Ludwigshafen
Warnstreik: „Wir brauchen die Kohle!“
„Wir sind es wert“, „Wir haben es verdient“ und „Zusammen geht mehr“: Die Sprüche auf den Bannern, mit denen weit mehr als 1000 Demonstranten durch die Ludwigshafener Innenstadt zogen, formulierten plakativ, worum es den Mitarbeitern des Öffentlichen Dienstes geht. Sie wollen künftig deutlich mehr Geld für ihre Arbeit. Die Gewerkschaft Verdi, die pfalzweit Warnstreiks für die ersten Wochenhälfte angekündigt hatte, fordert in der Tarifrunde 10,5 Prozent mehr Gehalt, mindestens aber 500 Euro mehr im Monat. Die Arbeitgeber lehnen das ab, es sei wirtschaftlich nicht verkraftbar, heißt es.
Drei junge Frauen, nach eigener Aussage alle Angestellte der Verwaltung, sagten: „Alles wird teurer, auch wir müssen unsere Rechnungen bezahlen.“ Daher könne es ja wohl nicht sein, dass die Mitarbeiter des Öffentlichen Dienstes aus den laufenden Verhandlungen „mit Null rausgehen“. Zumal besonders die Beschäftigten erheblich dazu beigetragen hätten, die Corona-Krise und die damit verbundenen Beschränkungen gut zu bewältigen. Zwei junge Männer, Angestellte bei Versorgungsbetrieben, erklärten, dass die Gehälter im Öffentlichen Dienst schon längst nicht mehr vergleichbar seien mit jenen in der privaten Wirtschaft. Das sei auch vor dem Hintergrund des Fachkräftemangels ein Problem. Die Elektriker berichteten, dass sie durchaus zu anderen Arbeitgebern wechseln könnten, das aber bisher aus Loyalität nicht getan hätten. „Noch nicht. Mal sehen, was die Runde für unsere Tarife bringt.“ Ähnlich argumentierte auch ein Angestellter des Jobcenters.
Mehr Demonstranten als erwartet
„Das Verhalten der Arbeitgeber lässt den Beschäftigten keine andere Möglichkeit, als sich mit Arbeitsniederlegungen in den Betrieben und Dienststellen zu wehren“, betonte Jürgen Knoll, Verdi-Geschäftsführer im Bezirk Pfalz. Der Verhandlungsauftakt sei enttäuschend gewesen. Von Wertschätzung für die Beschäftigten habe man nichts gespürt.
Mehr als zufrieden war Knoll dagegen mit der Beteiligung an den ersten Warnstreiks. 800 Teilnehmer hatte die Gewerkschaft zum Protestzug durch die City erwartet, weit über 1000 habe die Polizei offiziell bestätigt, sagte Knoll. Bei der Kundgebung auf dem Berliner Platz hieß er die „Stars aus dem Öffentlichen Dienst“ der Reihe nach willkommen: die Beschäftigten aus den Kitas, der Verwaltung, den Kliniken, Arbeitsagenturen und Jobcentern, der Lukom und der Energieversorger.
„Auf dem Rücken der Beschäftigten
„Wir erleben seit über einem Jahr eine hohe Inflation“, stellte Knoll fest, „daher brauchen wir jetzt mehr Geld.“ Es habe noch niemals so viele Menschen gegeben, die auf die Hilfe der Tafeln in Deutschland angewiesen seien. Der Verdi-Geschäftsführer bemerkte wütend: „Es ist genug Geld da, aber in den falschen Taschen. Wir brauchen die Kohle!“
Teils noch deutlicher machten die Gewerkschaftssprecher des Ludwigshafener Klinikums, der Sparkasse oder der TWL ihrem Ärger über den Tarifkonflikt Luft: „Uns stehen nicht nur 10,5 Prozent zu, sondern noch mehr“, hieß es da. Oder auch: „Holt euch, was Euch zusteht. Es reicht, wir wollen unseren Anteil vom Kuchen.“ Die rheinland-pfälzische DGB-Vorsitzende Susanne Wingertszahn rief den Streikenden zu: „Es motiviert und macht Mut, Euch auf der Straße zu sehen. Es kann nicht sein, dass die aktuellen Krisen auf dem Rücken der Beschäftigten ausgetragen werden.“
„Gebt nicht nach“
Auch Stefan Limburg, der Personalratsvorsitzende der Ludwigshafener Stadtverwaltung, ergriff das Mikrofon: „Lasst Euch nicht unterkriegen, gebt nicht nach!“, appellierte er. „Wir sollten in den Verhandlungen nicht einknicken.“ Der Öffentliche Dienst sei immer da, das müsse auch bezahlt werden. „Denn die Leberwurst kostet für Arm und Reich dasselbe.“
Vom Warnstreik betroffen waren am Mittwoch Verdi zufolge die Sparkasse, die Stadtverwaltung, der Wirtschaftsbetrieb WBL, das Kinderzentrum, das Klinikum, der Energieversorger TWL, die Marketinggesellschaft Lukom, die Arbeitsagentur und die Kreisverwaltung.