Ludwigshafen Radieschen und Lauch statt Schweine und Kühe

Erntefrisch: Landwirt Gerd Sahler vertreibt auf seinem Hof in Dannstadt mittlerweile nur noch Gemüse, zum Beispiel Radieschen. V
Erntefrisch: Landwirt Gerd Sahler vertreibt auf seinem Hof in Dannstadt mittlerweile nur noch Gemüse, zum Beispiel Radieschen. Viehhaltung gibt es bis auf ein paar schottische Hochlandrinder für den Eigenbedarf schon lange keine mehr.

Bereits seit der ersten Besiedlung der Gemarkung von Dannstadt und Schauernheim lebten die Menschen von dem, was sie in der Natur fanden und anbauten. Und so prägte die Landwirtschaft vor allem bis ins 19. Jahrhundert das Leben in den beiden Gemeinden.

Aufgrund der fruchtbaren Böden bestimmt die Landwirtschaft mit vorwiegend Gemüsebau aber auch heute noch das Gesicht der Gemarkung – auch wenn immer mehr Menschen Arbeit in der Industrie, in Handwerksbetrieben und im Handel finden. Diese Entwicklung stehe beispielhaft für die Entwicklung unserer Kultur, denn genauso wie die Menschen in Dannstadt und Schauernheim lebten bis zur Industrialisierung im 19. Jahrhunderts rund 90 Prozent der Gesamtbevölkerung Mitteleuropas, schreiben Rolf Drechsel und Gerhard Fouquet in ihrer Geschichte zu Dannstadt-Schauernheim. Das Klima und die geologischen Gegebenheiten haben den Menschen schon ab der jüngeren Altsteinzeit gute Überlebenschancen in Dannstadt und Schauernheim geboten. Die Landwirtschaft habe die Menschen in den Ortschaften über Jahrhunderte hinweg ernährt – allerdings noch unter ganz anderen Bedingungen: „Die Bauern jener Zeit bestellten die Felder nach ganz anderen Methoden, und sie waren in unfassbarer Weise den Naturgewalten ausgeliefert“, führen Drechsel und Fouquet aus. Jedoch genossen Dannstadt und Schauernheim einen Vorteil gegenüber anderen Gemeinden: Die beiden Dörfer liegen zum Beispiel im Gegensatz zu Mutterstadt etwas höher und werden auch bei längeren, kräftigen Regenperioden nicht überschwemmt, wie Ingo Dierck betont. Der Historiker hat zur Heimatgeschichte geforscht und war an der Herausgabe einer Veröffentlichung zur Geschichte von Dannstadt-Schauernheim beteiligt. Noch bis zum Zweiten Weltkrieg wurden in Dannstadt-Schauernheim – wie in der gesamten Region – Pferde und Kühe als Zugtiere eingesetzt. Außerdem wurde kaum Mineraldünger verwendet. Mit Ausnahme der Mennoniten, die, wie Dierck berichtet, bereits früh Dünger eingesetzt haben. Verändert hat sich natürlich auch die Zahl der Landwirte. Nach einer Zählung von 1951, die von Fouquet angeführt wird, gab es in dem 2200 Einwohner zählenden Dannstadt 150 bäuerliche Betriebe. In Schauernheim, das damals rund 800 Einwohner hatte, waren es knapp 50 Landwirte, weiß Ludwig Fischer. Seine Familie führt heute den letzten verbliebenen landwirtschaftlichen Betrieb in Schauernheim. Auch in Dannstadt hat die Zahl der Landwirte inzwischen stark abgenommen. „Heute gibt es in Dannstadt noch fünf Landwirte“, nennt Gerd Sahler, Vorsitzender der Ortsgruppe des Bauern- und Winzerverbandes Rheinland-Pfalz, aktuelle Zahlen. Der 59-Jährige hat in seiner Familie – seit Generationen Bauern – den Wandel der Landwirtschaft in und um Dannstadt-Schauernheim selbst erlebt. „Die landwirtschaftlichen Betriebe waren damals alle noch im Dorf ansässig“, erzählt Sahler aus seiner Kindheit. Er erinnert sich an ein besonderes Erlebnis aus dem Jahr 1960: „Da bekamen wir den ersten Traktor, einen 19er Hanomag.“ Seine Eltern haben Schweine und Kühe gehalten sowie Zuckerrüben, Kartoffeln und Getreide angebaut. Als Hof und Anbaufläche zu klein wurden, siedelte Sahler, der inzwischen den Hof übernommen hatte, an den Ortsrand von Dannstadt um. Die Anbaufläche vergrößerte sich von 20 Hektar auf „ein paar Hundert Hektar“. Viehhaltung gibt es schon lange nicht mehr, lediglich ein paar schottische Hochlandrinder hält sich Sahler für den Eigenbedarf. Inzwischen haben sich auch etliche Kollegen in Dannstadt-Schauernheim auf den Gemüsebau und dabei auf bestimmte Sorten wie Lauch, Radieschen, Kohlrabi oder Blumenkohl spezialisiert. Abnehmer sind vor allem der Pfalzmarkt und große Discounter. Sahlers Mitarbeiterzahl ist indes stark gewachsen: Er beschäftigt derzeit 500 Arbeiter. „Heute ist man als Landwirt Unternehmer“, berichtet Sahler. Das bringe natürlich auch ein großes Maß an Verantwortung mit sich, die er am Ende des Tages nicht einfach ausblenden könne.

x