Ludwigshafen Stempelliste nervt Tagesmütter

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„Das Wohl der Kinder muss immer Ziel des Handelns sein“. Unter dieser Maxime steht der Antrag auf Verbesserung der Situation der Kindertagespflege in Ludwigshafen, den die Freie Wählergruppe (FWG) in der nächsten Sitzung des Stadtrats am 4. Juli stellen wird.

Zu viel Bürokratie, zu wenig Information und Unterstützung von Seiten der Stadt, dazu der vorherrschende Blick auf die Kosten seitens der Verwaltung, kurz: „Der ganze Ablauf ist gestört. Es geht nicht um die Kinder, sondern rein um die Kosten“, beklagen drei Tagespflegepersonen, wie Tagesmütter heute offiziell im Verwaltungsdeutsch heißen. Zusammen mit zwei betroffenen Müttern haben sie sich an die FWG gewandt, die das Anliegen der Tagesmütter mit einem Antrag zur Verbesserung der Situation der Kindertagespflege in Ludwigshafen in die kommende Sitzung des Stadtrats am 4. Juli einbringen wird. Gerne geben die drei Tagesmütter Heike Lieber-Weidenauer (49), Sonja Sachs-Kopp (39) und Ramona Mund-Dengel (43) Einblicke in ihren Arbeitsalltag. Da ist zum Beispiel die kleine Marie (Name von der Redaktion geändert), die, seit sie sechs Monate alt ist, von einer Tagesmutter betreut wird, während ihre Mutter zur Arbeit geht. Als die kleine Marie im April ihren zweiten Geburtstag feierte, hatte sie ab diesem Tag wie alle Kinder in Rheinland-Pfalz einen Rechtsanspruch auf einen beitragsfreien Kitaplatz. Maries Mutter zog es aber vor, ihre Tochter weiterhin von der Tagesmutter betreuen zu lassen. Kostenfrei ist dies jedoch nur möglich, solange es keinen freien Kitaplatz gibt. „Die Eltern müssen in so einem Fall eine Stempelliste abarbeiten, also sich von allen Kitas im Umfeld bestätigen lassen, dass es keinen freien Platz gibt“, erläutert Tagesmutter Sonja Sachs-Kopp. Bei Marie waren das elf Stempel, denn so viele Kitas gibt es aktuell in ihrem Wohnort Oggersheim. Die FWG fordert in ihrem Antrag, dass diese Stempelkarte zukünftig entfällt. Bei Marie bewilligte das Jugendamt schließlich die Betreuung durch die Tagesmutter bis Ende August. „Wird in dieser Zeit ein Kitaplatz frei, müssen die Eltern diesen annehmen. Tun sie dies nicht, müssen sie die Tagespflege selbst bezahlen“, erläutert Ramona Mund-Dengel. Für die Kinder bedeute dies zudem von heute auf morgen einen Wechsel von der Tagespflege in die Kita. „Das ist sehr erschreckend. Es geht um die Zweijährigen“, hebt Ramona Mund-Dengel hervor, und ihre Kollegin Heike Lieber-Weidenauer ergänzt: „Was die Eltern wünschen, interessiert das Jugendamt nicht.“ Die FWG fordert daher, dass Kinder bis zum dritten Geburtstag in der Tagespflege verbleiben dürfen. Ein weiterer Kritikpunkt der Tagespflegepersonen ist die mangelnde Information über ihr Angebot seitens der Verwaltung. „Laut Sozialgesetzbuch sollten Kita und Tagespflege gleichberechtigt sein“, erläutert Heike Lieber-Weidenauer. Die Tagesmütter wünschen sich, dass die Verwaltung auf die Kindertagespflege als Alternative zu Kita und Krippe hinweist. Auch beim Finanziellen haben die Tagesmütter Grund zur Klage: Im Krankheitsfall werden die Tagesmütter nur für vier Wochen im Jahr vom Jugendamt weiterbezahlt. Danach fordert die Stadt ihre Zuschüsse von der Tagesmutter zurück. Diese wiederum holt sich das Geld von den Eltern. „Oft können die Eltern aber nicht zahlen“, berichtet Sonja Sachs-Kopp von ihren Erfahrungen. So kann eine längere Krankheit eines Kindes zu ernsthaften finanziellen Problemen bei der Tagesmutter führen. „Wir arbeiten dann umsonst, weil der Platz ja weiterhin vorgehalten werden muss“, ergänzt Ramona Mund-Dengel, die – wie übrigens alle Personen, die in ihrem Haushalt mehr als 15 Stunden in der Woche gegen Entgelt fremde Kinder betreuen – eine amtliche Pflegeerlaubnis hat. Um diese zu bekommen, haben alle derzeit 90 Tagespflegepersonen in der Stadt eine 160-stündige Fortbildung absolviert. „Ziel muss sein, dass auch die Kindertagespflege gleichberechtigt neben den städtischen Institutionen in der Kindererziehung berücksichtigt wird“, fordern daher FWG-Fraktionsvorsitzender Rainer Metz und sein Stellvertreter Christian Ehlers.

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