Ludwigshafen „Stadt setzt sich nicht richtig für unsere Interessen ein“

„Irgendwo in Lu“ sind wir jede Woche auf der Suche nach interessanten Gesprächspartnern. Gestern Mittag haben wir in Ruchheim Helmut Bohr (69) getroffen, der uns fast auf seinem Fahrrad entwischt wäre.
Ja, man muss was tun. Ich bewege mich viel, gehe schwimmen, ich walke, arbeite im Garten und fahre viel mit dem Fahrrad. Schön, wenn man die Zeit dafür hat. Als Rentner kann man sich die ja nehmen. Und es ist auch schön, wenn man im Rentenalter noch fit ist. Deshalb empfehle ich jedem, zielstrebig auf einen frühen Ruhestand hinzuarbeiten. Ähm, danke für den Tipp. Aber der Sport ist sicher nicht Ihr ganzer Lebensinhalt als Rentner, oder? Ich reise auch gerne. Kürzlich war ich mit meiner Freundin erst in der Karibik. Und mit Ihrer Freundin leben Sie auch zusammen? Nein. Ich war verheiratet, aber meine Frau ist schon vor Jahren gestorben. Meine Freundin wohnt auch hier in Ruchheim, aber in ihrer eigenen Wohnung. Da hockt man sich nicht auf der Pelle und geht sich nicht irgendwann auf die Nerven? Richtig. Stattdessen verreisen wir zusammen und unternehmen auch sonst viel. Beispielsweise gehen wir gerne in Museen oder in Konzerte, im Mannheimer Nationaltheater oder auch im Pfalzbau. Also kein Rock’n’Roll? () Nein, lieber Klassik oder geistliche Musik. Wenn Sie so viel unternehmen und kaum zu Hause sind, müssen Sie sich ja auch nicht über die Probleme vor Ort aufregen, wie etwa die hohe Verkehrsbelastung und die Gewerbegebiete-Problematik im Norden von Ruchheim? Das ist nicht so, ich bin da schon auch engagiert. Beispielsweise unterstütze ich die Bürgerinitiative gegen des Gewerbegebiet „Nördlich A 650“. Was das betrifft, ist vieles ja noch nicht ganz geklärt, etwa mit Blick auf die notwendige Infrastruktur. Schließlich wird der Verkehr hier auf jeden Fall zunehmen. Was ärgert Sie in der Sache denn am meisten? Ich habe den Eindruck, dass die Stadt sich nicht so wirklich für die Interessen von uns Bürgern einsetzt, was sie aber tun sollte. Waren Sie denn in jüngster Zeit schon mal, vielleicht mit dem Rad, im Gebiet „Am Römig“, dort wo Kartoffel-Kuhn gerade baut? Natürlich war ich schon da, mehrmals. Ich war auch früher häufig dort. Wissen Sie warum? Nein. Das war ein schönes Brutgebiet für Kiebitze. Die Vögel habe ich immer bewundert wegen ihrer Flugkünste. Sind denn jetzt noch Kiebitze da? Ich befürchte nein. Schade, dass unsere Landschaft immer mehr zersiedelt wird. Wo radeln Sie jetzt noch hin? Heim.