Ludwigshafen RHEINPFALZ Plus Artikel Wüstenrock und Mariachi-Klänge: Die Band Tascosa auf der Mannheimer Sommerbühne

Eine eigenwillige Stilmischung: Tascosa bei dem Auftritt auf der Sommerbühne. Foto: KUNZ
Eine eigenwillige Stilmischung: Tascosa bei dem Auftritt auf der Sommerbühne.

Was passt derzeit besser zu den sommerlichen Temperaturen als Wüstenrock und Mariachi-Klänge? Die Mannheimer Band Tascosa war also auf der Sommerbühne vor der Alten Feuerwache genau richtig, wo sie den vierten Abend in der Reihe mit einer eigenwilligen Stilmischung bestritt.

Wer Quentin Tarantinos cineastische Handschrift zu schätzen weiß, dürfte bei einem Tascosa-Konzert genau richtig sein. Bloß nicht alltäglich und herrlich eigenwillig, das Motto schwingt hier bei jedem Ton mit. Knallendes Schlagzeug, düsteres Bass-Geschrabbel, verhallte Gitarren und ein so markantes wie temporeiches Trompetenspiel bilden eine solide rhythmische Basis für die durchdringende Blues-Röhre der Sängerin Caro Häfners , die sich wie ein klarer heller Strahl kraftvoll aus dem düsteren Untergrund zu erheben weiß.

Es ist eine eigene Mischung aus amerikanischem Wüstenrock, Mariachi-Anklängen, Folk und Indie-Pop, der sich an diesem Abend über den gut gefüllten Vorplatz der alten Feuerwache legt und so manche Kopfkino-Fantasie beim Zuhörer lostritt. Staubige Straßen, die am Horizont im Nichts zu verschwinden scheinen und gelegentlich den Blick auf verfallene Zeugnisse einer untergegangenen Zivilisation richten. Genau dieses Bild vermittelt der Bandname Tascosa, der auf eine Geisterstadt in Texas zurückgeht und zugleich die US-Affinität der Bandmitglieder zum Ausdruck bringt. Keiner habe aber je Tascosa betreten, ein Besuch bei Google-Earth habe gereicht, um zwei eingefallene Hütten an einer Straße zu sehen, erzählt Bandmitglied Jan Zipperer, der die Moderatoren-Rolle innehatte. Hauptberuflich ist er nämlich Moderator bei einem Karlsruher Radiosender.

Ein Musikerkollektiv aus Ludwigshafen und Mannheim

Dass diese authentische musikalische Zeichnung von einer deutschen Band, genauer gesagt einem Musikerkollektiv aus Mannheim und Ludwigshafen stammt, mag man bisweilen kaum glauben. „Wir haben uns mittlerweile an den Namen Tascosa gewöhnt“, witzelte Zipperer. Lässt man sich als Zuhörer auf das musikalische Abenteuer ein, stellt man schnell fest, dass diese weltoffene und eigenwillige Melange auf seltsame Art und Weise mit dem Charme der Stadt Mannheim korrespondiert. Es sind womöglich die Indie-Pop-Passagen in Stücken wie „Failure by Design“, die einen urbanen Gegenpol zu den wüstenaffinen Titeln „Rattle Snake“ oder „Getting Caught“ darstellen und das Publikum in das Hier und Jetzt zurückkatapultieren. Wohingegen Stücke wie „Years and Years“ oder „A Thousand Suns“ durch das Trompeten-Spiel des neuesten Bandmitglieds Paul Münch den Zuhörer gedanklich in der Grenzregion zu Mexiko festhalten.

Meditativ-rockige Instrumentals türmen sich gelegentlich auf wie bizarre Felsformationen. Die Anklänge von amerikanischen Kultbands wie Calexico und Kyuss sind durchaus gewollt. Auch wenn es Tascosa erst seit einem Jahr in dieser Besetzung gibt. Irish-Folk-Exkurse im Stil der kanadischen Sängerin Loreena McKennitt und eine herrlich verfremdete Version des Eurythmics Songs „Sweat Dreams“, die im Latino-Gewand einem buchstäblich Spanisch vorkam, deckelten einen äußerst abwechslungsreichen siebzigminütigen Ausritt nach Tascosa.

Wiedersehen beim Mannheimer Brückenaward

Die Debüt-EP der Band, die Anfang des Jahres erschienen ist, trägt schlicht den Namen „Tascosa“. Aufgenommen wurde sie im Mannheimer Rama-Tonstudio unter der Regie von Christian Bethge. Das Mannheimer Publikum darf sich auf ein baldiges Wiedersehen mit den Lokalmatadoren beim 10. Mannheimer Brückenaward Ende August freuen.

x