Ludwigshafen Von Georges Bizet bis Andrew Lloyd Webber
Angelika Milster ist eine vielseitige Künstlerin, singt Musicals, Schlager und Chansons. Sie ist im Fernsehen als Schauspielerin zu sehen und seit einigen Jahren tritt sie auch mit Kirchenkonzerten auf. Dabei singt sie neben ihren Musicalerfolgen auch Filmmelodien und klassische Lieder und Arien, begleitet nur von Orgel oder Klavier. Auch bei ihrem Gastspiel in der Ludwigshafener Friedenskirche wurde die Diva vom Publikum enthusiastisch gefeiert.
Der Erfolg von Angelika Milster kommt nicht von ungefähr, verfügt sie doch über eine gediegene Ausbildung. Sie hat Gesang, Schauspiel und Tanz studiert. 1983 kam der Durchbruch mit der Rolle der Katze Grizabella in Andrew Lloyd Webbers Musical „Cats“, seitdem ist sie aus der Musikszene nicht mehr wegzudenken. An Preisen hat sie unter anderem die Goldene Europa, die Goldene Stimmgabel und den Echo erhalten, dazu auch noch den Verdienstorden der Bundesrepublik Deutschland. Auch in Ludwigshafen war Angelika Milsters Auftritt ganz so, wie es einer Diva geziemt: Während der Pianist sich unauffällig zu seinem Flügel begibt, wird sie vom Lichtkegel eines Spots den ganzen Weg auf die Bühne bis vors Mikrofon begleitet. Letzteres hätte Angelika Milster im übrigen gar nicht nötig, ist ihre Stimme doch für die große Friedenskirche tragfähig und ausdrucksstark genug. Das zeigt schon das Eröffnungslied, der Song „People“ aus dem Musical „Funny Girl“, von Angelika Milster mit der richtigen Balance aus Musical-Leichtigkeit und stimmlichem Vollklang interpretiert. Die ganze Fülle und Ausdruckskraft ihrer Stimme zeigt sich dann in dem Filmmusicalhit „Somewhere over the Rainbow“. Ihre stilistische Vielseitigkeit konnte in ihrer Version von „Sag mir, wo die Blumen sind“ demonstrieren – nicht mit dem dramatischen Pathos einer Marlene Dietrich, nicht mit der Folk-Protest-Attitüde einer Joan Baez, sondern als klassisches, elegisch und eindrucksvoll vorgetragenes Chanson. Angelika Milster kann es sich auch erlauben, wenn sie in einem Chanson von Edith Piaf einmal in die falsche Zeile gerät, abzubrechen, noch mal anzufangen und das Publikum über die Gründe aufzuklären. Ihre gesangliche Souveränität zeigte sich dann endgültig bei klassischen Stücken. Dank ihrer Stimmkraft und Ausdrucksfähigkeit wurden ihre Wiedergaben von Georges Bizets „Agnus dei“ oder der eigentlichen Tenorarie „Nessun dorma“ zu vom Publikum kräftig bejubelten Höhepunkten des Abends. Dem Klassik-Genre blieb sie auch treu mit einigen Vokalfassungen bekannter Instrumentalstücke. Solche Bearbeitungen können gerne einmal unerträglich kitschig werden, bei Angelika Milster klangen das Adagio von Albinoni und der langsame Satz aus dem „Concierto d’ Aranjuez“ von Joaquin Rodrigo feinsinnig und geschmackvoll. Und auch die Mutter aller kitschigen Austextierungen, Ernst Marischkas „In mir klingt ein Lied“ nach der E-Dur-Etüde von Chopin, erhielt von ihr durchaus eine gewisse Süße, wurde aber von jedem Zuckerguss befreit. Eindringlich sang sie die Titelmelodie aus dem Film „Exodus“ und die Hymne „Jerusalem, Jerusalem“, verbunden mit dem ehrlichen Anliegen, den Friedensprozess zwischen Israelis und Palästinensern voranzubringen. Und natürlich durfte ein Song aus „Cats“ nicht fehlen. „Erinnerung“ ist das Lied ihres Lebens, und das singt Angelika Milster nach wie vor hinreißend. Am Ende Beifallsstürme und drei Zugaben. Bestens unterstützt fand sich die Sängerin von ihrem sensibel agierenden Pianisten Harald Lierhammer, der das Klangspektrum des Steinway voll ausschöpfte.