Ludwigshafen Schirmattacke auf Schiedsrichter
LUDWIGSHAFEN. Von einer wahren Kartenflut hat Bernd Schäfer (Freinsheim), der Klassenleiter der Fußball-A-Klasse Nord, bei der Rückrundenbesprechung der Vereine im Clubhaus der DJK Eppstein gesprochen. Negativer Höhepunkt des Fehlverhaltens auf und neben dem Platz war eine Attacke mit dem Regenschirm auf den Schiedsrichter.
„Nach dem Abpfiff eines Spiels in Eisenberg hat eine ältere Dame dem Schiedsrichter auf dem Weg in die Umkleidekabine mit einem Schirm auf den Rücken geschlagen“, berichtete Schäfer. Der Unparteiische habe noch in der Kabine die Polizei gerufen und nach deren Eintreffen Anzeige gegen die Frau erstattet. Inzwischen hätten sich die Wogen etwas geglättet. Die Eisenbergerin habe sich mehrfach beim Referee entschuldigt. Der Fall beschäftigte das Sportgericht, das noch ein zweites Mal tätig werden musste. „Beim Spiel DJK Eppstein gegen SC Bobenheim-Roxheim hat ein Gästespieler den Schiedsrichter nach einer Elfmeterentscheidung bedrängt. Der Unparteiische fühlte sich bedroht und brach die Partie ab“, schildert Schäfer den Fall. Die Fair-Play-Tabelle führt der FC Arminia Ludwigshafen II mit großem Abstand an. Die Spieler des FCA sahen 28 Gelbe und zwei Gelb-Rote Karten. Die Arminia ist der einzige Verein, dessen Spieler ohne Rote Karte blieben. Zweiter ist der ESV Ludwigshafen (38/1/1), Vierter der VfR Friesenheim (46/1/2). Der FC Croatia Ludwigshafen (Achter) und der SV Schauernheim (Neunter) belegen Mittelplätze, wobei die Kroaten bei den Gelb-Roten Karten (sechs) und der SVS bei den Roten Karten (fünf) die Höchstwerte verzeichneten. Alemannia Maudach und ASV Birkenheide folgen auf den Plätzen elf und zwölf. „Insgesamt streben wir Rekordzahlen entgegen“, konstatierte der Staffelleiter. Gelbe Karten gab es bisher 682, das sind 108 mehr als zum gleichen Zeitpunkt der vergangenen Saison. Mit 40 Gelb-Roten Karten wurden schon fünf mehr gezeigt, als in der kompletten Runde 2014/15. Und auch bei den Roten Karten (31) ist es wohl nur eine Frage der Zeit, bis das Vorjahresergebnis (39) übertroffen wird. Schäfer hielt die Delegierten an, auf ihre Spieler einzuwirken, künftig fairer zu Werke zu gehen. In der Rubrik „Unsportliche Ereignisse“, in der ungebührliches Trainer- oder Zuschauerverhalten oder Spielabbrüche registriert werden, hat die A-Klasse gewaltig zugelegt. Wurden in der vergangenen Serie drei Vereine bestraft, so sind es jetzt schon neun. Schiedsrichter-Obmann Roland Schäfer (Frankenthal) zeigte sich geschockt von den Zahlen. „Diese Entwicklung macht mir große Sorge, zumal die A-Klasse bisher nicht als ,Klopperliga’ verschrien war“, sagte Schäfer. Er gab den Vereinsvertretern Tipps, wie sie zur Deeskalation beitragen können, forderte sie aber auch auf, Schiedsrichter zu benennen, wenn deren Auftreten nicht in Ordnung gewesen sei. „Ich kann Ihnen aber nicht ersparen, mit den Fehlern der Unparteiischen zu leben. Sie müssen akzeptieren, dass sie Fehler machen, genauso wie ihre Spieler“, empfahl Schäfer. Im Kreis Rhein-Pfalz gibt es derzeit 272 Referees. Der VfR Friesenheim (10), der ESV (8), Schauernheim (7) und Maudach (5) übertreffen das Soll für die A-Klasse, das bei drei Schiedsrichtern liegt. Für den FC Croatia pfeift kein Unparteiischer. Der Staffelleiter informierte, dass die Kosten für die Schiedsrichter pro Partie im Schnitt um rund sieben von 40 auf 47 Euro gestiegen sind, was in erster Linie an einer Spesenerhöhung von fünf Euro liegt. Zudem rechnete der Unparteiische in dieser Saison im Mittel 75 Kilometer Fahrtstrecke ab, zuvor waren es 66 Kilometer. Kreisvorsitzender Peter Schakewitsch (Carlsberg) teilte mit, dass die B-Klasse Süd einem Rückwechsel, wie er bisher nur in der untersten Klasse möglich war, positiv gegenüberstehe. Rückwechsel bedeutet, ein bereits ausgewechselter Akteur darf wieder am Spiel teilnehmen. Für die A-Klasse-Klubs ist das keine Alternative. Mit einem Abstimmungsergebnis von 16:0 schmetterten sie diese Idee ab. Genauso eindeutig sprachen sich die Delegierten dafür aus, den für den 31. Juli vorgesehen Saisonstart 2016/17 um eine Woche nach hinten zu verlegen. Bernd Schäfer und Schakewitsch erklärten, dass dies nur genehmigt werden könne, wenn sich die Mehrheit der fünf Spielklassen des Kreises für einen späteren Saisonstart ausspreche. Alle Ligen sollen einheitlich starten. „Der Kreispokal geht in die entscheidende Phase“, sagte der Leiter des Wettbewerbs, Klaus Hilbrecht (Beindersheim). Das Viertelfinale ist für den 9. März terminiert. Neben vier A-Klassisten sind noch ein Team aus der B-Klasse und drei aus der C-Klasse dabei. Am 9. April folgt das Halbfinale und das Endspiel wird am 5. Mai ausgetragen. „An diesem Tag sollten keine Nachholspiele terminiert werden“, verdeutlichte Hilbrecht. (thl)