HANDBALL RHEINPFALZ Plus Artikel Schwäbische Achterbahnfahrer bei Eulen Ludwigshafen zu Gast

Bei der 24:31-Heimniederlage der Stuttgarter gegen die HSG Wetzlar erzielte Patrick Zieker (hier links, gegen HSG-Torwart Tibor
Bei der 24:31-Heimniederlage der Stuttgarter gegen die HSG Wetzlar erzielte Patrick Zieker (hier links, gegen HSG-Torwart Tibor Ivanisevic) zuletzt drei Treffer für seine Mannschaft.

Die Saison des TVB Stuttgart gleicht einer Achterbahnfahrt. Linksaußen Patrick Zieker gibt das unumwunden zu. Am Donnerstag (19 Uhr, Friedrich-Ebert-Halle) fährt die Achterbahn durch Ludwigshafen. Nur zu gerne würde Zieker bei der Zieleinfahrt nach dem Bundesliga-Spiel gegen die Eulen Ludwigshafen mal wieder mit seinem Team jubeln.

Dabei waren die Stuttgarter am Anfang der Saison richtig obenauf, lagen nach fünf Siegen und einem Unentschieden aus acht Spielen auf Platz fünf und hatten Tuchfühlung zur Spitzengruppe. „Da sind wir wirklich auf einer Welle geritten. Wenn’s läuft, hast du halt auch das nötige Selbstvertrauen, davon haben wir gelebt“ sagt Patrick Zieker. Da waren in dieser Spielzeit schon tolle Spiele dabei, „wo wir genau so gespielt haben, wie wir das wollen“. Wie beim Sieg in Melsungen oder auch der starken Leistung unlängst an Ostern bei Branchenprimus THW Kiel. „Aber wir wussten auch schon zu Beginn, dass noch mal andere Zeiten kommen“, erklärt der 27-Jährige. „Und da waren dann zwischenzeitlich leider Spiele jenseits von Gut und Böse dabei“, sagt Zieker rückblickend auf herbe Niederlagen in Essen, zuhause gegen Coburg – oder auch das 26:29 in der Porsche-Arena gegen die Eulen Ludwigshafen. „Mit solchen Niederlagen geht das Selbstvertrauen wieder runter. Und in so einer Phase sind wir wohl momentan wieder“, erläutert der 1,86 Meter große und 85 Kilogramm schwere Zieker. Vier Niederlagen steckten die Stuttgarter zuletzt in Folge ein, holten aus den vergangenen 13 Begegnungen nur sechs Punkte. Auch daher liegen die Schwaben nach 25 von 38 Spieltagen nur noch auf Platz 13 (21:29 Punkte).

Pausenrückstand zu hoch

Die Heimniederlage am Sonntag gegen die HSG Wetzlar tat da natürlich weh. „Aber wir hatten in der ersten Halbzeit fast keine Defensivleistung und keine gute Chancenverwertung vorne“, weiß Zieker um die Fehler seiner Mannschaft in diesem Spiel. „Wir sind dann zwar gut reingekommen in die zweite Halbzeit und waren drauf und dran, das Spiel vielleicht noch mal zu drehen.“ Aber dafür war die Hypothek des 12:18-Pausenrückstandes doch zu hoch.

Am Fehlen verletzter Mitspieler will Patrick Zieker die Ergebnisdellen indes nicht festmachen. „Klar, wir hatten auch ein, zwei Nackenschläge mit den Verletzungen von Adam Lönn, Rudolf Faluvegi oder jetzt den Ausfall von Jogi Bitter. Aber jammern hilft ja nichts.“ Der erfahrene Nationalmannschaftstorwart sei ohne Frage ein extrem wichtiger Spieler für die Stuttgarter. „Aber wir haben ja mit Primoz Prost eine starke Nummer zwei, die oft genug gezeigt hat, was sie kann.“ In Sachen Corona kam der TVB bisher gut durch die Saison, hatte zwar mit Jerome Müller, Bitter und Trainer Jürgen Schweikhardt drei Infizierte, musste aber noch nicht komplett als Team in Quarantäne – wie bereits einige andere Bundesligisten.

Mit seinen eigenen Leistungen in dieser Saison (bisher 81 Tore in 24 Spielen) ist Zieker auch nicht zu hundert Prozent zufrieden. „Aber das ist man als Profi ja eigentlich eh nie“, meint er lachend. Noch konstanter und sicherer würde er gerne werfen, und damit seine Treffereffizienz von derzeit 68 Prozent erhöhen. „Ich hätte da schon gerne eine Sieben vorne stehen“, gibt er unverblümt zu.

Ziekers Fernstudium ruht

Für die Stuttgarter spielt Zieker seit 2019, nach zuvor sieben Jahren beim TBV Lemgo. Der verheiratete Familienvater zweier Kleinkinder (fast zwei Jahre und vier Monate) fühlt sich in der Landeshauptstadt Baden-Württembergs wohl, hat vor Weihnachten gerade seinen Vertrag um zwei Jahre bis 2023 verlängert. Sein Fernstudium der Wirtschaftswissenschaften ruht allerdings derzeit, der Nachwuchs hält ihn neben den Profisport derzeit zu viel auf Trab.

Bei der Nationalmannschaft war er zuletzt vor etwa einem Jahr zu einem Lehrgang mit dem neuen Trainer Alfred Gislason eingeladen. Zuvor hatte er noch unter Christian Prokop die Europameisterschaft gespielt. Daran, dass zu seinen 13 Länderspielen (21 Tore) dieses Jahr in Tokio noch welche hinzukommen, glaubt er eher nicht, obwohl er zum offiziellen Olympia-Kader des DHB gehört. „Ich glaube, Alfred hat nach der Qualifikation seine Mannschaft so ziemlich im Kopf.“ Es gebe für ihn aber immer eine Chance, glaubt er. „Ich muss meine eigene Leistung verbessern und mich anbieten, das habe ich selbst in der Hand“, weiß er.

Das Spiel bei den Eulen am Donnerstagabend bezeichnet er als „absolut wichtig“ für sich und seine Stuttgarter. „Ganz unabhängig davon, wie unsere letzten Spiele gelaufen sind: Das ist ein Spiel gegen die direkte Konkurrenz, das wir unbedingt gewinnen wollen und gewinnen müssen.“

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