Ludwigshafen Schriftsteller Éric Vuillard erhält Ernst-Bloch-Preis

Éric Vuillard
Éric Vuillard

Historische Umbrüche verdichtet der Autor Éric Vuillard auf wenige Seiten und enttarnt Machtstrukturen. Dafür verleiht ihm die Stadt Ludwigshafen den Ernst-Bloch-Preis.

Wie war das wohl bei dem Geheimtreffen am 20. Februar 1933? Damals, als sich die deutschen Industriekapitäne von BASF, Bayer und Opel mit Adolf Hitler trafen, direkt nachdem die Nationalsozialisten die Macht übernommen hatten. Auf nur 128 Seiten hat der Autor Éric Vuillard in „Die Tagesordnung“ enttarnt, wie Hitler seine Ideologie geschickt inszenierte und damit Wirtschaftsleuten aber auch Politikern die Sinne vernebelte. Er erklärt den Siegeszug des Regimes nicht durch Analyse oder nüchterne Nacherzählung sondern geradezu filmisch in konkreten farbenreichen Szenen – und hat dafür 2017 den Prix Goncourt erhalten. Ähnlich konzentriert in dieser plastischen, atmosphärischen Schreibweise widmete sich der 1968 in Lyon geborene Autor der Berliner Kongo-Konferenz oder der Französischen Revolution und hat mit seinem Stil ein eigenes Genre begründet.

„Durch seine ebenso besondere wie literarisch hochstehende Art der Neuerzählung historischer Ereignisse trägt Vuillard zur Reanimation eines dialektischen Geschichtsverständnisses im Sinne Ernst Blochs bei“, begründet die Stadt Ludwigshafen, warum der Hauptpreis am Donnerstag, 20. November, 17 Uhr, dem französischen Regisseur und Schriftsteller verliehen werden soll. „Vuillard versteht es, Machtstrukturen, Opportunismus und historische ’Zufälle’ sichtbar zu machen – ähnlich wie Bloch Geschichte als offenes Feld von Möglichkeiten verstand. Der französische Autor zielt dabei nicht auf bloße Rekonstruktion, sondern auf Aufklärung über gesellschaftliche und politische Mechanismen – mit impliziter Aufforderung zur Kritik an autoritären Strukturen.“

R. Othmann
R. Othmann

Ronya Othmann, als Tochter einer deutschen Mutter und eines kurdisch-êzîdischen Vaters 1993 in München geboren, schreibt Lyrik, Prosa und Essays und arbeitet als Journalistin. Für ihr Schreiben wurde sie viele Male ausgezeichnet. „Vierundsiebzig“, ihr zweiter Roman, wurde für den Deutschen Buchpreis nominiert und mit dem Preis der SWR-Bestenliste 2024 sowie dem Erich-Loest-Preis 2025 ausgezeichnet. „Othmann erinnert und ermahnt uns durch ihre Texte, das Leiden der Jesidinnen und Jesiden nicht zu verdrängen und zu vergessen“, wird die Vergabe des Bloch-Förderpreises begründet.

Die Entscheidung zur Preisvergabe traf der Beirat der Stadt, basierend auf Vorschlägen aus der Jury – der Publizistin Bascha Mika, der Literaturkritikerin Katharina Teutsch und dem Universitätsprofessor Henning Tegtmeyer von der Katholischen Universität Leuven. Die Stadt vergibt den mit 10.000 Euro dotierten Preis alle drei Jahre im Andenken an Ernst Blochs Werk für „herausragendes wissenschaftliches oder literarisches Schaffen mit philosophischer Grundhaltung“. Mit dem Förderpreis über 2500 Euro werden junge Autorinnen und Autoren unterstützt, von denen qualifizierte Arbeiten zu erwarten sind.

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