Ludwigshafen Und Gott sprach: „Isch hol disch iwwerall raus“

Die Botschaft auf Pfälzisch unter die Leute gebracht: Pfarrer Thomas Niederberger in der protestantischen Kirche in Dannstadt.
Die Botschaft auf Pfälzisch unter die Leute gebracht: Pfarrer Thomas Niederberger in der protestantischen Kirche in Dannstadt.

«Dannstadt-Schauernheim.» Einen Gottesdienst in Pfälzer Mundart konnten Gemeindemitglieder und Interessierte am vergangenen Sonntagmorgen in der protestantischen Kirche in Dannstadt erleben. Pfarrer Thomas Niederberger trug bis auf das Glaubensbekenntnis alles im Dialekt vor.

Und auch die Kirchenlieder sind auf Pfälzisch; die Dannstadterin Petra Veil hat diese übersetzt. Anschließend lud die Kirche zum gemütlichen Beisammensein bei Speiß’ und Trank ein. Der Erlös der Aktion wie der Kollekte kommt der Glockenreparatur zugute. Pfarrer Thomas Niederberger hält immer wieder Mundartgottesdienste in der Region. In Speyer leitet der agile Pastor aus Fußgönheim das Amt für Religionsunterricht. In beiden Funktionen muss er sich Gedanken über die wirkungsvolle Vermittlung des Evangeliums und vieler religiöser Sachverhalte machen. Was die Gottesdienste anbetrifft, hat er eine überzeugende Lösung anzubieten. „Was mich daran so interessiert ist, dass man ein bisschen Mut macht“, sagt er. Das Pfälzische eigne sich sehr gut, um die Botschaft unter die Leute zu bringen. Und der Dialekt erklingt in der nächsten Stunde dann ganz und gar nicht so deftig, polternd und verschrien, wie man es von einem „Pälzer Krischer“ eigentlich erwartet. Ganz im Gegenteil hat Niederberger nun einen sanften, von fast kindlich anmutender Frömmigkeit geprägten Tonfall. „So, do simmer alle – isch frä misch“, begrüßt der Pfarrer die Gemeinde. Sollte er nicht überall gut zu hören sein, rät er, „die Hand hewe, dann wer isch lauder“. Er erzählt „vun de Mondfinschdernis, em Himmel un de Schderne. Des alles hod de liewe Gott gemachd, un dann ah den klääne Mensch un hod dem soviel, hod dem alles in die Händ geleggd“. Dann appelliert er an das Selbstbewusstsein der Gläubigen. „Los disch net vor jeden Karre spanne.“ In seiner Lesung und Predigt bezieht sich Pfarrer Thomas Niederberger auf die Berufung des Propheten Jeremia. Der wehrt sich, als Gott ihm zu erklären versucht, was er mit ihm vorhabe. „Isch kann doch gar net redde mit all dene gscheide Leid“, wendet Jeremia ein. Doch Gott sagt: „Isch helf der, isch hol disch iwwerall raus.“ Es sei alles so gerichtet, dass es letzten Endes gut gehe. „So, ihr liewe Leid, vielleischt sin mir a berufe, fehrs Ähne oder Annere, mid verschiedene Talende un Begabunge, wannd’s G’fühl hoscht, des befriedischt, des befliegelt disch, do bin isch rischdisch, des is moi Ding.“ Und wie Jeremia seien wir alle Gottes Mitarbeiter, so der Pfarrer. Begleitet wurde der Gottesdienst mit Liedern, die die Dannstadterin Petra Veil ins Pfälzische übertragen und in ihrem „Liederbischl“ zusammengefasst hat. Dort heißt das Lied 508 aus dem evangelischen Gesangbuch „Wir pflügen und wir streuen“ „Mer henn en scheene Gaade“. Auch darauf trifft zu, was Renate und Hans-Jürgen Goletz aus Mutterstadt an den Mundartgottesdiensten schätzen. „Frei raus, wie das Lebens ist“, das sei das Schöne daran.

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