Ludwigshafen Seitenwechsel:

Dass Trainer die Leistung der Unparteiischen mal positiv würdigen, das ist schon eher eine Seltenheit. Dennoch gibt es solche Momente. Als beim Handball-Jungeulencup der männlichen C-Jugend der TSG Friesenheim, TSG-Abteilungsleiter Jürgen Karl das Mikrofon zur Siegerehrung in die Hand nahm, bat Jürgen Stalter, der Trainer des SV 64 Zweibrücken, in diesem Moment, ihm das Mikro doch bitte zu überlassen. Das hatte nämlich einen besonderen Grund: Der Coach der Südwestpfälzer wollte einfach mal das loslassen, was ihn an diesem Vormittag besonders positiv aufgefallen war: die tadellose Leistung der beiden Jungschiedsrichter Gideon Metzger (TV Dudenhofen) und Malte Metz (TSG Friesenheim). „Das habt ihr super, super, super gemacht“, meinte Stalter. Das unerwartete Sonderlob ließ die beiden Buben strahlen. Und als Bonbon gab es neben dem „Taschengeld“ für die Pfeifferei noch eine „süße Tüte“ vom Ausrichter. Hoffentlich fruchten die lobenden Worte auch. Denn jede Sportart braucht Unparteiische. (wij) Engländern sagt man ja mitunter nach, dass sie ein bisschen verrückt seien. Zumindest fußballverrückt. Ein Beispiel für diese These ist John, ein stämmiger, rothaariger Brite, der am vergangenen Samstag beim Oberligaspiel zwischen Arminia Ludwigshafen und dem 1. FC Saarbrücken II auf der Bezirkssportanlage Rheingönheim auftauchte. Der 32 Jahre alte Fußballfan erzählte, dass er aus London stamme und glühender Arsenalfan sei. Bei Arsenal stand einst auch Arminias Co-Trainer Stefan Malz unter Vertrag. Und wegen ihm war John auch gekommen. Stolz zeigte er eine dicke Mappe mit Fotos einstiger und aktueller Arsenal-Spieler. Die meisten Bilder waren von den Profis signiert, einige nicht. Die fehlenden Unterschriften will sich John sukzessive besorgen, koste es, was es wolle. So reiste er beispielsweise nach New York, wo ihm der frühere Arsenal-Star Thierry Henry ein Autogramm ins Buch kritzelte. Über einen Freund, der in Deutschland lebt, war John auf den aktuellen Verein von Malz gestoßen, hatte sich in den Flieger gesetzt und war nach Deutschland gedüst. Bei der Frage, was für ein Spieler Stefan Malz denn gewesen sei, musste der Engländer nicht lange nachdenken. Er sei technisch sehr gut gewesen und habe einen fantastischen linken Fuß. Malz, der sich über den Besuch des Fans sehr gefreut hat, unterschrieb sein Foto, fachsimpelte mit dem Arsenal-Anhänger über frühere Zeiten und der fußballverrückte John war glücklich. (thl) Der Fußball ist längst international geworden, auch in den Amateurklassen. Oft stehen Spieler aus verschiedenen Ländern in einer Mannschaft. Sprachliche Probleme gibt es kaum, denn ein bisschen Deutsch kann jeder und zudem braucht man im Fußball meist nicht viele Worte. Doch es kann auch anders kommen. Als Adem Aydin, Vorsitzender des Verbandsligisten TDSV Mutterstadt, am vergangenen Samstag nach dem Spiel gegen Neustadt die Spieler um sich scharte und auf einem Ball sitzend über die (finanzielle) Gegenwart und Zukunft sprach, da blickten einige Spieler recht irritiert drein. Aydin sprach auf Türkisch zur Mannschaft, weshalb die Yagmurkayas, Dogans und Anlis gebannt an seinen Lippen hingen. Die Kosovo-Albaner, Griechen, Brasilianer oder Italiener hingegen verstanden nur Bahnhof. Als Aydin seine gut fünfminütige Rede beendet hatte, sprang Teamchef Ediz Sari – beim TDSV so etwas wie das Mädchen für alles – in die Bresche. Er kleidete den Wortschwall des Vereinschefs in deutsche Sätze. Bleibt für den TDSV zu hoffen, dass Aussagen Aydins später nicht als „Übersetzungsfehler“ deklariert werden. (thl) Bevor Vereinschef Adem Aydin zu den Spielern des Fußball-Verbandsligisten TDSV Mutterstadt sprach, sorgten die für einen berührenden Moment. Nach dem 1:0 von Osman Boyraz lief die gesamte Mannschaft an den Spielfeldrand, wo der vier Wochen zuvor schwer verletzte Yasin Usta das Spiel mit einer mächtigen Schiene um das arg lädierte Bein verfolgte. Nach seinem komplizierten Schien- und Wadenbeinbruch hatte Usta zum ersten Mal das Krankenhaus verlassen und war zum Sportpark Mutterstadt gefahren worden. Die Mannschaft, die sich in der ersten Partie nach der Verletzung Ustas und auch im Wiederholungsspiel gegen Fußgönheim in T-Shirts mit dem Namen Usta und dessen Rückennummer 8 warmgelaufen hatte, wollte so ihre Verbundenheit zum Mitspieler ausdrücken. Eine Geste, die zeigt, dass der Zusammenhalt bei den Mutterstadtern in dieser Saison so groß wie nie zuvor ist. (thl)