Ludwigshafen Trost für die Trauernden

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In der Mannheimer Christuskirche haben Johannes Michel und der Bachchor Mannheim ein Werk aufgeführt, das wie kaum ein anderes in den dunklen Trauermonat November passt: „Ein Deutsches Requiem“ von Johannes Brahms. Alle Beteiligten, Dirigent, Chor, Orchester und Solisten, bereiteten diesem Ausnahmewerk der Chorliteratur eine musikalisch in jeder Hinsicht adäquate und emotional berührende Aufführung.

Das „deutsche Requiem“ ist ein Unikat in der Chorliteratur, ohne Vorbild und Nachfolge. Es ist nämlich keineswegs einfach eine Vertonung des lateinischen Totenmessen-Textes in deutscher Sprache. Für den Text hat Brahms Bibelstellen zusammengestellt, die um das Thema Tod kreisen, um Trauer, vor allem aber auch die Verheißung von Auferstehung und ewigem Leben. Zum liturgischen Text haben sie keine Beziehung. Die Dies-Irae-Thematik hatte für den Protestanten Brahms keine Bedeutung. Andererseits weisen die Texte und ihre musikalische Umsetzung weit über den Protestantismus hinaus ins Überkonfessionelle, allgemein Menschliche. Nicht um die Schrecknisse des Todes geht es, sondern vor allem um Trost der Trauernden. Auffällig auch, dass der überaus bibelfeste Brahms aus dem lutherischen Hamburg gerade auf Bücher aus dem Alten und Neuen Testament zurückgreift, die bei Luther selbst nicht gerade hoch im Kurs standen, auf den Jesus Sirach und die Weisheit Salomos, auf den Hebräer- und den Jakobusbrief. Brahms hat sein Ansinnen in höchster Meisterschaft umgesetzt. Der Satz ist bis auf drei Schlussfugen stark homophon geprägt, aber äußerst kunstvoll, die Stimmführung artifiziell, die Harmonik im Sinne des Ausdrucks der Entstehungszeit entsprechend komplex. Die Melodik hingegen ist geradezu eingängig: nicht nur ein Deutsches, sondern auch ein Volksrequiem. Bemerkenswert ist die symmetrische Anlage des Werks in den kontemplativen Ecksätzen, im ersten und im siebten Satz, sind Seligpreisungen vertont. Die Totenklage des zweiten Satzes korrespondiert mit dem Auferstehungshymnus des sechsten, die Todesfurcht des dritten mit der Zuversicht des fünften Satzes. Johannes Michel sorgte für eine eindringliche Wiedergabe, bei der der Textgehalt nachdrücklich umgesetzt wurde. Michel fand stets die passenden Tempi, nie „altbrahmsisch“ schleppend, aber auch nicht so rasant, wie sie manche Dirigenten vorlegen, die die Gepflogenheiten historisierender Aufführungspraxis auch auf die Spätromantik übertragen müssen. Sicher, homogen und bis auf wenige angestrengt klingende Töne in extremen Höhen tonschön sang der Bachchor. Das Innige in Passagen wie die Seligpreisungen in den Ecksätzen wurden ebenso überzeugend herausgearbeitet wie das Düstere im so prägnanten, trauermarschartigen zweiten Satz. Ohne Fehl und Tadel, mit nobler Diktion und nuanciert gestaltete der Bass-Bariton Matthias Horn seinen Part. Intensiv, mit ein klein wenig zu viel Vibrato in der Stimme, aber doch schön und expressiv sang die Sopranistin Milena Georgieva das „Ihr habt nun Traurigkeit“. Ein großes Lob gebührt auch der Sinfonietta Mannheim. Das Orchester hat gerade hier mehr als nur einen unterstützenden Begleitpart, spielt mehrfach (etwa im zweiten Satz) eine Hauptrolle. Klangvoll und präzise ließ sich die Sinfonietta Mannheim vernehmen. Begeisterter Schlussapplaus für alle Beteiligten.

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