Ludwigshafen Volles Sortiment als Erfolgsrezept
. Auf dem Bürgersteig vor dem Ladenlokal der „Kichererbse“ in der Mundenheimer Straße im Stadtteil Süd stehen große Tontöpfe, darin wachsen Efeu und übermannshoher Oleander. Der Bio-Feinkostladen, der keiner Kette angehört, feiert am 19. September sein 35-jähriges Bestehen. Es ist ein langer Weg, den Astrid Reuter und Willi Faßbender beruflich miteinander gegangen sind. Ursprünglich war Willi Faßbender aus Kusel Kaufmann, und Astrid Reuter aus Wiesbaden war Arzthelferin. Dann war da das Gefühl, das Leben müsse noch etwas anderes zu bieten haben. Unabhängig voneinander schreiben sich beide in Ludwigshafen zum Studium für Sozialarbeit ein und werden anschließend im Haus der Jugend angestellt. Doch das Gefühl, etwas neu anfangen zu wollen, bleibt. Die beiden entschließen sich 1980, ihren ersten gemeinsamen Laden zu eröffnen. Der hieß damals noch „Tee und Töpferladen“ und befand sich in der Schützenstraße 26 auf etwa 40 Quadratmetern Ladenfläche. „Die Schützenstraße war damals noch eine gute Lage ohne Leerstand“, erinnert sich Astrid Reuter. Der Laden lief gut, das Duo Reuter-Faßbender expandierte. Zeitweilig hatten die beiden drei Läden gleichzeitig. Sie hießen „Wein und Töpferladen“, „Tee und Gewürzecke“ und seit 1988 eben auch „Kichererbse“. „In den 80ern haben wir allen Unfug zusammen gemacht“, erinnert sich Reuter lächelnd an die Zeit, als auch ein Weihnachtsmarktstand mit Umweltpapier dazu kam und sie dort die von ihrer Mutter für sie gestrickten Wollpullover trug.„Für den Einzelhandel und für Bioläden speziell ist Ludwigshafen kein leichtes Pflaster“, weiß Astrid Reuter, die sich deshalb der Initiative inhabergeführter Fachgeschäfte „Top in Lu“ angeschlossen hat. Stolz erzählt sie, dass die Alnatura-Kette ihre Filiale in Ludwigshafen geschlossen hat, während die „Kichererbse“ auf 140 Quadratmetern weiter besteht. „Wir haben schnell gelernt, dass ein Bioladen nur funktioniert, wenn wir ein Vollsortiment anbieten“, beschreibt Faßbender das Konzept. Von frischem Obst und Gemüse über Brot und Kuchen, einer Kühltheke mit Milch und Sojaprodukten und selbstgemachten Feinkostsalaten und Käse bis hin zu Putzmitteln und Kosmetik reicht die breite Palette. Ausschließlich Bioprodukte und nach Möglichkeit von regionalen Anbietern. Allerdings haben auch Reuter und Faßbender Erfahrung mit dem Schließen von Läden in der Pfalzgrafenstraße und im Bismarckzentrum. Heute sind sechs Teilzeitmitarbeiterinnen und Aushilfen in der „Kichererbse“ beschäftigt. Astrid Reuter, die das Tagesgeschäft organisiert und begleitet, kennt ihre Kunden genau. Willi Faßbender kümmert sich um die Buchhaltung, erstellt die Handzettel für Sonderaktionen und hilft nach Feierabend beim Ausräumen und Sortieren. Nach ihrem Erfolgskonzept gefragt, wie eine Geschäftspartnerschaft so viele Jahre funktionieren kann, antwortet Reuter: „Wie ein altes Ehepaar: täglich im Gespräch bleiben.“ Wenn sie zusammen sitzen, tüfteln sie Fragen zu Ratespielen aus, die sie mehrmals im Jahr konzipieren. Aktuell läuft das Broträtsel, bei dem Kunden einen Fragebogen ausfüllen und Bio-Vollkornbrote gewinnen können. Reuter und Faßbender engagieren sich auch sozial. Jedes neu eingeschulte Kind der Brüder-Grimm-, Wittelsbach-, Albert-Schweitzer- oder Erich-Kästner-Grundschule bekommt einen Gutschein für ein „Gutes Frühstück“. An Rente denken sie noch nicht. Aber mit 80 Jahren noch im Laden stehen, so wie die Inhaberin der Privat-Kaffee-Rösterei-Morbacher, das will Astrid Reuter auch nicht. „Solange wir gesundheitlich können, werden wir die Kichererbse betreiben“, entscheidet Faßbender diplomatisch. Termin Am Samstag, 19. September, wird im Hof hinter dem Laden in der Mundenheimer Straße 243 ab 19 Uhr mit Musik gefeiert.