Ludwigshafen RHEINPFALZ Plus Artikel Traum-Job Influencerin: Payton Ramolla aus Rheingönheim ist im Netz schon ein kleiner Star

In Pose auf der Parkinsel: Payton Ramolla.
In Pose auf der Parkinsel: Payton Ramolla.

535.000 Menschen folgen ihr bei Instagram, über 160.000 bei Youtube, mehr als eine halbe Million bei TikTok: Payton Ramolla aus Rheingönheim ist als sogenannte Influencerin schon ein kleiner Star im Netz. Und inzwischen auch als Schauspielerin im Einsatz. Wer ist diese junge Frau?

Einen Flic-Flac aus dem Stand auf dem Asphalt kann Payton Ramolla einfach so hinlegen. Die Spaziergänger auf der Parkinsel in Ludwigshafen bleiben staunend stehen. Noch mehr staunen würden sie, wüssten sie, womit die zierliche kleine Rheingönheimerin ihren Lebensunterhalt verdient. Als Influencerin „Payton.r“ bekommt die 20-Jährige für einen Post oder einen Film auf Instagram, TikTok oder Youtube rund 5000 Euro.

Nach dem Abschluss ihrer Lehre als Industriekauffrau bei der Deutschen Bahn in Mannheim Anfang November will sie das Influencen, das Beeinflussen, eine moderne Form der Werbung, als Vollzeit-Job betreiben – solange es eben geht. Auch als Schauspielerin hat sie erste Erfahrungen. Mitte Oktober startet die zwölfteilige Serie „Das Internat“ beim Streamingsender Joyn, in der die 20-Jährige eine Hauptrolle spielt.

Ruckzuck steht der kleine Film

Die bunten Blätter, die in der Platanenallee auf dem Weg und auf der Wiese gelandet sind, und sich selbst filmt Payton so ganz nebenbei mit dem Handy während des Gesprächs mit der RHEINPFALZ. „Man muss dranbleiben, meine Follower wollen wissen, was ich so mache“, erklärt sie.

Ruckzuck steht der kleine Film über die schöne herbstliche Stimmung auf der Parkinsel im Netz. Rund 535.000 Follower, also Menschen, die ihr folgen, hat sie bei Instagram. Bei Youtube sind es etwa 161.000 Follower, bei TikTok, der umstrittenen Plattform aus China, fast 540.000 Follower.

„Von Mode-, Sport- oder Kosmetikfirmen oder meinem Management bekomme ich zum Beispiel rund zehn Kleidungsstücke mit einem Briefing: Zeig das und das!“, berichtet sie. Es kann ein Artikel oder Post werden – von englisch „to post“, übersetzt „durch Aushang bekanntgeben“. Das ist ein einzelner Beitrag beispielsweise in den Sozialen Medien, auf den die Follower antworten können.

„Das letzte Wort hat immer Payton“

Möglich sind aber auch Bilder oder Storys, also kleine Geschichten in Form von Film- und Wortbeiträgen. „Das letzte Wort, was sie damit macht, hat aber immer Payton“, erklärt ihre Mutter Carmen Ramolla, die auch bei dem Pressegespräch dabei ist. Sie berät Payton und deren 16-jährige Schwester Sydney, die auch schon eine beträchtliche Zahl von Followern hat.

Noch zu Paytons Zeit in der Oberstufe wurde das Management auf die damals 17-Jährige mit vielen Followern aufmerksam und nahm sie unter Vertrag. Bei ihren Töchtern sorgt die Bankkauffrau für eine gewisse Bodenständigkeit. Payton ist zwar nicht mit Abitur, sondern mit Fachhochschulreife vom Geschwister-Scholl-Gymnasium in Süd abgegangen, wird aber ihre Ausbildung bald vorzeitig abschließen. „Damit hat sie einen Grundstock, auf den sie immer wieder zurückgreifen kann“, erklärt sie.

Sie äußert sich auch politisch

„Mal sehen, wie lange die Menschen mir folgen wollen“, meint Payton, die mit der Schwester noch bei der Mutter wohnt. Doch Mode und Beauty ist nicht ihr einziger Lebensinhalt. Auch zu politischen Themen nimmt sie Stellung. „,Fridays for Future’ halte ich für eine gute Sache, weil man so auf die weltweiten Missstände hinweisen kann. Dies sollte jedoch nicht nur an einem bestimmten Tag sein, sondern daran sollte man immer denken. Das betrifft uns alle. Aber nicht nur mitmachen, weil man dann an diesem Tag nicht zur Schule muss. Das wäre die falsche Einstellung“, meint sie. „In Bezug auf die Textilindustrie bin ich total gegen Kinderarbeit und Niedriglohn im Ausland. Es sollten faire Preise, Arbeitsbedingungen zu angemessenen Lohnkosten, am besten im eigenen Land, erfolgen“, erklärt sie. Ausdrücklich zum Thema ihrer Posts macht sie dies aber selten.

Klamottenspenden für die Tafel

Die zahllosen Klamotten, die sie täglich bekommt, verschenkt sie oder spendet sie den Tafeln oder Kinderkaufhäusern. So richtig raus wollen Mutter und Tochter nicht mit der Sprache, wie viel Geld durchschnittlich im Monat durch das Influencen hereinkommt. Eine Formel geben sie aber an die Hand: Pro 10.000 Followern gibt es 100 Euro pro Post. Bei insgesamt mehr als einer Million Followern und etlichen Posts pro Woche kann einem beim Rechnen mit den vielen Nullen schon mal schwindelig werden. Doch die Leichtigkeit in den Videos und Posts ist nur schöner Schein. Dahinter steckt viel Arbeit und Wissen über die Sozialen Medien. „Hier findet heute die Werbung für die junge Generation statt. Die jungen Leute gucken, anders als ältere, kaum noch Fernsehen oder lesen Zeitung“, erklärt Carmen Ramolla.

Für diese moderne Form der Werbung in den neuen angesagten Medien muss man viel Wert auf das Aussehen legen. Payton ist stark geschminkt. Künstliche schwarze Wimpern zu langen blondierten Haaren, viel Lidschatten, jede Menge Make-up und Rouge trägt sie im Gesicht. Die Fingernägel haben eine Länge von rund anderthalb Zentimetern von der Fingerkuppe aus gemessen. Doch die langen Fingernägel hindern sie nicht daran, flink multitaskingfähig auf dem Handy etwas für ihren Beruf zu tun und trotzdem ganz konzentriert auf Fragen zu antworten.

Bis vor drei Jahren noch geturnt

Auch beim Flic-Flac stören sie die Fingernägel nicht. Mit einer eng anliegenden elastischen schwarzen Hose, cremefarbenen Turnschuhen und einem weiten roten Pullover beeinflusst sie nicht nur, was junge Frauen gerne kaufen wollen, sondern kann auch turnen. Nur die schwarze Jacke legt sie dafür auf eine der Parkbänke.

Bis vor drei Jahren turnte sie für den TSG Haßloch in der Regionalliga. Wegen Rückenproblemen musste sie mit 17 damit aufhören. Dass die Karriere als Influencerin endlich sein kann, weiß sie. „Vielleicht gehe ich dann in die Richtung Schauspielerei oder Moderation“, meint sie. Die Internatsserie, in der mehrere Influencer die Hauptrollen als Schüler spielen und Schauspielerin und Moderatorin Sonya Kraus die strenge Direktorin gibt, ist ein erster Schritt auf diesem Weg.

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