Neuhofen / Mannheim
Von der Pfalz nach Los Angeles und zurück: Schauspielerin Sonja Grenz als „Pinocchio“
Sonja Grenz findet derzeit großes Vergnügen daran, dem Publikum eine lange Nase zu machen. Die Schauspielerin gibt noch bis zum 6. Januar den Pinocchio im Mannheimer Kindermusical im Palazzo. Auf der Bühne zu stehen, fühlt sich für die 29-Jährige, die in Neuhofen aufgewachsen und in Speyer zur Schule gegangen ist, wie bei sich anzukommen an. Immer dann, wenn sie ihr Inneres nach außen kehren kann. Dabei verfügt sie über eine beachtliche Bühnenpräsenz. Mit ihrer aktuellen Rolle sei sie sehr glücklich, und doch würde sie in Zukunft gerne einmal wieder ein Engagement im Erwachsenenfach anstreben. Im Laufe ihrer bewegten Karriere ist sie in beiden Welten unterwegs gewesen. Bewegt weil sie unter anderem schon in Wien, Berlin und Los Angeles auf der Bühne stand.
Geboren 1996 in Ludwigshafen, wuchs sie in Neuhofen auf. Das Leben in der idyllischen Pfalz wurde ihr jedoch schon bald zu eng, wie sie im Gespräch in einem Café mit Blick auf den Wasserturm verrät. „Ich wollte schon in ganz jungen Jahren in die Schauspielerei gehen“, macht sie deutlich. Die ersten Erfahrungen mit dem Theater hat sie an ihrer Schule, dem Friedrich-Magnus-Schwerd-Gymnasium in Speyer, gemacht.
Ihr Weg führte sie zuerst nach Wien, wo sie auf der Theater- und Filmacademy ein bilinguales Studium der Schauspielkunst absolvierte. Sie hatte Glück, weil sie zu denen gehörte, die aus Tausenden von Bewerbern ausgewählt wurden. Der Aufwand, den sie dafür investiert hat, habe sich gelohnt. Ihr Fokus lag von Anfang an auf der Filmkunst, weshalb sie in Österreich auch zum ersten Mal vor der Kamera stand und Rollen in TV-Serien wie „Das Sacher“ und „Walking on Sunshine“ übernahm.
Ihr bilinguales Studium war mit einem dreimonatigen Aufenthalt in den Vereinigten Staaten verbunden. In Los Angeles tauchte sie in die Welt der Filmschaffenden ein und erinnert sich mit Freude an ihren Aufenthalt. Gibt es Unterschiede zur Schauspielkunst in den USA? „Auf jeden Fall“, erwidert sie. „In Deutschland oder auch Österreich fragt man dich erst einmal, woher du kommst, was für eine Ausbildung du gemacht hast. Das läuft an einem Set in den USA sehr viel entspannter ab.“ In Los Angeles habe man sich erst einmal nur dafür interessiert, dass sie vom Fach sei: „Oh, du bist Schauspielerin, lass uns was machen!“ Es sei schade, dass in dieser Zeit keine nachhaltigen Rollen an sie herangetragen worden seien.
Starke Charaktere und ein alter Bekannter
Angebote habe es dafür aber nach ihrer Rückkehr gegeben. In Österreich und, verbunden mit ihrem Wechsel in ihre Wahlheimat Berlin, zunehmend in Deutschland. Vor allem im Theater und im Musical. Heute ist sie mit 18 Schauspielhäusern vernetzt. Das Schöne für sie an Berlin? „Ich habe das Gefühl, dass man sich hier viel freier entfalten kann als an anderen Orten“, sagt sie. Sie vergleicht das gern mit einer Tür, die sich geöffnet hat und hinter der viel im Verborgenen lag, das sie nach und nach für sich entdeckt hat. In Berlin absolvierte sie eine Ausbildung im Tanz und als Synchronsprecherin, sang in mehreren Bands und arbeitet gerade an ihrem ersten Album. Das Genre – Pop-Gesang mit Piano und Cello – komme ihrer Stimme entgegen.
Ihr schauspielerisches Können präsentiert sie aktuell im Palazzo in Mannheim. Dafür ist sie zwischenzeitlich in die alte Heimat nach Neuhofen zurückgekehrt, wo sie nun für die Dauer der Spielzeit wohnt. Den „Pinocchio“ spielt sie nicht zum ersten Mal. Sind da Unterschiede? „Ja, der Mannheimer Pinocchio ist viel körperlicher“, stellt sie fest. Die Rolle, an der ihr der starke, freche und mutige Charakter gefalle, sei damit auf eine andere Art herausfordernd.
„Eigentlich gibt es nichts, was ich nicht spielen würde“, betont sie. Aber Figuren wie Pinocchio lägen ihr aufgrund der charakterlichen Facetten besonders am Herzen. Auch im Erwachsenenfach sind es Persönlichkeiten, die durch ihre unangepasste Lebensweise Spuren hinterlassen, für die sie sich begeistern kann. „Edith Piaf würde ich unheimlich gerne spielen“, sagt sie. „Sie war eine für ihre Zeit bemerkenswert starke Frau.“
Während die Spielorte und Menschen wechseln, begleitet Sonja Grenz allerdings ein „alter Bekannter“ bis heute: Lampenfieber. „Das ist vor jedem meiner Auftritte immer wieder da“, sagt die 29-Jährige und rührt lachend in ihrem Tee. Das sei aber auch nicht schlimm. „Heute habe ich gelernt, es besser zu benutzen“, sagt sie. Lampenfieber könne sogar eine Hilfe sein: „Die Aufregung bewirkt für mich auch, dass die Konzentration auf der Bühne höher ist, ich ganz und gar da bin.“
Termine
„Pinocchio“ im Mannheimer Palazzo täglich – außer am 24. Dezember und 1. Januar – noch bis 6. Januar. Die Vorstellungen beginnen meist um 10 Uhr, an einigen Tagen um 13 Uhr und dauern rund 100 Minuten. Empfohlen für Kinder ab 4 Jahren. Tickets: www.mannheimerkindermusical.