Mannheim
Tierschützer sprechen von „untragbaren Zuständen“ im Tierheim
Das Tierheim in Mannheim steht in der Kritik: Die Gemeinderatsfraktion aus Linke, Satirepartei und Tierschutzpartei spricht von „untragbaren Zuständen“ in der Rettungseinrichtung auf der Friesenheimer Insel. Das Haus sei über einen längeren Zeitraum telefonisch nicht erreichbar, E-Mails würden nicht oder in der Regel nur mit Zeitverzögerungen von mehreren Wochen beantwortet. Darunter seien auch E-Mails mit Vermittlungsanfragen von Menschen, die Interesse hätten, ein Tier aus dem Heim bei sich aufzunehmen. Der Chef des Tierschutzvereins, Thomas Gebhardt, hält diese Anschuldigungen für ungerechtfertigt.
Er kontert auf Anfrage so: Die Stadt habe für das Tierheim die Telefonnummer 311151 eingerichtet, unter der man anrufen kann. Allerdings schränkt er ein, dass aus Personalmangel die Pflege der Tiere der Erreichbarkeit von Mitarbeitern und der Beantwortung von Anfragen vorgezogen würden. Die Zahl von 60 vermittelten Tieren in den vergangenen drei Monaten spreche zudem ihre eigene Sprache. Darüber hinaus sei die Einrichtung personell gut ausgestattet, zehn Stunden am Tag durchgängig besetzt und zwischen 8 und 15 Uhr auch telefonisch erreichbar, so Gebhardt.
Einrichtung ist voll belegt
Selbstverständlich sei auch das Mannheimer Tierheim voll belegt – ein Zustand, der aber jedes Tierheim betreffe, sagt der Chef des Tierschutzvereins. Pflege sei aber ebenso gewährleistet wie die tierärztliche Betreuung. Einen beklagten Fachkräftemangel könne er bei fünf ausgebildeten Tierpflegern und mehreren Helfern nicht sehen. Abgabemöglichkeiten seien jedoch nur eingeschränkt vorhanden. Besonders viele Hunde seien „Langzeitinsassen“ und aufgrund ihres Charakters nur schwer vermittelbar.
Um das zu verbessern, beschäftige man einen Hundetrainer auf Honorarbasis. Hauptsächlich nehme man herrenlose Tiere über die Stadt Mannheim auf, stehe in regelmäßigem Austausch mit dem Veterinäramt. Sein Verein sei allen Vorwürfen zum Trotz „gut aufgestellt“, so Gebhardt weiter. Offen bleibt aber die Gretchenfrage der Tierschützer: Was geschieht mit jenen Tieren – zum Beispiel eingefangenen wilden Katzen –, die nicht vom Tierheim angenommen werden?
Das ist der Hauptvorwurf
Gebhardts Antworten auf die jüngste Gemeinderatsanfrage von Andreas Parmentier stellen die Fraktion nicht zufrieden. „Es ist zu befürchten, dass ehrenamtliche Helfer sehr viele Aufgaben übernehmen müssen, die eigentlich im Aufgabenbereich des angestellten Personals liegen, aber von diesem aufgrund des chronischen Mitarbeitermangels nicht bewältigt werden können. Dies gilt gerade für qualifizierte Aufgaben des Fachpersonals. Viele Aufgaben bleiben liegen, was zu Lasten der Tiere geht, die in Obhut des Tierheims leben. Dies betrifft auch art- und tierschutzgerechte Behandlung, medizinische Probleme und wichtige individuell erhöhte Betreuungsbedarfe, die nicht gewährleistet werden können“, so Parmentiers Vorwurf.
Der Vorsitzende der Tierschutzpartei erklärt weiter: Das Tierheim sei seit Monaten stark überbelegt, was nur teilweise am Heim selbst liege. Kurzfristige Anlieferungen beschlagnahmter Tiere in manchen Fällen in großer Zahl stellen die Verantwortlichen vor fast unlösbare Probleme, die nur durch verbesserte Kommunikation mit dem Veterinäramt eingegrenzt werden können.
Bei Fundtieren würden die Besitzer wochenlang nicht erfahren, ob ihre verschwundene Katze im Tierheim sei. Sei dies der Fall, könnten die Halter die Fundtiere nicht zügig abholen. Eine Rechnung für die langfristige Versorgung aber würde der Halter präsentiert bekommen. Auch trächtige Katzen würden nicht eingefangen. Selbst nach einem neuen Wurf reagiere der Tierschutzverein nicht schnell und der Nachwuchs müsse leiden. Eine Futterstellenversorgerin habe erst nach mehreren Monaten einen Termin für ihre kranken Streuner beim zuständigen Tierarzt bekommen, beklagen die Kritiker.
Was passiert mit Wildtieren?
Neben den Pflichtaufgaben wie der Annahme von beschlagnahmten, aufgegriffenen und Fundtieren würden längst nicht alle Abgabewünsche erfüllt, lautet weitere Kritik. Was dann mit den Tieren, die nicht abgegeben werden können, passiert, ist nicht bekannt. Durch die Überbelegung werden praktisch auch keine Wildtiere aufgenommen. Dieser Umstand belegt in den Augen des Linksbündnisses die Dringlichkeit einer Wildtierauffangstation in Mannheim. Hilflose Katzen und Hunde würden nach wie vor meist von den Findern aufgenommen, obwohl diese häufig mit der Pflege überfordert seien, bedauert Tierschützer Parmentier. Die Fraktion schlägt vor, nach der Sommerpause Tierheimleitung, Vorstand des Tierschutzvereins, Verwaltung einschließlich Veterinäramt, Gemeinderat und Tierschutzinitiativen an einen Tisch zu bringen.
Am Limit ist auch das Tierheim in Ludwigshafen. Die schwierigen Bedingungen dort beschrieb vor wenigen Tagen Panja Bergmann vom Trägerverein. Viele Tiere müssten in Ludwigshafen derzeit abgelehnt werden.