Ludwigshafen RHEINPFALZ Plus Artikel Von Tunnel-Debatten, Kuli-Dieben und Friedhofsfragen

Dracu(a)lex: Ein leuchtendes Beispiel zeigt Zähne.
Dracu(a)lex: Ein leuchtendes Beispiel zeigt Zähne.

Posttunnel: Fortsetzung

Sie ist eine unendliche Geschichte: die Forderung nach einer Öffnung des 180 Meter langen, 1967 eingerichteten und seit einer halben Ewigkeit gesperrten Posttunnels. Er verbindet den Hauptbahnhof mit der Technologiemeile und der Hochschule in der Ernst-Boehe-Straße. Kann aber leider aus diversen Gründen nicht genutzt werden, was Politiker seit Jahrzehnten schier zur Verzweiflung bringt. Geht halt selten was zügig voran, wenn die Deutsche Bahn, die Grundstückeignerin ist, bei Projekten mit von der Partie ist. Zuletzt vertröstete sie die Verantwortlichen auf 2023. Nach dem Motto „Neue Besen kehren gut“ und der Devise „Wenn’s nicht untendurch geht, dann eben darüber hinweg“ hat der seit Juli amtierende Bau- und Umweltdezernent Alexander Thewalt (parteilos, ehemals Grüner) diese Woche wieder Schwung in die Debatte gebracht: mit dem Vorschlag einer Fahrradbrücke. Vorteil 1: Deren Bau könnte womöglich in erheblichem Maße staatlich gefördert werden. Vorteil 2: Die Bahn spielt wohl mit. Kaum war die erfrischende Alternativ-Idee zur Tunnelöffnung allerdings geboren, forderte die SPD auch schon „zwingend“ direkte Gleisanschlüsse. Das klingt nach Fortsetzung folgt, sprich: der nächsten unendlichen Geschichte.

Oggersheim: Fortschreibung

Eine unendliche Geschichte sind manchmal auch Sitzungen von Ortsbeiräten. Im Falle Oggersheims hielt sich die Dauer der Veranstaltung am Donnerstag mit knapp zweieinhalb Stunden aber noch im Rahmen. Dort stellte sich auch Martin Baumann, der neue Leiter der Polizeiwache Oggersheim, vor. Er sagte dabei nicht nur etwas zu seinem Lebenslauf, sondern hatte sich auch akribisch auf die eine oder andere Anfrage aus dem Gremium vorbereitet, die mit Delikten unterschiedlicher Art zu tun hatten. Das Hauptdelikt des Abends verpasste Baumann jedoch. Nach der Sitzung waren plötzlich alle Kugelschreiber verschwunden, die am Eingang zum Ratssaal standen. Die Stadt hatte sie bereitgestellt, damit Besucher ein Corona-Kontaktformular ausfüllen konnten. Da die Anzahl der Kulis die der Besucher deutlich überstieg, hätten eigentlich noch viele übrig sein sollen. Doch sie waren weg. Das riecht nach Kuli-Klau im Rathaus. Der Täter darf sich gerne schriftlich stellen – das Schreibgerät dafür hat er ja schon.

Maudach: Fortpflanzung

Corona hat den Maudachern einen gehörigen Strich durch die Rechnung gemacht. Aus den vielen Festen zum 1250. Geburtstag des Orts wurde nichts. Im Ortsbeirat gab es nun Signale, dass sich der kleine Stadtteil trotz des gesegneten Alters wenigstens keine Sorgen um seinen Fortbestand machen muss. Zu verdanken ist die Erkenntnis der SPD. Die ließ beim geplanten Baugebiet am Friedhof nicht locker und wollte noch einmal sicherstellen, dass an die Natur gedacht wird. Deren Interessen werden natürlich berücksichtigt und geschützt, teilte die Verwaltung offiziell mit – und zählte auf, was durch die Bauprojekte nicht angetastet werden darf. Und dabei fiel die nette Formulierung: „Dauerhaft genutzte Fortpflanzungsstätten dürfen nicht zerstört werden.“ Die Beiräte grinsten und kicherten. Vertieft wurde das Thema nicht, welche Stätten genau gemeint waren und wer sich gerne dorthin zurückzieht? Maudach scheint ein spannender Fleck auf der Erde zu sein. In diesem Sinne: auf die nächsten 1250 Jahre.

x