Ludwigshafen
Polizeiwache Oggersheim: Was für ein Typ der neue Chef ist
Die blaue Polizeiuniform steht dem Kriminalhauptkommissar gut. Elf Jahre lang trug Martin Baumann Zivilkleidung, wenn er jugendliche Kriminelle in Ludwigshafen aufspürte, die Handys geklaut haben oder in Schulen eingebrochen sind. Baumann war über ein Jahrzehnt Ermittler im „Ludwigshafener Haus des Jugendrechts“ (Jurelu) – in dem Polizei, Staatsanwaltschaft und Jugendamt unter einem Dach Jugendkriminalität gemeinsam bekämpfen.
Baumann war die rechte Hand von Jörg Haßler, dem Leiter des Sachgebiets Jugendkriminalität. Vor zwei Jahren verließ der Kriminalhauptkommissar Ludwigshafen. Er sammelte bei der Polizeiinspektion Kaiserslautern und auch im Innenministerium in Mainz Führungserfahrung. Im vergangenen Jahr wurde Baumann stellvertretender Leiter des Kommissariats zur Bekämpfung der Rauschgiftkriminalität in Neustadt. Dann wurde die Leitung der Polizeiwache Oggersheim frei, weil Chef Ralf Limbach nach Speyer wechselte. Baumann bewarb sich. „Ich freue mich sehr, dass ich die Stelle bekommen habe“, sagt er.
Ermittlung verzögert Wechsel
Eigentlich hätte er schon im Mai in Oggersheim anfangen sollen, doch Baumann war in Neustadt wegen einer Ermittlung unabkömmlich. Zehn Kilo Marihuana wurden sichergestellt, vier mutmaßliche Dealer festgenommen. Der Fall ist abgeschlossen, sodass dem Wechsel nichts mehr im Weg stand. Einen Unterschied zwischen Kripo und Schutzpolizei, zu welcher Kriminalhauptkommissar jetzt gehört, will Baumann nicht machen: „Das Spartendenken ist mir seit meiner Zeit im Jurelu fremd – da haben wir alle zusammengearbeitet.“
Baumann ist ein weltoffener Mensch. Er ist privat und auch in seinem Beruf viel herumgekommen. Das Jurelu war ein Pilotprojekt, das weltweit Interesse hervorrief. Aus Finnland, den USA und der Schweiz sind Polizei- und Justizbeamte nach Ludwigshafen gekommen, um sich zu informieren. Der internationale Austausch hat Früchte getragen: Kollegen aus den USA haben nach deutschem Vorbild Fallkonferenzen zu jugendlichen Kriminellen eingeführt. Und in Ludwigshafen wurde das Projekt „Spurwechsel“ nach US-Vorbild eingeführt. Dabei führt ein Richter Jugendlichen die Konsequenzen ihres Handelns vor Augen. Die Verantwortlichen haben dabei Jugendstraftäter im Visier, die an der Schwelle zu einer Haftstrafe stehen. Wer mitmacht, erspart sich den Knast. Wer sich den Regeln des Programms nicht unterwirft, landet hinter Gittern. „Die Arbeit im Jurelu hat mich geprägt: das Zusammenwirken vieler Akteure, um Probleme zu lösen“, sagt Baumann.
Junges Team in Oggersheim
An der neuen Aufgabe als Leiter der Polizeiwache in Oggersheim reizt Baumann die Zusammenarbeit mit einem jungen, motivierten Team und das breite Aufgabenfeld. Er ist jetzt Chef von 24 Männern und Frauen, die im größten Ludwigshafener Stadtteil Oggersheim sowie im ländlichen Ruchheim für Sicherheit sorgen. Für rund 31.000 Menschen sind die Beamten zuständig. Rund 1500 Straftaten und 1100 Unfälle fallen jedes Jahr an – das reicht vom Ladendiebstahl oder einem Auffahrunfall im Gewerbegebiet Westlich B 9 bis hin zur Schlichtung bei einem Streit.
Die Wache in Oggersheim ist werktags von 7 bis 22 Uhr und samstags von 10 bis 18 Uhr geöffnet. Außerhalb der Dienstzeiten übernimmt die Polizeiinspektion in Oppau, zu der die Oggersheimer Wache gehört. Die Erwartungshaltung der Bürger und der Kommunalpolitik ist anders: Eine 24-Stunden-Besetzung der Polizeiwache ist immer wieder gefordert worden. Doch dies würde zehn zusätzliche Beamte erfordern. „Die Personalstärke richtet sich nach der Belastung und den Fallzahlen“, sagt Polizeipräsident Thomas Ebling, der Martin Baumann am Mittwoch bei einer Feierstunde offiziell ins neue Amt eingeführt hat.
Viele Vorschusslorbeeren
Dabei gab es viele Vorschusslorbeeren für den 41-Jährigen. „Wir haben mit ihm den Richtigen gefunden“, meinte Ebling. „Ich hoffe, er bleibt uns lange erhalten“, sagte Ortsvorsteherin Sylvia Weiler (SPD), die darauf verwies, dass der Stadtteil mit der Heinrich-Pesch-Siedlung und einem Gewerbegebiet weiter wachsen werde und es dadurch auch mehr Arbeit für die Polizei geben werde.
Ludwigshafen ist Baumanns Heimatstadt. 15 Jahre seines 22-jährigen Berufslebens hat er hier verbracht. Er wohnt hier, ist fest verwurzelt, hat Handball gespielt und engagiert sich ehrenamtlich. Seine Lebensgefährtin ist wie sein Bruder ebenfalls Polizist. Obwohl der Kaffeegourmet viel herumgekommen ist, steht für ihn fest: „Ich habe nirgendwo ein Plätzchen gefunden, wo ich lieber leben würde.“