Ludwigshafen RHEINPFALZ Plus Artikel Warum die BASF auf Büros verzichtet, aber in Medizin investiert

Der Neubau des Medical Centers ist zwischen Tor 5 und Tor 11 geplant – außerhalb des Werks.
Der Neubau des Medical Centers ist zwischen Tor 5 und Tor 11 geplant – außerhalb des Werks.

„In wirtschaftlich schwierigen Zeiten müssen wir uns auf Investitionen konzentrieren, die den Standort voranbringen und das Geschäft stärken“, erklärte BASF-Vorstandsmitglied Michael Heinz am Mittwoch bei einer Pressekonferenz. So verzichtet das Unternehmen auf einen Ersatzbau für das Engelhorn-Hochhaus. Dafür will die BASF bis Ende 2023 „einen zweistelligen Millionenbetrag“ in ein neues Medical Center investieren.

Der Bedarf an Bürofläche werde perspektivisch zurückgehen, sagte Heinz. Dies sei eine Erkenntnis aus der Corona-Pandemie. Deshalb sei es widersinnig, an Plänen für ein Bürogebäude festzuhalten – auch wenn der Standort durchaus mit Emotionen verbunden sei. In Zukunft gibt sich der Konzernvorstand mit einem Sitz im roten Klinkergebäude D 100 zufrieden, welches in den kommenden Jahren allerdings saniert werden müsse. Eine Arbeitsgruppe werde in den kommenden Monaten ein Zukunftsbild für mobiles Arbeiten entwerfen. Das Ergebnis sei zwar noch offen, aber Heinz geht von „hybriden Modellen“, also einer Mischung aus Homeoffice und Arbeiten am Standort, aus. Klar sei deshalb: „Der Bedarf an Büros wird weiter zurückgehen.“ Auch die Nutzung der dann im Werk vorhandenen Flächen sei Bestandteil der Arbeitsgruppe. Erholung und Gesunderhaltung könnten dabei gute Stichworte sein, so der Standortleiter.

Schließlich wolle man auch in Zukunft weiter investieren. Durchschnittlich mindestens 1,5 Milliarden Euro pro Jahr bis 2025. „Der Standort ist zwar in einer guten Verfassung, aber wir spielen in der Champions League“, meinte Werkleiter Uwe Liebelt. Dafür benötige es dauerhafte Anstrengungen und Investitionen. So wurde der Standort mit der neuen Lkw-Abfertigung auf Frankenthaler Gemarkung gestärkt und gegen einen Ausfall der Hochstraßen abgesichert. Das im Juni in Betrieb gegangene Rückkühlwerk F 800 mache das benötigte Kühlwasser unabhängiger von der Wassertemperatur im Rhein. Die Innovationskraft sollen das neue Creation Center und der Laborbau J 534 für Spitzenforschung stärken. „Und mit dem neuen Medical Center investieren wir in unsere Mitarbeiter“, betonte Liebelt, der sich damit auf einer Linie mit Unternehmensgründer Friedrich Engelhorn sah, dem Gesunderhaltung und Arbeitsfähigkeit seiner Mitarbeiter ebenfalls am Herzen lagen. Und ein Zeichen guter Nachbarschaft sei das Projekt außerdem. Immerhin stehe das integrierte Facharztzentrum nicht nur BASF-Mitarbeitern, sondern der gesamten Bevölkerung zur Verfügung, so Liebelt.

Zentrum ersetzt Ambulanz

So ersetzt das neue medizinische Zentrum auf 11.500 Quadratmetern nicht nur die Ambulanz in der Brunckstraße, die nach 77 Jahren nicht nur an ihre räumlichen, sondern auch an die Leistungsgrenzen gestoßen sei, sagte der medizinische Leiter Stefan Lang. Im geplanten Zentrum sollen auf sechs Geschossen neben den Arztpraxen auch Schulungs-, Untersuchungsräume sowie Räume für die medizinische Diagnostik untergebracht werden. Die Ambulanz verzeichne bereits heute 70.000 arbeitsmedizinische Untersuchungen sowie rund 33.000 Besucher in der Akutambulanz – „von der Schnittwunde bis zum Herzinfarkt“, so Lang. Künftig erwarte man noch mehr Patienten, denn das neue Zentrum verbinde die Arbeitsmedizin mit der Kassenmedizin. Es stehe damit allen zur Verfügung und sei bereits heute „zu 97 Prozent ausgebucht“, ergänzte Lang. Über die genaue Belegung machte er noch keine Aussagen, da sich die Mietverträge aktuell in der letzten Verhandlungsphase befinden. In Sachen Fachärzte sieht er das Haus allerdings gut belegt.

Im zweiten Gebäude des Zentrums werden die beiden bisherigen Rettungswachen Nord und Süd auf zwei Geschossen zusammengefasst. Durch den neuen Standort garantiere man nicht nur eine schnelle Fahrt zum jeweiligen Einsatzort im Werk, sondern man sei zudem ein guter Nachbar. „Durch den Standort auf dem ehemaligen Lkw-Parkplatz zwischen den beiden Toren benötigen wir keine gesonderte Ampelschaltung mehr für Einsatzfahrten auf der Brunckstraße“, so Liebelt. Der bisherige Lkw-Verkehr werde auf den Neubau im nördlichen Werksteil konzentriert.

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