Ludwigshafen „Spannender als ein ,Tatort’“

„Irgendwo in Lu“ sind wir jede Woche in der Stadt unterwegs auf der Suche nach interessanten Gesprächspartnern. Gestern Mittag haben wir Angela Baudermann (65) aus Mannheim auf der Parkinsel getroffen. Mit ihrem Sohn Thomas (31) genehmigte sich die Rentnerin eine Erfrischung an der Rheinufer-Terrasse des Filmfestivals. Bis 1983 lebte sie in der Ludwigshafener Gartenstadt.

Frau Baudermann, mögen Sie Krimis?

Sehr gerne, vor allem den „Tatort“. Auch den aus Ludwigshafen? Natürlich, den mit der Odenthal. Was gefällt Ihnen daran? Die Art, wie Ulrike Folkerts die Figur verkörpert, wie sie agiert und die Drehorte. Der Ludwigshafener „Tatort“ spielt ja oft im Hafen. Und ihr Partner, der Andreas Hoppe alias Mario Kopper, ist eine Bereicherung – das ist ein witziger Typ. Das Nachrichtenmagazin „Der Spiegel“ hat zuletzt gefragt, warum Fernseh-Deutschland jeden Sonntagabend einen Mord braucht. Haben Sie darauf eine Antwort? Brauchen ist vielleicht etwas übertrieben. Ich glaube, vor allem für die ältere Generation ist der „Tatort“ Kult. Die Reihe gibt es schon seit 30 Jahren. Die gehört sonntags einfach dazu. Ich finde das gut. Meine Kinder mögen das nicht so. So manchen Krimi erlebt man derzeit auch bei der Fußball-Weltmeisterschaft in Brasilien. Haben Sie das deutsche 2:2 gegen Ghana verfolgt? Natürlich. Das war noch spannender als mancher „Tatort“. Zufrieden mit dem Resultat? Überhaupt nicht. 3:2 wäre besser gewesen. Und den Titel holt… … vermutlich eine südamerikanische Mannschaft. Aber bisher ist das Turnier spitze. Es ist jetzt 13.10 Uhr. Was treibt Sie um diese Zeit zum Filmfestival? Wir gehen hier sehr oft am Rhein spazieren. Eigentlich wollte ich schon am Sonntag kommen. Aber da herrschte hier ein Massenbetrieb. Ich hätte gerne den Jan-Josef Liefers gesehen. Aber den habe ich leider verpasst. Da habe ich mir gedacht, ich schaue heute mal bei diesem schönen Wetter vorbei und trinke was mit meinem Sohn. Der hat gerade Urlaub. Die Atmosphäre hier ist super, das ist alles sehr schön gemacht. Auch wenn man mit der Bewirtung etwas früher beginnen könnte. Ich komme seit Jahren zum Filmfestival und werde mir wieder einige Filme anschauen. Könnte man sagen, da hat Ludwigshafen Mannheim etwas voraus? Absolut. Aber nicht nur wegen des Filmfestivals. Auch in anderen Bereichen. Zum Beispiel? Etwa bei der Gestaltung des Rheinufers. Schauen Sie doch mal von hier auf die andere Seite des Flusses, da ist doch nichts. Ludwigshafen ist in den vergangenen Jahren an den Rhein gerückt. Da wurde sehr viel getan rund um die Rhein-Galerie. Dennoch leben Sie in Mannheim. Wir sind nach Feudenheim gezogen, weil mein Mann Mannheimer ist. Aber mich zieht’s immer wieder hierher. Was denkt denn der Durchschnitts-Mannheimer über Ludwigshafen? Nur schlechtes. Warum? Weil Ludwigshafen angeblich ein Kaff ist, eine Chemiestadt, die den ganzen Gestank hat. Ich hingegen, das muss ich Ihnen ganz ehrlich sagen, finde Ludwigshafen schöner als Mannheim. Auch was die Innenstadt anbetrifft. In Mannheim fährt ständig die Straßenbahn durch die Fußgängerzone, da kann man weder rasten noch schlendern. Das ist in Ludwigshafen nicht der Fall. Hier fehlt nur ein wenig die Atmosphäre.

x