Ludwigshafen Seitenwechsel:
Der Begriff schlechte Verlierer ist im Sport ja allgegenwärtig. Vermutlich jeder hat schon einmal erlebt, dass ein Verlierer aus Frust dem Gegner nicht gratuliert, auf den Schiedsrichter geschimpft oder auch ein paar böse Worte an den Kontrahenten gerichtet hat. Eher selten, oder vielleicht sogar noch seltener als selten, kommt es hingegen im Sport vor, dass es schlechte Gewinner gibt. Also Sportler, wenn man sie in diesem Zusammenhang noch so nennen kann, die sich daneben benehmen – obwohl ihnen ja eigentlich schon der Erfolg Genugtuung geben müsste. Bei Marius Jörres war dies am Samstagabend offenbar nicht der Fall. Jörres spielt beim Drittligisten TV Großsachsen Handball, also in der Spielklasse, in der auch der TV Hochdorf und die VTV Mundenheim spielen. Zumindest tut Jörres dies, wenn er nicht gerade mit anderen Dingen beschäftigt ist, so wie im Drittliga-Spiel gegen den SV 64 Zweibrücken, das der TVG mit 28:24 gewann. Die Nummer sieben der Gastgeber fiel während der Partie negativ auf: durch Schimpfeinlagen, durch das Einschlagen auf einen Mattenwagen in der Gerätehalle hinter der Großsachsener Bank nach einer vermeintlichen Fehlentscheidung der Unparteiischen. Und durch eine Zeitstrafe, weil er in einer Situation immer weiter meckerte – als Auswechselspieler übrigens. Die Krone setzte Jörres, der schon beim letzten Gastspiel seiner Mannschaft in Zweibrücken negativ aufgefallen war, seinem Verhalten allerdings dadurch auf, dass er nach dem Abpfiff dem RHEINPFALZ-Journalisten während eines Interviews mit SV’ler Dennis Götz, einem früheren Akteur der TSG Friesenheim, dazwischen quatschte und krakeelte: „Schreib’ doch einfach, alle Zweibrücker sind scheiße.“ Noch weitere Beleidigungen? Nein? Dann vielen Dank. Völlig erstaunlich ist natürlich, dass so etwas ausgerechnet in einer Halle passiert, in der Trainer ihre Gründe zu haben scheinen, eine Pressekonferenz nach dem Spiel nicht zu besuchen. Der ehemalige SV-Trainer Stefan Bullacher, seit dieser Saison beim TV Hochdorf der Sportliche Chef, jedenfalls spielte vor vier Jahren mit dem Gedanken, einer Pressekonferenz in Großsachsen fernzubleiben. Sein Nachfolger Tony Hennersdorf am Samstag tat es dann. Selbiges machten auch schon Ole Andersen (Trainer der SG Köndringen/Teningen) und vor zwei Wochen der Trainer des TuS Fürstenfeldbruck, Martin Wild. Solche psychologischen Spielchen finden nicht nur in Großsachsen statt. Vergangenes Jahr erlebte die TSG Friesenheim in der Zweiten Bundesliga eine recht eisige Atmosphäre bei ihrem Spiel kurz vor Weihnachten in Rostock. In Rostock geht es nicht selten heiß her. Die Stimmung dort ist intensiv, zuweilen aufgeheizt. Gästespieler schallen da ab und an schon mal deftige Worte entgegen. Die TSG Friesenheim gewann das Spiel übrigens. Als nach der Partie die Pressekonferenz im Mittelkreis des Spielfeldes begann, fehlte allerdings eine wichtige Person: Friesenheims Coach Ben Matschke war nicht da. Der stand vor der Kabine und führte ein Interview mit der RHEINPFALZ. Matschke wollte keineswegs die Pressekonferenz boykottieren oder mit Abwesenheit glänzen. Man hatte schlichtweg vergessen, ihn zum Gespräch abzuholen. |tnf