Ludwigshafen „Pfälzer verstehen lernen“

Irgendwo in Lu“ sind wir jede Woche in der Stadt unterwegs auf der Suche nach interessanten Gesprächspartnern. Gestern trafen wir in der Mittagspause die Betriebsrätin des Klinikums Angelika Kulicke, 49, aus Fußgönheim in Friesenheim.
Ich war beim Richtfest für unser neues Herzzentrum am Klinikum Ludwigshafen und jetzt mache ich Mittagspause. Ihr Dialekt verrät Sie: Sie stammen nicht aus der Region. Nein, ich bin mit meiner Familie 1991 aus dem Harz in die Vorderpfalz gekommen. Das war definitiv die richtige Entscheidung. Mittlerweile fühle ich mich hier zu Hause. Der Harz ist eher ländlich geprägt. Was waren ihre ersten Eindrücke von Ludwigshafen? Es ist eben durch und durch eine Arbeiterstadt, aber die Umgebung ist dafür mit der Vorderpfalz sehr schön. Wir wurden sehr gut aufgenommen. Ich habe den Schritt auf alle Fälle nicht bereut. Wie war denn damals ihr erster Eindruck? Ach, die BASF war schon beeindruckend. Aber ich kam damals mit zwei kleinen Kindern und wollte ins Schwesternwohnheim des Klinikums ziehen, was aber nicht geklappt hat. Mein Mann kam vom Land und er wollte nicht in die Stadt ziehen, weil er schon immer auf dem Land gewohnt hat. Und weil wir Verwandte in Fußgönheim hatten, sind wir eben dort gelandet. Aber die BASF finde ich heute noch spannend. Wenn wir Verwandte aus dem Harz zu Besuch haben, dann fahren wir mit denen oft Abends an der BASF entlang. Das gesamte Gelände mit seinen vielen Lichtern ist schon sehr beeindruckend. Tagsüber sieht das Gelände aber zugegebenermaßen nicht ganz so toll aus. Und wie klappt die Anbindung von Fußgönheim nach Ludwigshafen? Das klappt wirklich super. Ich bin mit dem Auto innerhalb von einer Viertelstunde in der Stadt und auch wieder zu Hause. Das würde sogar mit dem ÖPNV nicht viel länger dauern, aber ich fahre in der Regel dann doch meistens mit dem Auto Gab es Startschwierigkeiten? Ich musste die Pfälzer erst verstehen lernen. Das war ausschließlich eine Sache des Dialekts und einzelner Ausdrücke. Manches hat sich ja aus dem Gesamtzusammenhang ergeben. Aber einige Ausdrücke habe ich einfach nicht verstanden. Als meine Nachbarn mich kurz nach der Ankunft gefragt haben, ob meine Kinder „Gutsel“ essen, war ich schon etwas ratlos und ich musste ausweichend antworten, was meine Nachbarn nicht so gut fanden: „Sie müssen doch wissen, ob ihre Kinder Gutsel essen“. Mittlerweile weiß ich natürlich, was es heißt und einige Ausdrücke habe ich auch in meinen Wortschatz übernommen. Das erleichtert das Zusammenleben und die Verständigung. Und wie steht es um Ihren Heimatdialekt? Das Harzer Platt wird dort, wo ich herkomme, nur noch von den alten Leuten gesprochen. In Gaststätten hört man es ab und zu noch, aber aus dem Alltag ist es praktisch verschwunden. Da sprechen alle Hochdeutsch. Das ist irgendwie auch schade, weil der Dialekt doch eine Region ausmacht. Und mittlerweile komme ich ja auch mit dem Pfälzischen ganz gut zurecht. Mit dem Verstehen allerdings eher als mit dem Sprechen.