Ludwigshafen „Studierendenwerk ist Teil des Problems“

Ludwigshafen habe eine Entwicklung verschlafen, sagte Andreas Schülke (52), Geschäftsführer des Studierendenwerks Vorderpfalz mit Sitz in Landau, im RHEINPFALZ-Interview vom 20. Oktober – im Nachgang zu einer Podiumsdiskussion in der Hochschul-Aula. Schülkes Kritik verärgert Kulturbüroleiter Fabian Burstein (36). Er sagt: „Das Studierendenwerk ist Teil des Problems.“
„Ich war überrascht, dass Herr Schülke bei der Analyse der Hochschulsituation anscheinend die Selbstwahrnehmung eines kritischen Außenstehenden hat. Zur Erinnerung: Ludwigshafen ist die größte Stadt im Zuständigkeitsbereich des Studierendenwerks Vorderpfalz. Wenn Schülke konstatiert, dass es ,Ludwigshafen verpasst hat, Studentenstadt zu werden’ und dass ,eine Entwicklung verschlafen wurde’, ist das Studierendenwerk nicht neutraler Beobachter, sondern Teil des Problems“, sagt Burstein. „Dieses Grundverständnis ist wichtig, wenn wir gemeinsam an Lösungen arbeiten wollen.“ Seitens der Geschäftsführung des Studierendenwerks scheine man auf viel zu warten: auf Signale, Nachweise, Konzepte und Angebote. „Diese Bringschuld ist aber keine Einbahnstraße“, meint Burstein, der wie Schülke am 16. Oktober Teilnehmer der Podiumsdiskussion mit 70 Zuhörern war. Das Thema des Abends hieß: „Studenten und Kultur, eine Chance für die Belebung der Innenstadt“. „Aus meinem Zuständigkeitsbereich kann ich sagen: Ein wichtiger Schritt könnte zum Beispiel sein, dass der Bereich Kulturförderung des Studierendenwerks intensiven Kontakt zu den Kulturinstitutionen in den Städten sucht und vernetzte Angebote in der Vorderpfalz entwickelt“, schlägt Burstein vor. Er habe den Eindruck, dass das Thema institutioneller Hauptstandort des Studierendenwerks mit dem Thema Zuständigkeit verwechselt werde und in puncto Ludwigshafen eine örtliche Entfremdung eingetreten sei. „In diesem Licht würde es vielleicht Sinn machen zu diskutieren, ob die starke organisatorische Zentrierung in Landau noch zweckmäßig ist. Dass unser Stadtteil Hemshof für die Geschäftsführung des Studierendenwerks in der Podiumsdiskussion eine Neuentdeckung war, hat bei vielen für Erstaunen gesorgt – insbesondere, weil ja eine intensive räumliche Auseinandersetzung mit Ludwigshafen beim Thema studentisches Wohnen dringend notwendig wäre“, so Burstein. Im RHEINPFALZ-Interview sei Schülkes Antwort auf die Frage „Und in Ludwigshafen sind die Studierenden nicht willkommen?“ entwaffnend ehrlich: „Das weiß ich nicht.“ Nun, bilanziert Burstein, gehe es um die Frage „Was können wir gemeinsam tun, damit es das Studierendenwerk in Zukunft weiß und wir von diesem Wissen profitieren können?“