Mannheim RHEINPFALZ Plus Artikel Tempo 20 statt Fußgängerzone: Verkehrsprojekt in Neckarstadter Lebensader

Die Arbeiten zur Verkehrsberuhigung in der Langen Rötterstraße haben begonnen.
Die Arbeiten zur Verkehrsberuhigung in der Langen Rötterstraße haben begonnen.

Die Lange Rötterstraße ist das Herz eines beliebten Mannheimer Wohnviertels. Wie die Stadt versucht, mit einer Neugestaltung den Anwohnern etwas Gutes zu tun, ohne die Geschäftsleute zu verprellen.

Zwei Einkaufsmärkte, viele kleine Läden, Cafés, Ärzte, Apotheken, Schule und Kindergarten sowie mehrere Kirchengemeinden: Die Lange Rötterstraße ist die Lebensader der Neckarstadt-Ost. Wie der Name schon erahnen lässt: Wer die gesamte Einkaufsmeile gemütlich entlangschlendert, ist gut und gerne 15 Minuten unterwegs. Die Straße ist aber nicht nur so eine Art Wohnzimmer für die Anwohner, sondern zudem eine von vielen Autofahrern gerne genutzte Route Richtung Feudenheim und Käfertal. Auch um den Durchgangsverkehr zu reduzieren, entsteht auf einem Abschnitt, wo die meisten Geschäfte angesiedelt sind, bis Ende November ein sogenannter verkehrsberuhigter Geschäftsbereich. In mehreren Etappen sollen sich hier Gesicht und Charakter der Straße verändern. Los ging es vor zwei Wochen.

Aus der Tempo-30- soll eine Tempo-20-Zone werden. Eine Fahrbahnverengung mit Begrünung ist ebenso geplant wie Flächen zum Verweilen. Wie die Stadt mitteilt, sollen 24 neue Fahrradbügel installiert werden. Zwei Zonen stünden dem Lieferverkehr zur Verfügung. Eine Aufenthaltsfläche mit einer „Babbel-Bank“ soll es ebenfalls geben. Und fünf neue Bäume werden gepflanzt. Von den bislang 53 Parkplätzen in dem Abschnitt fallen nach Angaben der Stadt acht weg. Fußgängern soll es erleichtert werden, über die Fahrbahn zu kommen. Helfen sollen dabei zwei Querungsstellen, eine davon werde mit einem barrierefreien Blindenleitsystem ausgestattet, wie es heißt. Während der derzeitigen Arbeiten ist die Zufahrt von der Kurpfalzbrücke kommend zwar gesperrt, nach Abschluss des Bauprojekts soll die Straße für den motorisierten Verkehr aber weiter erreichbar bleiben,

„Straße komplett sperren nicht machbar“
Die Zufahrt von der Kurpfalzbrücke aus ist in den nächsten Wochen gesperrt.
Die Zufahrt von der Kurpfalzbrücke aus ist in den nächsten Wochen gesperrt.

„Ich finde die Verkehrsberuhigung nicht schlecht. Auch dass zusätzliche Bäume gepflanzt werden, finde ich gut. Die Straße komplett zu sperren, das wäre für die Geschäfte hier nicht machbar gewesen.“ Das sagt ein „Ur-Einwohner“ der Neckarstadt. Armin Klotz hat seit 1977 einen Friseurladen in der Langen Rötterstraße. Weil der 75-Jährige auch seit Jahrzehnten hier wohnt, kennt er die Perspektive als Geschäftsmann und Anwohner.

Eine Komplettsperrung für den motorisierten Verkehr ist tatsächlich Thema gewesen. Das „Projekt Lange Rötterstraße“ wird mit 100.000 Euro aus dem sogenannten Beteiligungshaushalt der Stadt aus dem Jahr 2022 finanziert. Unter dem Motto „Mein Mannheim Meine Idee!“ sind Bürger aufgerufen gewesen, Vorschläge zu machen, die auch dazu beitragen sollen, dass Mannheim bis 2030 klimaneutral wird. Und eine der vielen Ideen war eben die Umgestaltung der Neckarstadter Lebensader. Die Frau hatte eine Fußgängerzone oder Fahrradstraße im Sinn. Das war so aber nicht möglich – mit Verweis auf Schule, Kindergarten, Gewerbe- und Bürostandorten sowie Cafés und Supermärkte. Mit dem Kompromiss soll es zum einen sicherer und angenehmer für Anwohner und Passanten werden und zum anderen bleibt der Handel gut erreichbar und dessen Belieferung ist ebenfalls gewährleistet.

„Weniger Parkplätze, weniger Kunden“

Dogan Tas ist seit acht Jahren Inhaber eines Schlüsseldienstes in der Langen Rötterstraße. Seine Sorge: „Weniger Parkplätze bedeutet weniger Kunden. Ich habe Kunden aus Neckarau und Schönau. Ich hoffe, dass es nicht so schlecht wird“, sagt er. Ähnlich äußert sich Andreas Knoll, der hier seit 20 Jahren einen Laden für Druckerzubehör betreibt. „Es kann schon sein, dass Leute wegbleiben, wenn sie hier nicht parken können“, meint er. Wie schwer es ohnehin schon ist, in der Neckarstadt-Ost einen Parkplatz zu finden, weiß freilich auch der Geschäftsmann. „Es ist schon Wahnsinn, wie viele Autos es mittlerweile gibt.“ Karin Moeschke wohnt in einer der vielen kleinen Seitenstraßen. Sie hat die Planungen vor ihrer Haustür ebenfalls verfolgt. Von den Ideen ist sie angetan: „Es sind hier zu viele Autos unterwegs. Gerade in Mannheim kann es gar nicht genug Verkehrsberuhigung geben.“

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