Ludwigshafen RHEINPFALZ Plus Artikel Radschnellweg für die Vorderpfalz wird in Ludwigshafen ausgebremst

Kritisch gesehen wird der städtische Verlauf der Radroute in der Bleichstraße, die Politiker vor Ort für „zu schmal“ halten.
Kritisch gesehen wird der städtische Verlauf der Radroute in der Bleichstraße, die Politiker vor Ort für »zu schmal« halten. Foto: Kunz

Pendler, die sehnlichst auf den Radschnellweg für die Vorderpfalz warten, müssen sich noch etwas gedulden. Ausgebremst wird das Leuchtturmprojekt des Landes besonders von den schwierigen Bedingungen in Ludwigshafen. Das hängt mit der Hochstraßenkrise zusammen, aber eben nicht nur, wie am Montagabend im Rathaus deutlich wurde.

Frühestens ab 2021 könnte ein Teilstück der Pendler-Radroute zwischen Ludwigshafen und Schifferstadt fertig sein, falls auf langwierige Genehmigungsverfahren verzichtet werde. Diese vorsichtige Prognose wagte Martin Schafft vom Landesbetrieb Mobilität (LBM) in Speyer bei der gemeinsamen Sitzung der Ortsbeiräte Mundenheim und Süd. Insgesamt geht’s um knapp 13,5 Kilometer, in Ludwigshafen sind es 8,3.

Während die Umsetzung in der Gemarkung des Rhein-Pfalz-Kreises via Limburgerhof an der Bahnlinie entlang bis nach Rheingönheim für einen standardmäßig drei Meter breiten Radweg eher unproblematisch sei, weil vorhandene Wege relativ einfach umgebaut und Beläge zügig erneuert werden könnten, sei die Wegeführung im Stadtgebiet sehr kompliziert, erläuterte der Diplom-Ingenieur. Wahrscheinlich starten die Arbeiten im Landkreis daher früher.

Nadelöhr Bleichstraße

Die Kritik, dass Ludwigshafen bei dem Projekt „nicht aus dem Quark“ komme, wie zuletzt Landrat Clemens Körner (CDU) monierte, relativierte Schafft. Die Situation in der Stadt sei tatsächlich komplexer als in der Nachbarschaft. Gewisse Abstriche, etwa mit Blick auf die Breite des Radwegs (2,50 statt drei Meter), müssten daher in Kauf genommen werden. Die von Schafft vorgestellte Machbarkeitsstudie ist deshalb auch nach fünf Jahren noch nicht bis ins letzte Detail ausgearbeitet. Ein Grund ist die Hochstraßenkrise, die die Planungen erheblich erschwere. Aber auch andere „Knackpunkte“, etwa am Mundenheimer Bahnhof oder in der Saarlandstraße, torpedierten die Pläne. Ein Nadelöhr sei der Bereich Bleich-/Mundenheimer Straße zur Auffahrt der Konrad-Adenauer-Brücke nach Mannheim.

„Können keine Trasse durch die Stadt schlagen“

Die Folge: Womöglich müssen Parkplätze geopfert, Unterführungen umgestaltet und Ampeltaktungen an Kreuzungen angepasst werden – teils auch aus Kostengründen. „Wir können hier keine Trasse durch die Stadt schlagen“, betonte Schafft. Im Prinzip ende die Pendler-Radroute in gewünschter Form am Wittelsbachplatz in Süd. Deren weiterer Verlauf sei extrem schwierig, weil unter der einsturzgefährdeten Hochstraße Süd absehbar kein Verkehr mehr möglich sei.

Prognose: 1000 bis 1500 Radler täglich

Im Schnitt rechnet der LBM-Experte auf der Route mit 1000 bis 1500 Radlern täglich, die im Mittel mit etwa 20 Stundenkilometern unterwegs sein sollen. Pendler seien erfahrene Radler, aber keine Raser, sagte er.

Massive Kritik gab es an der zum Teil unausgegorenen Streckenführung sowie an Schaffts Präsentation selbst, die mehr Fragen aufwarf als Antworten lieferte. Die an die Wand geworfenen Bilder und Statistiken waren kaum lesbar. Bei Radwegeplanungen werde immer noch zu viel Rücksicht auf den Kfz-Verkehr genommen, bemängelte Jens Brückner (Grüne und Piraten) und prophezeite: „Wir werden harte Entscheidungen treffen müssen.“

Lorena Schmitt (SPD) meinte, es sei kontraproduktiv, wenn sich Radfahrer „durch die Stadt quälen“ müssten statt ohne Umwege zum Ziel zu kommen. „Ich habe mir das gänzlich anders vorgestellt.“ Die Bleichstraße sei viel zu schmal für einen Radschnellweg. Ähnliche Bedenken äußerte Karl-Heinz Hecker (CDU). Die Schikane am Wittelsbachplatz müsse umgebaut werden, forderte er.

Schafft räumte ein, dass bisher nicht überall „optimale Lösungen“ gefunden worden seien. Das gelte auch für den Mundenheimer Bahnhof, wo der Radschnellweg auf die östliche Gleisseite wechseln soll – der LBM will dafür die Kfz-Unterführung nutzen, Bordsteine zurücksetzen und einen Schutzstreifen für Radfahrer schaffen. An der Kreuzung Saarland-/Richard-Dehmel-Straße sei ein Umbau mit einer verbesserten Ampelschaltung nötig.

Bürgerbeteiligung gefordert

Mundenheims Ortsvorsteherin Anke Simon (SPD) verwies auf den schlechten Belag des Radwegs in der Saarlandstraße. Jens Brückner plädierte dafür, eine Trasse über den Schänzeldamm zu prüfen. Wilhelma Metzler (CDU) brachte eine Route über die Bruchwiesenstraße ins Spiel, Holger Scharff (SPD) eine Bürgerbeteiligung für den weiteren Planungsprozess. Jürgen Strantz vom Landesverband des Allgemeinen Deutschen Fahrradclubs (ADFC) meinte an Schafft gerichtet: „Bedenken Sie Ihre Planungen. Radfahrer möchten schnell von A nach B kommen. Alles unter drei Metern Breite ist nicht als Radpendlerweg klassifiziert.“ Teile der Pläne würden die Attraktivität des Radfahrens „auf Null“ reduzieren, kritisierte der Sitzungsgast, der Rederecht erhielt.

Ortstermin soll Klarheit schaffen

Süd-Ortsvorsteher Christoph Heller (CDU) schlug letztlich einen Ortstermin vor, um die vom LBM angedachte Wegeführung gemeinsam abzufahren. „Damit wir nicht nur theoretisch darüber reden, sondern in der Praxis sehen, wie das laufen soll.“ Jetzt wird nach einem Termin gesucht. Schafft kündigte an, dass die Pläne im nächsten Jahr vertieft und – wo möglich – den örtlichen Gegebenheiten angepasst werden sollen. Ziel sei es, den Radverkehr zu fördern und zu beschleunigen, den Kfz-Verkehr zu entlasten und einen Beitrag zum Klimaschutz zu leisten.

Von Ludwigshafen soll der Radschnellweg auf die andere Rheinseite nach Mannheim und weiter nach Heidelberg führen. Über die Adenauer-Brücke fahren laut Stadtplaner Thomas Lappe aktuell bis zu 4000 Radler täglich. In Zukunft soll sich die Anzahl auf 10.000 erhöhen.

Zur Sache: Routen und Kosten

In Rheinland-Pfalz werden derzeit sieben „Potenzialräume“ für Pendler-Radrouten untersucht – eine dieser Routen soll von Worms bis Wörth verlaufen. Für den Teilabschnitt Ludwigshafen-Schifferstadt ist die Machbarkeitsstudie so gut wie abgeschlossen. In Arbeit ist sie für den Bereich Schifferstadt-Wörth. Ein Kooperationsvertrag dafür ist ebenso unterzeichnet wie für die Strecke Ludwigshafen-Worms. Ende dieses Jahres sollen die jeweiligen Machbarkeitsstudien fertig sein. Baulastträger für die Radschnellwege sind die Kommunen, die aber bis zu 90 Prozent der Kosten vom Land erstattet bekommen. Für Schifferstadt liegen sie je nach Radwegestandard netto zwischen 350.000 und 710.000 Euro, für Limburgerhof bei 540.000 bis 860.000 Euro, für Ludwigshafen zwischen 1,7 und vier Millionen Euro. Das Ludwigshafener Radwegenetz erstreckt sich über 182 Kilometer, knapp 140 davon sind offiziell als Radwege ausgewiesen.

Einwurf: Wunsch und Wirklichkeit

Ein Radschnellweg für die Vorderpfalz und darüber hinaus weckt Hoffnungen: weniger Abgase, weniger Staus, eine Reduzierung der Pkw-Pendlerströme und damit auch eine Entlastung der Umwelt, was vor allem Ludwigshafen helfen würde. Dass die Pläne angesichts der aktuellen Bedingungen in der Innenstadt an Grenzen stoßen, wurde am Montag im Rathaus deutlich. Wunsch und Wirklichkeit liegen weit auseinander. Was auch daran liegt, dass die Experten aus Speyer die Experten vor Ort erst jetzt aktiv einbeziehen, obwohl diese neuralgische Punkte viel besser kennen. Auf die Idee, die Route gemeinsam abzufahren, hätte man schon früher kommen können.

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