Ludwigshafen Taktikschulung mit Salzstreuer und Bierdeckel

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LUDWIGSHAFEN

. In der Halbzeitpause des Spiels gegen den FSV Jägersburg steht Stefan Malz, Co-Trainer des FC Arminia Ludwigshafen, mit Kazuaki Nishinaka, der eingewechselt werden soll, auf dem Feld. Er hat eine große Kladde in der Hand, in der Laufwege notiert sind. Malz erklärt dem Japaner vor dessen Oberligadebüt, was seine Aufgaben sind. Doch was heißt erklären. Malz gestikuliert, deutet auf die Aufzeichnungen und versucht die Vorstellungen von ihm und Trainer Thomas Fichtner zu vermitteln. Die beiden Japaner sprechen kaum Deutsch. ihr Englisch ist nicht so gut, dass es zu einer flüssigen Unterhaltung reicht. Aber die zwei Fußballer erfüllen das Klischee, dass Japaner stets freundlich sind und immer lächeln. Gegen Jägersburg klappt es noch nicht wie gewünscht, die Arminia verliert die Partie 0:4. Nach dem Spiel kommt Ando an den Tisch Fichtners. Er sieht traurig aus. Nach einer guten Stunde wurde er ausgewechselt und will nun wissen, warum. Der Coach nimmt einen Salzstreuer und etliche Bierdeckel zu Hilfe und verdeutlicht seine Überlegungen. Ando nickt, aber das übliche Lächeln ist verschwunden – zumindest vorerst. „Die beiden sind ganz nette Menschen. Höflich, zuvorkommend und pflegeleicht“, sagt Fichtner. Die Japaner sind in die Mannschaft integriert, so gut es eben geht. Die Fußballersprache ist international. Mitunter hilft auch ein Dolmetscher, ein Landsmann, der einigermaßen Deutsch spricht und in Mosbach wohnt. Er hat den Kontakt zur Arminia hergestellt. „Wir kommen aus der Nähe von Tokio“, sagt Ando. Er ist ein kräftiger, durchsetzungsstarker Mittelstürmer, der schon drei Tore erzielt hat. Jeweils das Siegtor bei den 1:0-Erfolgen in Elversberg und gegen Borussia Neunkirchen sowie einen Treffer beim 2:1-Sieg in Salmrohr. Seit April sind die beiden Japaner, die zu Hause studiert haben, in Deutschland. „Wichtig ist, die Sprache zu lernen. Sportlich ist unser Ziel, Profi zu werden, vielleicht in der Dritten oder Zweiten Liga“, erklärt Nishinaka. Der Mittelfeldspieler, dessen Vorbild der Dortmunder Shinji Kagawa ist, ist technisch versiert, schnell, spiel- und laufstark. In Japan haben die zwei Asiaten von der U12 bis zur U18 alle Junioren-Nationalteams durchlaufen und vor ihrem Deutschland-Trip in einer Universitätsmannschaft gespielt. „Bei der Arminia sind alle sehr freundlich zu uns, es gefällt uns hier“, sagt Ando und Nishinaka nickt zustimmend. Das Duo, das zunächst in Mosbach wohnte, lebt wohl weitgehend von Erspartem, in der Hoffnung, dass ein Proficlub anbeißt. Inzwischen haben die Japaner auf Vermittlung von Stefan Malz eine kleine Wohnung in Rheingönheim gefunden und kommen mit dem Fahrrad zum Training. Arminias Clubhauswirt Christos lässt öfter mal ein Essen für die zwei Fußballer springen, die sich inzwischen schon etwas heimisch fühlen. „Das sind zwei super Typen, und Fußballspielen können sie auch. Sie sind Verstärkungen für unsere Mannschaft und bringen jeder auf seine Art eine zusätzliche Qualität ins Team“, freut sich der Sportliche Leiter des FC Arminia, Markus Impertro. Wie sehr die Japaner sich mit dem Fußball und dem FC Arminia von Anfang an identifiziert haben, belegt eine kleinen Geschichte aus der Zeit, als sie noch nicht spielberechtigt waren. Ando und Nishinaka fuhren mit Zug und Bus zu einem Testspiel des FCA in Sandhausen. Das letzte Stück zum Sportplatz legten sie joggend zurück – bei brütender Hitze. „Während des Spiels haben sie den Mitspielern die Wasserflaschen gereicht. Sie sind uneigennützig und hilfsbereit. Wir sind froh, dass wir sie haben“, verdeutlicht Fichtner. Am Ende des Gesprächs haben sich die liebenswerten Japaner mehrfach verbeugt – und Daisuke Ando konnte auch schon wieder lächeln.

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