Landesliga Ost den neunten Tabellenplatz erreicht und als Aufsteiger nie etwas mit dem Abstiegskampf zu tun gehabt. Am Ende betrug der Abstand zum besten Team, das die Liga verlassen musste, 17 Zähler.
Vor rund 50 Jahren wurde die Bezirksliga eingeführt. Seit dieser Zeit hat die FG nur in drei Spielzeiten höherklassig gespielt – in der Landesliga, aus der das Team 2009 abgestiegen war. Nach der Rückkehr 15 Jahre später folgte jetzt die beste Saison seit Mitte der 1970er-Jahre. Fürwahr ein Meilenstein. „Das ist schon eine Hausnummer. Als Neuling haben wir eine starke Leistung abgeliefert. Wir sind mit Rang neun sehr zufrieden und auch ein bisschen stolz“, sagt der 37-jährige Coach Marco Malizia und spricht damit auch für seinen spielenden Trainerkollegen Kevin Selzer (31), mit dem er viele Jahre ein erfolgreiches und gut aufeinander abgestimmtes Duo bildete. Die beiden sind Freunde geworden.
Welle der Euphorie
„Die Mannschaft wurde von einer riesigen Welle der Euphorie getragen. Wir sind gut in die Saison gekommen, dazu hat uns der Verbandspokal Rückenwind gegeben, als wir Anfang September den Oberligisten Viktoria Herxheim rausgekegelt haben“, erinnert sich Malizia. Auch im Achtelfinale überzeugte die FG, führte gegen den FC Arminia Ludwigshafen Mitte der zweiten Hälfte 2:1, um etwas unglücklich 2:4 zu verlieren. In der Liga standen die Nullachter nur viermal nicht auf einem einstelligen Tabellenplatz, waren dreimal Zehnter und belegten einmal Rang elf. „Das neu formierte Team ist schnell zusammengewachsen und hat funktioniert“, betont Selzer, der künftig bei der Arminia noch einmal Oberliga spielen will.
Die spielerische Qualität war hoch, der Kader breit, sodass Ausfälle problemlos weggesteckt werden konnten. „In jeder Begegnung haben wir versucht, spielerische Lösungen zu finden. Das ist uns gut gelungen und hat die fußballerische Weiterentwicklung beschleunigt“, hat Malizia erkannt. Die FG 08 stand für einen flachen Spielaufbau aus der Abwehr, geprägt von vielen Kombinationen und Positionswechseln. Die meisten Tore waren prima herausgespielt, oft so, dass der Torschütze den Ball nur noch über die Linie drücken musste. Taktisch erwies sich Mutterstadt als flexibel, agiert sowohl mit Vierer-, als auch mit Dreierkette.
Reserveteam unterstützt
„Andere Teams waren sicher im Pressing stärker und auch vor dem gegnerischen Tor kaltschnäuziger als wir. Mitunter haben wir Lehrgeld bezahlt. Aber das ist schon Klagen auf hohem Niveau“, verdeutlicht Malizia. Sicherlich gab es in der Rückserie auch schwächere Auftritte wie das 0:5 beim SV Gimbsheim, wo man chancenlos war, oder die 3:4-Heimniederlage gegen die SpVgg Ingelheim nach einer 2:0-Pausenführung. Aber die Richtung stimmte. Brenzlig wurde es nie, weil zu viel Qualität in der Mannschaft steckte. 40 Punkte können sich für den besten Aufsteiger sehen lassen. Mutterstadt konnte es sich sogar leisten, das in der A-Klasse gegen den Abstieg kämpfende Reserveteam personell zu unterstützen.
Von den 33 eingesetzten Spielern machten Spielgestalter Fabio Reithermann und Innenverteidiger Tim Seelinger alle 30 Partien mit. „Fabio ist ein super Fußballer. Was oft übersehen wird: Über ihn laufen nicht nur fast alle Angriffe, er macht auch viele Meter im Rückwärtsgang, teilweise im Sprint“, beschreibt Malizia die Nummer zehn. Reithermann stand immer in der Startelf und wird nur ausgewechselt, wenn Spiele entschieden sind. Er stand in sagenhaften 120 Begegnungen in Folge immer von Anfang an auf dem Platz. Das letzte Spiel, als er den Anpfiff nicht auf dem Feld erlebte, war das 4:0 gegen Maxdorf am 29. August 2021. Mit 21 Treffern war er der erfolgreichste Torschütze. Der Mittelfeldspieler schoss in den vergangenen drei Jahren jeweils über 20 Tore.
Entdeckung der Saison
„Tim beweist konstant hohe Qualität, ist verlässlich und besticht mit großer Ruhe am Ball, auch in schwierigen Situationen“, lobt der Coach den durchgängig mit stabiler Leistung aufwartenden Seelinger. Auf 28 Einsätze kam David Gerner, der dank seiner guten Technik einen Wandel vom ausgesprochenen Torjäger hin zum mitspielenden Vorbereiter gemacht hat und mit sieben Toren am zweithäufigsten traf. 27 Mal lief der neu verpflichtete Tom Schlegel auf. „Er ist die Entdeckung der Saison und dank seiner tollen Einstellung ein Gewinn für den Verein. Tom ist ausdauernd, schnell und strukturiert. Er ist im Mannschaftsrat und kümmert sich um Belange des Teams“, betont Malizia. Schlegel traf sechsmal.
Für Selzer gehen fünf schöne und erfolgreiche Jahre zu Ende. „Die FG hat mir als jungem Trainer großes Vertrauen entgegengebracht. Dafür bin ich sehr dankbar“, sagt der scheidende Spielertrainer, der dem Team seinen Stempel aufgedrückt hat. Die Mannschaft habe sich sukzessive gesteigert. Deshalb und wegen der großen Verbundenheit zu vielen Protagonisten um die Truppe herum falle der Abschied schwer. „Es reizt mich einfach, noch einmal in der Oberliga zu spielen. Zuletzt ging es in erster Linie um das Team, jetzt steht wieder die eigene Leistung im Vordergrund“, erläutert Selzer.