Ludwigshafen „Sehr unglückliche Umstände“

Interview: Ein externer Mitarbeiter ist vermutlich für die BASF-Explosion am 17. Oktober verantwortlich. Ermittlern zufolge hat er irrtümlich eine Leitung beschädigt. Über den Einsatz von Fremdfirmen haben wir Rüdiger Beyer befragt. Er ist Hauptgeschäftsführer der Industrie- und Handelskammer (IHK) Pfalz.
Diesen Zusammenhang würde ich nicht herstellen. Das ist für mich vielmehr eine Frage der Organisation, wie man den Einsatz von Fremdkräften gestaltet. Hier unterstelle ich der BASF eine große Erfahrung und Professionalität, nicht nur bei eigenen Beschäftigten, sondern auch bei externen Mitarbeitern durch geeignete Maßnahmen alles daran zu setzen, Risiken zu vermeiden und eine Gefahrenabwehr hinreichend sicherzustellen. Mit Blick auf die Komplexität des gesamten Verbundstandorts und die Anforderungen an einen reibungslosen Ablauf in der Produktion kann es sich die BASF nicht erlauben, Schwachstellen zu schaffen, in dem sie risikobehaftete Firmen beauftragt. Da wird es klare Handlungsanweisungen und Vorschriften für Externe geben. Ich habe überhaupt keine Zweifel, dass die BASF dabei mit der entsprechenden Routine und Sorgfalt vorgeht. Speziell ältere Aniliner schütteln zunehmend den Kopf darüber, für welche Arbeiten inzwischen Fremdfirmen eingesetzt werden. Da fehle die Erfahrung, viele würden das Werk nicht gut kennen. In diesem Bereich spare sich die BASF kaputt, heißt es. Ich sehe gegebenenfalls ein Risiko in der Auswahl der Firmen. Im Vorfeld sollte man natürlich sicherstellen, dass Fremdfirmen über Personal verfügen, das Kompetenz und Berufserfahrung mitbringt. Und bei der Durchführung der Arbeiten muss gewährleistet sein, dass dafür Kontaktpersonen und Verantwortliche zur Verfügung stehen, die Mitarbeiter der Fremdfirmen vernünftig steuern. Vor allem dort, wo besondere Kenntnisse der Anlagen und des Betriebsgeländes erforderlich sind und Fremdfirmen womöglich nicht die notwendige Erfahrung besitzen. Wie gesagt: Ich denke, dass ist eine Organisationsfrage. Und in diesem Punkt habe ich wirklich volles Vertrauen in die BASF. Laut Staatsanwaltschaft hat ein externer Mitarbeiter bei Wartungsarbeiten irrtümlich ein mit chemischen Stoffen gefülltes Rohr beschädigt. Die Debatte über den Einsatz von Fremdfirmen dürfte das befeuern. In meinen Augen kann sich die BASF in einem sensiblen Bereich wie der chemischen Industrie wegen der Komplexität ihrer Anlagen und mit Blick auf die Verflechtungen in der Verbundproduktion überhaupt keine Nachlässigkeit leisten. Da ist ein Betrieb auf den anderen angewiesen, sie stehen in enger Verflechtung. Insofern, glaube ich, wird man dem Konzern weder organisatorisches noch Führungsversagen vorwerfen können. Ursächlich für das Unglück waren wohl letztlich menschliches Versagen und sehr unglückliche Umstände. Die Gleichung „mehr Fremdfirmen, mehr Risiko“ kann man Ihrer Ansicht nach also nicht aufmachen? Die würde ich so nicht aufmachen, weil ich unterstelle, dass die BASF organisatorisch mit geeigneten Maßnahmen auf solche möglichen Risiken reagiert und diese – wie es die lange Erfahrung zeigt – auch beherrschen kann. Politik/Südwest Zur Person Rüdiger Beyer, 61, ist seit zwölf Jahren Hauptgeschäftsführer der IHK Pfalz mit Sitz in Ludwigshafen (Ludwigsplatz).