Ludwigshafen RHEINPFALZ Plus Artikel Vom Hilfsarbeiter zum Arbeiterdichter: Josef Lenhards Leben zwischen Maloche und Literatur

Eine Porträtzeichnung von Otto Ditscher zeigt den Arbeiterdichter Josef Lenhard.
Eine Porträtzeichnung von Otto Ditscher zeigt den Arbeiterdichter Josef Lenhard.

Vom BASF-Laborgehilfen zum gefeierten Arbeiterdichter: Josef Lenhard prägte die Arbeiterliteratur der Pfalz. Heute erinnert kaum noch etwas an den Schriftsteller.

Seine ersten phantastischen Erzählungen und Gedichte warf Josef Lenhard (1886–1965) ins Feuer – er erkannte selbstkritisch ihre Schwächen. Das war unmittelbar nach seiner Heimkehr von den Schlachtfeldern des Ersten Weltkriegs in Frankreich und Belgien. Von seiner späteren Eingliederung in den erlesenen Kreis der deutschsprachigen Arbeiterdichter war der Ludwigshafener damals noch weit entfernt.

Doch der aus ärmlichsten Verhältnissen stammende Laborgehilfe der Badischen Anilin- und Sodafabrik (BASF), der keine Berufsausbildung hatte und sein Wissen im Selbststudium nach und nach erweiterte, gab nicht auf. 1927 – da war er schon 41 Jahre alt – wagte er mit Kurzgeschichten und Gedichten in der „Literarischen Pfalz“ und in Zeitungen den Schritt in die Öffentlichkeit.

Allmählich wurde Lenhard in den literarischen Kreisen der Pfalz beachtet. Doch dann kam mit der Weltwirtschaftskrise 1929 auch für Lenhard die Arbeitslosigkeit und damit das Ende eines wirtschaftlich einigermaßen gesicherten Lebens. Der Vater dreier Kindern wurde von der BASF entlassen und stand wie Tausende andere auf der Straße.

Viel Lob für Roman

Doch der am 6. Juni 1886 in Kaiserslautern geborene Sohn eines Hausierers gab zumindest schriftstellerisch nicht auf. 1932 erschien im Potsdamer Ludwig-Poggenreiter-Verlag sein vom sozialdemokratischen Bücherkreis protegierter autobiografischer Roman „Mensch unterm Hammer“, der überwiegend in Mundenheim spielt. Für die realistischen Milieuschilderungen gab es viel Lob – etwa vom späteren Ludwigshafener Ehrenbürger Hans Loschky (1888–1979) als damaligem Rezensenten.

Von da an ging es für Lenhard, der seit 1896 in Ludwigshafen lebte, allmählich wieder bergauf. Im Dezember 1932 erhielt er auf Vermittlung des Wohlfahrtsamts eine Anstellung als ungelernter Arbeiter beim städtischen Elektrizitätswerk, die er bis zu seiner Pensionierung Mitte der 1950er-Jahre behielt.

Zwar wurde sein Roman 1933 von den Nationalsozialisten verboten, doch Lenhard arrangierte sich. Als „Arbeiter der Stirn und der Faust“ enthielten seine Erzählungen und Gedichte Lob für die neuen Machthaber. So erschien 1937 sein Gedichtband „Dem Werke singe ich mein Lied“, und auch seine Sammlung von 16 einfachen Geschichten aus Werkshallen und Versuchslaboren, „Ein Kamm aus Elfenbein“, trug diese Tendenz.

„Historisches Denkmal“

Das rund 200-seitige Werk erschien 1939 unter dem Namen „Stadt der Arbeit“ als Präsent zum 80. Jahrestag der Stadterhebung. Der damalige Oberbürgermeister Erich Stolleis widmete es 1939 den Ludwigshafener Soldaten zur „Kriegsweihnacht“. Rund 2500 Exemplare kaufte die IG Farben (BASF), um sie ihren Mitarbeitern zu übergeben.

Der engagierte Sozialdemokrat und Schulmeister Hans Loschky war beeindruckt: „Das Buch ist für die Stadt der Arbeit und ihren bodenständigen Arbeiterdichter Josef Lenhard ein schönes historisches Denkmal.“ Es war Lenhards letzte literarische Arbeit, nach 1945 veröffentlichte er nichts mehr.

Der gesundheitlich schwer angeschlagene Mann – ihm wurde nach einer Krankheit ein Bein abgenommen – starb am 27. März 1965. In Ludwigshafen erinnert heute fast nichts mehr an ihn: kein Straßenname, kein Literaturpreis. Dabei nennen ihn Literaturkritiker in einem Atemzug etwa mit Karl Bröger (1886–1944), Heinrich Lersch (1889–1936), Max Barthel (1893–1975), Max Kretzer (1854–1941) oder Gerrit Engelke (1890–1918).

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