FUSSBALL RHEINPFALZ Plus Artikel Quo vadis SV Südwest?

Geschäftsführer Marcel Joch und seine Mitstreiter wollen für geordnete Verhältnisse sorgen.
Geschäftsführer Marcel Joch und seine Mitstreiter wollen für geordnete Verhältnisse sorgen.

Der SV Südwest Ludwigshafen beherrscht weiterhin die Schlagzeilen. Nach dem jüngsten Abstieg in die A-Klasse sorgte die Demission von Trainer Hotic und Vorstand Hafner für neuen Wirbel. Ein junges Führungsteam will den Verein wieder in ruhigeres Fahrwasser führen und bezieht klar Stellung.

Für manche Fußballvereine ist es sowohl Fluch als auch Segen, wenn sie eine ruhmreiche Vergangenheit haben. Dies trifft vor allem auf Traditionsklubs zu, die nach längerer Zugehörigkeit zu oberen Spielklassen irgendwann in die Unterklassigkeit abstürzen. In der Vorderpfalz gilt dies vor allem für den SV Südwest Ludwigshafen, der 1964 gegründet wurde, um baldmöglichst in die Bundesliga aufzusteigen. Nun findet er sich erstmals nur noch in der A-Klasse Rhein-Pfalz wieder und befindet sich nicht zum ersten Mal vor einem Neuanfang.

„Es kommen monatlich Anfragen von Groundhoppern, die sich unsere alten Stadien ansehen möchten“, erzählt Marcel Joch, der inzwischen als Geschäftsführer hauptverantwortlich für den SV Südwest ist. Die Geschichte empfindet er als besondere Herausforderung. „Bei uns interessieren sich viel mehr Leute dafür, was gerade passiert als bei irgendeinem anderen Ludwigshafener Verein, auch wenn diese in einer höheren Klasse spielen“, führt er aus. Im geschäftsführenden Vorstand stehen ihm mit Fußballabteilungsleiter Markus Haberern und Schatzmeister Nico Schradi zweite weitere jüngere Leute zur Seite, die unbelastet von der Vergangenheit im Stadtteil Süd in Bezug auf Fußball wieder für geordnete Verhältnisse sorgen möchten.

Hafner bereits am 13. Juni zurückgetreten

Der erst Ende des vergangenen Jahren neu gewählte Vorsitzende Klaus Hafner sei bereits am 13. Juni zurückgetreten. Mit der Bekanntgabe dieser Entscheidung habe man aber bewusst noch gewartet, bis der Termin einer außerordentlichen Mitgliederversammlung feststehe. Ein kommissarisch tätiger Vorstand sei aber bereits einen Tag nach Hafners Rücktritt installiert worden.

Es gehe nun vor allem darum, den Verein in der A-Klasse zu konsolidieren. „Vollmundige sportliche Versprechungen wie sie von Hafner vorgenommen wurden, wird es von uns nicht geben“, stellt Joch klar. Vom neuen dreiköpfigen Führungsgremium könne sich altersbedingt nur Haberern an alte Oberligazeiten erinnern. „Deshalb träumen wir nicht von utopischen Zielen. Wir sind aber alle frühere oder sogar noch aktive Spieler des SV Südwest und identifizieren uns deshalb mit dem Verein“, erklärt er. Im Notfall würden auch alle drei in der kommenden Saison „die Fußballschuhe schnüren“.

Nico Schradi werde sich nun mit ganzer Kraft dem Finanzbereich widmen. „Wir müssen erst einmal feststellen, wer Forderungen an den Verein hat und welche Einnahmen zu erwarten sind. Auf keinen Fall wird ab jetzt mehr Geld ausgegeben als wir generieren“, informiert er über seine nun anstehenden Tätigkeiten.

Demir Hotic wurde vom Verein freigestellt

Finanzielle, aber auch sportliche Gründe seien es gewesen, warum man Trainer Demir Hotic freigestellt habe, wenn auch nicht schriftlich. „Er ist entgegen seiner Aussage nicht zurückgetreten. Das muss ich klar dementieren“, betont Joch. Hinzu komme, dass die Mannschaft seit Hotics Amtsantritt in 15 Spielen insgesamt nur fünf Punkte holte. „Da er Einfluss auf die Planung des Kaders hatte, ist dies schlicht zu wenig“, formuliert er unmissverständlich. Seine Kritik geht aber noch weiter: „Dass Hotic uns Sponsoren gebracht hätte, glauben wir nicht. Außerdem war sein Gehalt für einen Trainer in der A-Klasse zu hoch.“

Joch widerspricht Hotic auch, dass der Verein nicht professionell arbeite. „Es wird sich zeigen, dass wir professionell sind. Ich selbst bin bisher vor allem aus familiären Gründen, aber auch aufgrund meiner Tätigkeit als Schiedsrichter für den SV Südwest selten bei Spielen vor Ort gewesen“, erläutert er. Ab sofort werde er aber die Schiedsrichterei zurückstellen, damit er seine gesamte Kraft darauf verwenden könne, um den Verein wieder auf ein gesundes Fundament zu stellen. Außerdem habe Hafner oft im Alleingang entschieden, so dass die Meinungen der anderen gar nicht gefragt gewesen seien.

Kritik und Lob für den scheidenden Trainer

Demir Hotic müsse er aber auch loben. „Er war wirklich sehr oft auf unserem Gelände, und unsere Sportplätze befinden sich aufgrund seiner vielen Gespräche mit Mitarbeitern der Stadtverwaltung in einem so guten Zustand wie lange nicht mehr“, bestätigt Joch. Diese guten Gespräche gelte es nun fortzuführen. Keineswegs könne er jedoch Hotics Anmerkung, dass nur er sich um die Jugend gekümmert habe, unkommentiert stehen lassen. „Die zweite Mannschaft werden wir aus Kosten- und dadurch resultierenden Personalgründen zurückziehen, da wir nicht am falschen Ende, nämlich der Jugend, sparen wollen“, lässt er wissen.

Die zweite aktive Südwest-Garnitur beendete die Saison 2022/2023 mit nur einem Punkt Rückstand zum Tabellenzweiten ASV Birkenheide auf dem vierten Rang der B-Klasse Rhein-Pfalz, Staffel Süd. Aufgrund dieser guten Platzierung seien im Kader der zweiten Mannschaft auch gute Spieler, die in der A-Klasse mithalten könnten. Dass diese bleiben, erhofft sich Joch, indem Heiko Krämer, der bisherige Coach des B-Klasse-Teams, Hotics Nachfolge antritt. „Heiko ist ein bodenständiger Trainer, der sich auch mit unserem Verein identifiziert“, charakterisiert er den neuen Chefcoach.

Spielbetrieb bleibt gewährleistet

Im Gegensatz zu manchen Meinungen Außenstehender sei gewährleistet, dass der aktive Spielbetrieb auch bei zahlreichen Abgängen gewährleistet bleibe. „Acht Neuzugänge stehen bereits fest, und außer den bisherigen Spielern der zweiten Mannschaft verfügten unsere A-Junioren auch über einige aktive Fußballer, da diese als U21 gemeldet gewesen ist“, berichtet der Geschäftsführer. Dass die Fußballabteilung weiter handlungsfähig sei, gewährleiste auch Giuseppe Marino, da dieser dem Verein als Sportlicher Leiter erhalten bleibe. Vergessen dürfe man aber nicht, dass der SV Südwest noch über weitere Abteilungen verfüge. Diese müsse man auch an Entscheidungsprozessen beteiligen.

Für die Fußballer wird es am Sonntag, 30. Juli, 15 Uhr, wieder ernst. Dann erwartet der SVS in einem Derby der ersten Verbandspokalrunde den Bezirksligisten Ludwigshafener SC.

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