Kraftsport SV Ruchheim richtet Deutsche Kettlebell-Meisterschaft aus

Der Kampf mit dem Rundgewicht ist für alle Altersklassen und Geschlechter geeignet.
Der Kampf mit dem Rundgewicht ist für alle Altersklassen und Geschlechter geeignet.

Die Sportart mit der Kettlebell erfreut sich steigender Beliebtheit. Der TV Ruchheim organisiert die Deutschen Meisterschaft. Warum der Kopf eine große Rolle spielt.

Mit etwas Schwung wird das bunte Rundgewicht nach oben befördert und auf den Schultern abgesetzt. Dann geht es mit ausgestrecktem Arm über den Kopf, kurz halten, und wieder nach unten. Immer und immer wieder. Zehn Minuten lang. Das ist Kettlebellsport. Die Besten ihrer Zunft haben sich am Samstag zur Deutschen Meisterschaft beim TV Ruchheim getroffen – schon wieder.

„Er hat gesagt, wir dürfen wiederkommen, wenn er in Rente ist“, sagt Vadim Sichwardt und lacht. Mit „er“ meint er den Präsidenten des Deutschen Kettlebellverbands Friedhelm Senk. Der Abteilungsleiter des TV Ruchheim hatte nach der erfolgreichen Meisterschaft vor vier Jahren sofort nachgefragt, wann die Sportler sich erneut in der Ruchheimer Sporthalle versammeln dürfen. Senk kennt den Grund. „Eigentlich ist es ja ein Einzelsport. Ganze Trainingsgruppen sind selten, und noch seltener sind Trainingsgruppen mit eigenen Hallen.“ So eine steht beim TVR. Und dort hat man auch schon unter Beweis gestellt, Veranstaltungen mit einigen Dutzend Teilnehmern stemmen zu können. Die Vereinsvorsitzende Ute Kreiselmaier freut sich über eine gute Resonanz mit rund 80 Meldungen: „Ich denke, der TV Ruchheim hat sich mittlerweile zur Kettlebell-Hochburg in der Metropolregion entwickelt.“ Das unterstreicht auch Senk: „Die Abläufe sind bekannt. Mittlerweile besteht eher die Gefahr, dass wir es etwas zu sehr auf die leichte Schulter nehmen“, sagt er mit einem Augenzwinkern.

Nicht nur eine Frage der Kraft

Die sprichwörtliche „leichte Schulter“ gilt allerdings nicht für die Sportler selbst. Die müssen schließlich die bis zu 32 Kilogramm schweren Gewichte immer und immer wieder über die ausgestreckte Schulter recken – je nach Disziplin nur mit einem Gewicht, mit Gewichten in beiden Händen, mit Absetzen auf den Schultern (Stoßen) oder in einer fließenden Bewegung (Reißen) oder als „Biathlon“ (Kombination aus Stoßen und Reißen). Dabei werden bei Einzelgewichten zwischen acht und 32 Kilogramm – je nach Geschlecht, Körpergewicht und Altersklasse – enorme Massen bewegt. In der „Königsdisziplin“, den Profis der Senioren (bis 39 Jahren), sind das mit Einzelgewichten von 32 Kilogramm in zehn Minuten leicht mehr als 100 Wiederholungen – pro Arm.

Keine reine Kraftsache, betont Verbandspräsident Sichwardt, schon mehrfacher Weltmeister in seiner Disziplin: „Es besteht auch viel aus Koordination und vor allem Konzentration.“ Gerade bei einer Meisterschaft spiele der Kopf eine große Rolle. „Normalerweise trainieren wir vor einem Spiegel, damit man selbst seine Fehler beobachten und verbessern kann.“ Der Blick auf den eigenen Körper fehle in der Sporthalle jedoch. „Deshalb fixieren die meisten einen Punkt im Zuschauerraum.“ Einen auffälligen Zuschauer zum Beispiel. „Und dann muss man natürlich hoffen, dass nicht ausgerechnet dieser Zuschauer während den zehn Minuten aufsteht und fortgeht“, erläutert der Präsident lachend.

Ausdauer und Beharrlichkeit

Alexander Maslobojev bekommt das Zusammenspiel von Kopf und Körper an diesem Tag nicht auf den Punkt. Der mehrfache Weltmeisterschaftsteilnehmer ist das sportliche Aushängeschild des TV Ruchheim und hat im Biathlon eine Bestleistung von 141 Wiederholungen in der Vita stehen. In eigener Halle reicht es nur für 110 Wiederholungen und damit den vierten Rang in seiner Kategorie: „Aufbau und Organisation der Wettkampfhalle haben offensichtlich ihren Tribut gezollt“, bedauert Senk.

Insgesamt zeigt sich Verbandspräsident Sichwardt mit der Entwicklung des Sports in Deutschland zufrieden. Mit 80 Meldungen zwischen acht und über 70 Jahren habe man wieder zehn Sportler mehr als noch bei der letzten Meisterschaft vor vier Jahren. „Begonnen haben wir 2008 in Hamburg einmal mit fünf Athleten.“ Die Entwicklung sei vielleicht langsam, aber stetig. Und das gilt auch für die Sportart selbst. Nach dem Kommando „Drei, Zwei, Eins, Lift“ kommt es schließlich weniger auf Geschwindigkeit, sondern viel mehr auf Ausdauer und Beharrlichkeit an. Das zeigen alle Athleten auf den sieben Wettkampfpodesten im Kampf mit ihren bunt bemalten Rundhanteln.

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