Ludwigshafen RHEINPFALZ Plus Artikel Ungewöhnliches Konzert mit Chor, Harfe und Hörnern in der Ludwigshafener Apostelkirche

Chor mit himmlischem Begleiter: Für diese Kombination wurde Dirigentin Christiane Michel-Ostertun in der Romantik fündig.
Chor mit himmlischem Begleiter: Für diese Kombination wurde Dirigentin Christiane Michel-Ostertun in der Romantik fündig. Archivfoto: Linzmeier-Mehn

Dass Harfe mit Chor kombiniert wird, ist selten zu hören. Die Leiterin des Chors für Geistliche Musik Christiane Michel-Ostertun hat sich auf die Suche gemacht und widmet ein ganzes Konzert dem himmlischen Instrument und ihren aparten Begleitern: zwei Hörnern. Ein Auftragswerk des Komponisten Martin Bärenz gibt es beim Konzert in der Ludwigshafener Apostelkirche zu entdecken – und die unbekannte und doch gerühmte Schwester von Felix Mendelssohn Bartholdy.

„Viele Menschen lieben die Harfe, aber im Orchester wird ihr oft nur ein Solo eingeräumt“, sagt Chorleiterin Christiane Michel-Ostertun. Die Originalliteratur sei sehr begrenzt, aber die Chorleiterin wurde fündig und hat ein romantisches Programm zusammengestellt mit Liedern, deren Emotionalität von lyrischen Texten unterstützt wird. „Mir war klar, dass die Harfe erst ab der Romantik eine Rolle spielt“, sagt die Dirigentin. Harfe, Hörner und Chor zu kombinieren – auf diese Idee müsse man erst einmal kommen, und hier erwies sich Johannes Brahms im Opus 17 als fortschrittlich. Alexander Zemlinsky nahm im Minnelied Flöten (Maria Schorer und Claudia Hammar) dazu, was das Klangerlebnis noch exotischer macht.

Barocker Text, zeitgenössische Komposition

Da der Chor neben der Harfenistin Freya Petrich auch die zwei Hornisten Jaehyung Kim und Benjamin Laxa eigens engagiert, sollen die erhabenen Blechbläser ausreichend zum Einsatz kommen. Deshalb hat der Heidelberger Komponist Martin Bärenz die Kantate „An sich“ geschrieben, die auf Texten des Barock-Dichters Paul Fleming basiert. Gar nicht barock, sondern zeitgemäß, melodisch und sehr bewegend werde die Uraufführung in der Apostelkirche, erwartet die Dirigentin.

Wie erschließt sich ein Laienchor so ein völlig neues Werk? Stück für Stück taste man sich heran, während sie den Hörner-Part auf dem Klavier einspiele, erzählt die Leiterin. Einen klanglichen Eindruck erhalten die Sängerinnen und Sänger dank der neuen Medien. Der Komponist erstelle Notendateien in verschiedenen Versionen, in denen er einzelne Stimmen hervorhebt.

Die Hymne nach dem 83. Psalm für Frauenchor und Harfe von Josef Rheinberger hat die Leiterin so bearbeitet, dass er für gemischten Chor funktioniert. Und sein „Abendlied“ hält sie für eins der schönsten Stücke der A-capella-Literatur.

Die unbekannte Schwester von Felix Mendelssohn

Immer noch ein Geheimtipp sei hingegen das Werk der Fanny Hensel. Wie ihr Bruder Felix Mendelssohn Bartholdy wurde sie von den besten Lehrern unterrichtet und erwies sich nicht nur als hervorragende Pianistin, sondern auch Komponistin. Als Frau musste sie sich auf Hausmusik beschränken und durfte ihr Werk nur bei den „Sonntagsmusiken“ in halböffentlichen Runden aufführen. So sprach sich ihre Begabung herum: Der Berliner Musikkritiker Ludwig Rellstab schrieb, sie habe mit ihrem berühmten Bruder „auch die Schwesternschaft des Talents“ geteilt. Im Alter von nur 42 Jahren starb sie unerwartet an einem Gehirnschlag.

Termin

Konzert des Chors für Geistliche Musik am Sonntag, 27. Oktober, 17 Uhr in der Apostelkirche (Rohrlachstraße) mit Kompositionen von Fanny Hensel, Joseph Rheinberger, Johannes Brahms, Martin Bärenz und Alexander Zemlinsky. Karten im über das Theater im Pfalzbau unter Telefon 0621/5042558.

x