Fussball RHEINPFALZ Plus Artikel Spektakel und freiwillige Sonderschichten beim FC Arminia

Marco Laping (links) weiß seine Spieler zu begeistern, rechts Torwart Kevin Urban.
Marco Laping (links) weiß seine Spieler zu begeistern, rechts Torwart Kevin Urban.

Oberligist FC Arminia Ludwigshafen hat die beste Halbserie gespielt, seit die Mannschaft vor elf Jahren in die Oberliga aufgestiegen ist. Dabei begann die Runde kompliziert mit einer 17-tägigen Zwangspause. Doch das Team von Trainer Marco Laping zeigte dann begeisternden Fußball und ist in der Südstaffel Zweiter. Das hat positive Folgen.

Als im August die Saison begann, wusste keiner so recht, in welche Richtung es gehen würde. Acht Akteure waren gegangen, neun gekommen. Doch die Mannschaft fand sich rasch, harmonierte von Anfang an und präsentierte sich als spielstarke Einheit. „Es ist besser gelaufen als erhofft und als wir alle zu träumen gewagt haben“, sagt Trainer Marco Laping. Der 43 Jahre alte Coach, der nach seiner Station beim A-Junioren-Bundesligisten 1. FC Kaiserslautern zur Arminia zurückgekehrt war, ist der Vater des Erfolgs. Er vermittelte dem Team seine Spielidee, die die Mannschaft verinnerlichte und die auch zu den Spielern passte. Laping präferiert Ballbesitz- und Kombinationsfußball. Außerdem ist die Arminia variabel, verteidigt mal mit Dreier-, mal mit Viererkette.

17 Tage kein Training möglich

Dabei verlief der Rundenstart äußerst kompliziert. Nach zwei starken Auftritten, in denen der FCA vier Punkte holte, infizierten sich mehrere Spieler mit dem Coronavirus. Es folgte eine Unterbrechung. „17 Tage haben wir nicht trainieren können, mussten nach nur einer Trainingseinheit in den Wettbewerb“, schildert Laping diese schwere Zeit. Im ersten Spiel danach gab es gegen Röchling Völklingen dank eines späten Tores von Fabian Herchenhan ein 2:2 – das Signalwirkung haben sollte. Die Mannschaft sah, wozu sie im Stande ist und stabilisierte sich in kürzester Zeit auf hohem Niveau. Nicht einfach, denn die ausgefallenen Begegnungen mussten nachgeholt werden, was in Verbindung mit dem Verbandspokal zahlreiche englische Wochen mit reduziertem Training nach sich zog.

Die Arminia bot attraktiven Angriffsfußball mit hohem Unterhaltungswert. In den Partien der Rheingönheimer fielen die meisten Tore. 5:1, 6:1, 5:0, dreimal 3:3, noch dazu in Folge, zweimal 4:3, zweimal 3:2, 2:4 – wenn der FCA spielte, war Spektakel programmiert. „Die Art und Weise wie wir gespielt haben, hat mir gefallen, auch wenn wir es uns manchmal selbst schwer gemacht haben“, verdeutlicht Laping. Der Trainer sagt, dass seine Mannschaft mit Ausnahme des Spiels in Diefflen, als die Gastgeber einen Elfmeter vergaben und die Arminia gegen Ende aus einem 1:3-Rückstand noch ein 3:3 machte, keinen glücklichen Punktgewinn verzeichnete. Umgekehrt entriss Hertha Wiesbach den Ludwigshafenern in beiden Partien den Sieg jeweils erst in der Nachspielzeit.

Laping spricht von schönem Fußball, lobt seine „spielintelligenten Akteure“, die sich vieles im Training erarbeitet hätten und dies auf dem Spielfeld umsetzten. Der FCA gefiel mit Leichtigkeit im Kombinationsspiel, oft mit einem Kontakt, und fast kindlicher Spielfreude. Dem Team war der Spaß, den es hat, deutlich anzumerken. Es berauschte sich mitunter an seinen Darbietungen. Ein Beleg dafür ist eine Aussage des Trainers: „Wenn das Training zu Ende war, bettelten die Spieler oft, es um ein paar Minuten zu verlängern.“ Was regelmäßig zu einem Nachschlag führte.

14 Spiele ohne Niederlage

14 Partien vom Start weg blieb der FCA unbesiegt, ehe die Serie mit dem 2:4 gegen Worms riss. Ein Kompliment muss man allen daran Beteiligten für die Kaderzusammenstellung machen. Sechs neu verpflichtete Akteure schlugen voll ein, wurden Leistungsträger. Am häufigsten spielten der mit neun Assist beste Vorlagengeber Ricardo Antonaci, Innenverteidiger Lukas Hartlieb, Kapitän Nico Pantano und Torjäger Lennart Thum, die alle 19 Begegnungen mitmachten. 18 Mal waren Giuliano Cultrera und Matteo Monetta dabei. „Bei Antonaci, Herchenhan oder Yakub Polat weiß man, was man bekommt. Cultrera, der ein tolles Anlaufverhalten hat, und Monetta, der wunderbar zu unserem Spiel passt, haben die Erwartungen weit übertroffen“, betont Laping. Die meisten Treffer erzielte der kaum zu kontrollierende Thum (17), der die Torschützenliste der Liga anführt, gefolgt von Monetta (11), Pantano (7) und Herchenhan (5).

Eine Schwäche hat die Arminia doch. 36 Gegentreffer, fast zwei pro Partie, sind für eine Spitzenmannschaft zu viel. „Das Problem war uns schon vor der Runde bekannt. Wir haben nicht viele gute Kopfballspieler und sind deshalb bei hohen Bällen oder Standards anfällig“, räumt Laping ein – ein kleiner Wermutstropfen im Freudenbecher der Arminia.

Kommentar

Das Optimum erreicht

Der FC Arminia Ludwigshafen spielt – und arbeitet nicht – Fußball. Doch es gibt auch eine Schwäche.

Trotz der schwierigen Corona-Auszeit hat der FC Arminia Ludwigshafen eine beeindruckend starke Hauptrunde hingelegt. Drei Nachholspiele stehen noch aus, die ab Mitte Februar ausgetragen werden sollen. Trainer Marco Lapings Handschrift ist deutlich zu sehen. Das spielerische Element steht bei ihm im Vordergrund. Und genau dies bringt das Team auf dem Platz. Fußball wird gespielt, nicht gearbeitet. Die Mannschaft ist gut aufeinander abgestimmt und die meisten Tore entspringen herrlichen Spielzügen. Mit Platz zwei hat der FCA das Optimum erreicht. In der Aufstiegsrunde will der FCA die „Großen“ ärgern. Mehr geht auch nicht, weil die Defensive zu fehleranfällig ist und die Arminia zu viele Gegentore bekommt. Vielleicht kann das Team im Verbandspokal reüssieren. Da stehen die Arminen im Viertelfinale. So weit sind sie lange nicht gekommen.

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