Ludwigshafen RHEINPFALZ Plus Artikel Stille Helfer im Hintergrund

Anna Saal aus Schifferstadt macht ihr Freiwilliges Soziales Jahr an der Grundschule in Böhl-Iggelheim.
Anna Saal aus Schifferstadt macht ihr Freiwilliges Soziales Jahr an der Grundschule in Böhl-Iggelheim.

100.000 junge Menschen helfen täglich in Krankenhäusern, Sportvereinen, Kitas, Pflegeeinrichtungen. Sie leisten ihr Freiwilliges soziales Jahr. Doch in den aktuellen Zeiten ist alles anders. Manche können, andere dürfen nicht arbeiten. Beim TFC Ludwigshafen spornen derzeit zwei FSJ’ler die Mitglieder an –mit einem attraktiven Preis.

In Ludwigshafen und im Rhein-Pfalz-Kreis gibt es einige Sportvereine und Institutionen, die sogenannte FSJ’ler beschäftigen. Das sind junge Menschen, die ein Freiwilliges Soziales Jahr absolvieren und normalerweise als Übungsleiter in den Sportbetrieb der Vereine eingebunden sind. Doch aufgrund der Corona-Pandemie ruht allerorten der Sportbetrieb. Was passiert jetzt mit den FSJ’lern?

„Unser FSJ’ler macht normalerweise in den Kindergärten und in einer Schule in Mutterstadt Sport- und Bewegungsstunden mit den Kindern. Bei der Schule hilft er auch bei der Hausaufgabenbetreuung, ist teilweise in den Schulbetrieb eingebunden“, erklärt Klaus Maischein, Vorsitzender der TSG Mutterstadt. Ob die Löwenkids-Kindersportgruppe der Vier- bis Sechsjährigen, Leichtathletik, Handball oder Trampolin – das Programm ist vielfältig. Auch im administrativen Bereich setzt der Mutterstadter Verein, der mit rund 1200 Mitgliedern zu den größten im Rhein-Pfalz-Kreis zählt, seinen FSJ’ler ein. „Die Stunden in den Kitas, der Schule und im Verein fallen aufgrund des Corona-Virus weg“, sagt Maischein. Seit dem 13. März hat die TSG den Sportbetrieb eingestellt, die Halle ist geschlossen. „In Absprache mit dem Sportbund bleibt der FSJ’ler Zuhause. Wir möchten auf keinen Fall seine Gesundheit in irgendeiner Form gefährden“, erklärt Maischein.

Plötzlich war die Schule leer

Auch die Schifferstadterin Anna Saal, die ihr Freiwilliges Soziales Jahr in der Grundschule Böhl-Iggelheim absolviert, ist jetzt erst einmal Zuhause. Ihr Tagesprogramm ist normalerweise straff: Morgens hilft sie im Unterricht Kindern, die sich nicht ganz so leicht tun. Auch ist sie in die Mittagsessensbetreuung eingebunden und nachmittags fungiert sie als Übungsleiterin der Sport-AG. „Zuletzt haben wir mit den Kindern Hockey gespielt und hatten den Schwerpunkt Koordination“, erzählt die 19-Jährige, die im zweiten Halbjahr eine Ausbildung als Biologielaborantin bei der Bundeswehr beginnt. Sie wurde von der Schulschließung überrascht. Mitte März hatte sie eine Weiterbildung beim Sportbund Pfalz absolviert. „Die wurde dann aber vorzeitig abgebrochen“, erzählt sie. Als sie montags in die Schule kam, war diese menschenleer. Kein Unterricht, keine AGs. Stattdessen stand der Montag ganz im Zeichen der Reinigung. „Wir haben erst einmal alles aufgeräumt, die Halle gesaugt, die Bälle desinfiziert“, erzählt sie. In nächster Zeit, so vermutet sie, werde sie wenig zu tun haben. In die Notfallbetreuung kann sie nicht eingebunden werden, da sie als Asthmatikerin zur Risikogruppe zählt. „Ich liebe meine Kinder und vermisse sie“, sagt die 19-Jährige.

Nationalmannschaftstrikot zu gewinnen

Auch beim TFC Ludwigshafen hat sich das Aufgabenspektrum der beiden FSJ’ler Paula Schrader und Henry Zettler komplett verändert. Anstatt Hockey, Ballschule und Kinderturnen haben die TFC-Verantwortlichen um ihren Vorsitzenden Christian Hanz nach neuen Aufgaben für die beiden Jugendlichen gesucht. „Es fällt ja momentan alles weg“, sagt Hanz. Der Sportverein auf der Parkinsel war einer der ersten, der ein Einkaufsangebot für ältere Menschen in Zeiten von Corona ins Leben gerufen hat. „Wir haben diesbezüglich keinerlei Erfahrung und wissen daher nicht, was auf uns zukommt, also wie hoch der Bedarf überhaupt ist und was wir zu bewältigen imstande sind“, erklärt der Vorsitzende. Spontan haben sich 30 Helfer aus dem Verein bereit erklärt, mitanzupacken. Die Aufgabe der FSJ’ler ist es, Helfer und Hilfesuchende zu koordinieren. „Darüber hinaus haben wir einige Arbeiten ins Freie verlegt – auch wenn das normalerweise nicht unbedingt die Aufgabe der FSJ’ler ist“, sagt Hanz. Auf der vereinseigenen Anlage inmitten des Stadtparks fällt immer einiges an. Auch sind Paula Schrader und Henry Zettler mitverantwortlich, die Vereinsmitglieder mit kleineren Aktionen auf den Social-Media-Kanälen, wie Facebook oder Instagram, bei Laune zu halten. So wird aktuell der kreativste Indoor- oder Garten-Hockey-Parcours gesucht. Die beste Idee prämiert der TFC mit einem Trikot der deutschen Hockey-Nationalmannschaft.

Zur Sache: 100.000 Freiwillige ringen um Anerkennung

100.000 Menschen leisten täglich Arbeit bei einem Freiwilligendienst – in Kitas, Krankenhäusern, in der Pflege, in kulturellen Einrichtungen, in Sportvereinen oder aber in ökologischen Projekten. Es ist ein durchaus großer Einsatz für die Gesellschaft. Doch nicht immer wird diese Arbeit angemessen wertgeschätzt. Deshalb haben Verbände, die das Freiwillige Soziale Jahr (FSJ), das Freiwillige Ökologische Jahr (FÖJ) und den Bundesfreiwilligendienst (BFD) mit ihren Trägern anbieten, einen gemeinsame Initiative gestartet. Heute findet dazu ein bundesweiter Aktionstag statt. Außerdem sind seit Anfang 2020 eine Kampagne #fürfreiwillige sowie eine Onlineplattform gestartet worden.

Der Freiwilligendienst geht in der Regel ein Jahr lang – gegen eine geringe Bezahlung. Dieses Jahr dient außerdem der persönlichen Weiterentwicklung und Zukunftsorientierung der Freiwilligen. Um dies sicherzustellen, werden sie von den Trägern unterstützt. Sie bilden sich in Seminaren weiter und lernen dort wichtige Dinge für den Alltag in der Einsatzstelle. Grundsätzlich ist ein Freiwilligendienst auch eine Möglichkeit, nach der Schulzeit einen Beitrag zur Gesellschaft zu leisten und gleichzeitig wertvolle Erfahrungen zu sammeln.

Doch diese Arbeit geschieht meist im Hintergrund. Die Freiwilligen wünschen sich für ihr Engagement mehr Wertschätzung – jedoch in Form von Vergünstigungen. Unter www.für-freiwillige.de sammeln Freiwillige Orte, an denen es Vergünstigungen bei Vorzeigen eines Freiwilligenausweises gibt. Das kann beispielsweise eine Vergünstigung im Kino, Theater oder im Café sein. Damit solle die Gleichstellung zwischen Freiwilligendienstleistenden und Studenten sowie Auszubildenden erreicht werden. Sprich: Die Menschen, die einen Freiwilligendienst leisten, sollen dieselben Vorteile und Vergünstigungen genießen wie Studierende oder Auszubildende. Denn: Ziel ist es, den Freiwilligendienst sowie den Freiwilligenausweis in Deutschland bekannter zu machen und weitere Unterstützer dafür zu gewinnen.

Heute ist nun deutschlandweit der „Tag der Anerkennung von Freiwilligen“. An diesem Tag sollen verschiedene Aktionen die Öffentlichkeit auf die Initiative und Plattform „für-freiwillige“ hinweisen. Dabei sollen viele Unterstützer gefunden werden. Die Orte und Unternehmen, die Vergünstigungen anbieten, sollen online dann markiert werden.

Im Netz

www.für-freiwillige.de

Henry Zettler und Paula Schrader pflegen die Anlage des TFC.
Henry Zettler und Paula Schrader pflegen die Anlage des TFC.
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