Interview RHEINPFALZ Plus Artikel „Queen“-Sänger Marc Martel: „Ich wusste schon, dass er sehr angesehen war“

Klang schon vor seinem Queen-Engagement wie Freddie Mercury: Marc Martel.
Klang schon vor seinem Queen-Engagement wie Freddie Mercury: Marc Martel.

„One Vision of Queen“ ist eine Tribute Show, die dem Original besonders nahe und im Oktober auch nach Mannheim kommt. Was es bedeutet, jeden Abend als Freddie Mercury auf der Bühne zu stehen, hat Gereon Hoffmann Sänger Marc Martel gefragt.

Marc Martel, was haben Sie vor Ihrer Zeit als Freddie-Mercury-Darsteller gemacht?
Einen „richtigen“ Job habe ich eigentlich nie gehabt (lacht). Ich stamme aus Kanada, und dort hatte ich während des Studiums eine Rockband. Wir haben 2001 einen Plattenvertrag mit einem US-amerikanischen Label bekommen und ich bin mit der Band nach Nashville gezogen, der Musikhauptstadt der USA. Ich habe meine eigenen Songs gesungen, aber alle Leute sagten „Hey, Du klingst wie Freddie Mercury“. Ich dachte nicht, das sei etwas Besonderes, aber: Hier bin ich! (lacht)

Haben Sie Freddies Gesang besonders studiert, seine Phrasierung und die ganzen Eigenheiten?
Tatsächlich habe ich Queen und Freddie erst spät entdeckt. Als Jugendlicher kannte ich ihn gar nicht. Ich war auf Tour mit meiner Band, und nach jeder Show kamen Leute und sagten „Du klingst wie Freddy“ und ich wusste schon, dass er ein sehr angesehener Sänger war. Also habe ich seine Songs endlich gehört und habe gemerkt, dass wir tatsächlich sehr ähnlich klingen.

Also war er gar kein Vorbild?
Ich habe Bryan Adams, George Michaels und Richard Marx gehört. In den 90ern auch Grunge. Und dass ich wie Freddie klinge, das fand ich nichts Besonderes. Als (Queen-Schlagzeuger, Red.) Roger Taylor 2011 Sänger für seine Tribut Show „Queen Extravaganza“ gesucht hat, habe ich ihm ein Demo geschickt. Und dann ist die Sache geradezu explodiert. Mein Video ist viral gegangen und da wurde mir klar, es ist doch nichts Gewöhnliches, wie Freddie zu klingen.

Und das haben Sie dann ausgebaut? Weil, die Ähnlichkeit ist jetzt absolut verblüffend.
Tatsächlich musste ich nicht so viel dafür arbeiten. Ich habe immer mit Vibrato gesungen, habe von Natur aus eine hohe Rock-Stimme. Worauf ich mich konzentriere, ist Freddies künstlerische Interpretation. Ich versuche nicht, an den Songs etwas zu verändern. Die Leute kommen ja, um etwas zu hören, was möglichst genau wie Freddie Mercury klingt und das verstehe ich. Als Kanadier habe ich etwas an Freddies britischem Akzent gefeilt. Und ich habe mit der Zeit meine Gesangstechnik verbessert. Anfangs wurde meine Stimme durch die Anstrengung müde, heute singe ich problemlos die ganze Show.

Haben Sie noch eigene Projekte, in denen Sie nicht als „Freddie“ auftreten?
Das ist schon die Hauptsache meiner Arbeit. Nebenher habe ich Weihnachtslieder aufgenommen, inzwischen so 30 Songs. Das letzte Album unter eigenem Namen habe ich 2014 veröffentlicht. Eigentlich würde ich gerne mehr machen, aber die Queen-Show nimmt mich voll in Anspruch. Es ist ja gut, dass ich so viel zu tun habe. Und wenn ich dann mal zu Hause bin, verbringe ich Zeit mit meiner Frau, mache ein paar Arbeiten an Haus und Garten, ganz normale Sachen.

Ist es für Sie als Künstler nicht eine große Einschränkung, auf der Bühne ständig jemand anders sein zu müssen?
Na ja, kein Songschreiber hat das Ziel, die Lieder eines anderen zu singen. Insofern bin ich schon froh, dass ich 13, 14 Jahre hatte, um meine eigenen Sachen zu machen. Und davon auch leben konnte. Wir hatten mit meiner Band einen guten Lauf, haben in den USA, Skandinavien und Mitteleuropa getourt. Ich habe schon Lust darauf, das wieder zu machen. Andererseits bin ich mit dieser fantastischen Musik von Queen unterwegs, die so viele Leute lieben. Manchmal nehme ich mir die Zeit, eigene Songs zu schreiben, und ich nehme mir jedes Jahr wieder vor, dieses mal auch wirklich etwas davon aufzunehmen – aber daraus wird nie was (lacht).

Sie haben mal gesagt, die Leute wollen alles Ton für Ton wie bei Queen hören. Gibt es da keinen kreativen Spielraum?
Queen und besonders Freddie haben sich durchaus Freiheiten genommen und Melodien verändert. Das ist für mich der Rahmen, in dem ich mich bewegen kann. Inzwischen mache ich diese Musik schon so lange, dass ich ein Gefühl dafür habe, was ich an Spielraum habe. Ich singe also nicht jeden Ton immer gleich – ich will mich ja selber auch nicht langweilen. Aber wenn ich dann die Leute in der ersten Reihe sehe, oft mit Tränen in den Augen, dann motiviert mich das sehr, diese Musik weiter zu singen.

Wie bringen Sie ihre Queen-Show auf die Bühne?
Wir haben eine komplette Live-Band und spielen auch alles selbst. Es gibt keine Einspieler. Die Besetzung ist Gitarre, Drums, Bass, Keyboards, Lead-Vocals und Background-Vocals. Wir halten uns im Wesentlichen an die größten Hits, mit ein paar Überraschungen. Die Musiker sind Spitze und drei von uns haben in Roger Taylors Queen-Tribute mitgespielt, neben mir der Keyboarder und der Gitarrist. Das ergibt 100 Prozent Rock ’n’ Roll.

Zur Person

Marc Martel wurde 1976 im kanadischen Montreal geboren. Er lernte mehrere Instrumente zu spielen und gründete noch während seiner Studienzeit die Band Downhere, mit der er einige Erfolge feierte. 2011 nahm er zur Bewerbung bei Queen-Schlagzeuger Roger Taylor zwei Videos mit Queen-Songs auf. „Somebody to love“ und „Bohemian Rhapsody“ gingen viral und erzielten in kurzer Zeit 30 Millionen Aufrufe. Er wurde einer der Sänger bei Roger Taylors Queen-Covershow „The Queen Extravaganza“. Nach einer Eigenproduktion mit Queen-Songs ist er jetzt Frontman bei „One Vision of Queen“, einer Produktion, die weltweit unterwegs ist. Für den Film „Bohemian Rhapsody“, der verfilmten Queen-Bandbiografie, sang er einige Songs ein, zu denen Hauptdarsteller Rami Malek dann Freddie Mercury spielte.

Termin

One Vision of Queen, feat. Marc Martel, kommt am 5. Oktober nach Mannheim in die SAP Arena.

x