Fußball RHEINPFALZ Plus Artikel Oberliga: Warum Jürgen Krüger ein Glücksfall für die Arminia ist

Ehrenamtlich für die Schiedsrichter zuständig: Jürgen Krüger (Zweiter von rechts) mit Oberliga-Referee Paul Schommer (Zweiter vo
Ehrenamtlich für die Schiedsrichter zuständig: Jürgen Krüger (Zweiter von rechts) mit Oberliga-Referee Paul Schommer (Zweiter von links) und den Linienrichtern Elias Kiefer (links) und Florian Weller vor der Partie der Arminia gegen den 1, FC Kaiserslautern II.

Jürgen Krüger hat das Schiedsrichterwesen beim Oberligisten FC Arminia Ludwigshafen neu organisiert. Warum er damit dem Oberligisten Geld einbringt und wie er zu seinem Ehrenamt gekommen ist.

Vor etlichen Jahren gab es die Werbekampagne „Ohne Schiri geht es nicht“. Ein Spruch, der für Jürgen Krüger wie gemacht scheint. Denn der 72-Jährige hat das Schiedsrichterwesen schon von allen Seiten gesehen. Er war selbst ein sehr guter Unparteiischer, später Obmann, dann Schiedsrichterbeobachter, schließlich Betreuer der Referees und – ganz wichtig: einer, der sich um den Nachwuchs kümmert. Jürgen Krüger, ein Hans-Dampf-in-allen-Gassen, von dessen ehrenamtlichem Engagement aktuell der Oberligist FC Arminia Ludwigshafen erheblich profitiert.

Krüger akquiriert nämlich Unparteiische, die für den FC Arminia pfeifen. „Als damaliger Schiedsrichterbeobachter war ich bis 2023 öfter bei den Spielen der Arminia“, sagt der Vater von zwei Söhnen und einer Tochter, der mit seiner Frau Jutta in Schriesheim wohnt. Und wer ein kommunikativer Mensch wie Krüger ist, einer, der das Gespräch sucht und an allem interessiert ist, der knüpft leicht neue Kontakte. „Den FCA habe ich als einen familiären und gut geführten Verein kennengelernt“, betont der gebürtige Chemnitzer. Im Frühjahr 2023 habe ihm Geschäftsführerin Gisela Schaar berichtet, dass die Arminia eine satte Geldstrafe habe bezahlen müssen, weil der Klub nicht die acht für Oberligisten geforderten Schiedsrichter aufweisen konnte, sondern nur zwei.

Bereich neu aufgebaut

Krüger musste nicht lange überlegen und brachte seinen Wechsel zum FCA auf den Weg. Er war aber nicht nur der dritte Referee der Rheingönheimer, er setzte auch eine Idee um: „Ich will etwas aufbauen, Leute finden, die gerne zum FCA kommen und für ihn als Schiedsrichter amtieren“, verdeutlicht der 72-Jährige. Er war in einer Projektwoche an einer Realschule und im Karolinengymnasium Frankenthal als Referent eingeteilt und bildete junge Schiedsrichter aus. Etliche der neuen Unparteiischen schlossen sich der Arminia an, womit das Kontingent zum 1. Juli 2024 auf 13 Referees angewachsen ist. Der Verein bedankt sich mit Ausrüstungsgegenständen bei den neuen Pfeifenmännern. Statt saftiger Strafe erhält der FCA nun eine Gutschrift vom Verband, weil das Soll übererfüllt ist.

Und weil seine Beobachtertätigkeit altersbedingt 2023 endete, löste Krüger quasi nahtlos den gesundheitlich angeschlagenen Karlheinz Lotter als Schiedsrichterbetreuer der Schwarz-Weißen ab. „Das macht mir viel Spaß, weil ich die Schiedsrichter, die ich vorher beobachtet habe, kenne und einen guten Draht zu ihnen habe“, erklärt Krüger. Er stellt Getränke in die Kabine der Unparteiischen, begrüßt sie bei der Ankunft, händigt den Spielbogen aus, betreibt bei einer Tasse Kaffee etwas Small Talk und lädt die Männer, die längst nicht mehr nur in Schwarz auftreten, nach den 90 Minuten zum Essen ins Clubhaus ein. Dort wird auch über das Spiel gesprochen, „aber nur, wenn die Drei das auch wollen“. Inzwischen haben die FCA-Mitglieder Krüger als Beisitzer in den Verwaltungsrat gewählt.

Föckler holt ihn in die Pfalz

Fußball hat Jürgen Krüger auch schon in der damaligen DDR interessiert. „In Frankfurt an der Oder habe ich 1971 meine Lokführerausbildung absolviert und parallel beim ESV Frankfurt in der Bezirksliga gespielt, der damals dritthöchsten Liga“, berichtet der frühere Mittelfeldspieler. Als ihn eine Knieverletzung auf Eis legte, sprach ihn der Vorsitzende des Klubs an: „Du bist doch diskussionsfreudig, willst immer wissen warum, wieso, weshalb. Werde doch Schiedsrichter“, gibt Krüger dessen Worte wieder. Er probierte es, legt 1978 seine Prüfung ab und pfiff bis 1989, die letzten drei Jahre auch in der DDR-Liga, nach der Oberliga die höchste Klasse.

1983 folgte die Dampflokausbildung, und wer dem umgänglichen und stets freundlichen Mann zuhört, der versteht sehr schnell, dass Krüger Eisenbahner mit Leib und Seele war. Er spricht vom Traumberuf und der schönsten Zeit seines Lebens. Mit dem Heizer bildete er ein perfektes Duo. Doch nur ein paar Jahre lang, denn im Oktober 1989 wurde seinem offiziellen Ausreiseantrag im Rahmen der Familienzusammenführung stattgegeben, denn seine Mutter wohnte in West-Berlin. In Mannheim folgte eine Weiterbildung und bald konnte er auch Schnellzüge fahren. „Das war schon ein Kulturschock. In der DDR saßen wir nach der Schicht häufig noch in der Betriebskantine zusammen, erzählten uns gegenseitig von den Erlebnissen. Hier war alles viel anonymer“, erinnert sich Krüger.

Gepfiffen hat er im Westen auch. „Dem Mannheimer Obmann Hans-Jürgen Pohl habe ich meinen Ausweis gezeigt, er war hocherfreut“, erläutert Krüger und lacht. Bis zur Verbandsliga wurde der renommierte Zugang eingesetzt, war als Assistent in der Oberliga dabei. Noch heute erzählt er von einer seiner interessantesten Partien, dem Testspiel zwischen dem SV Waldhof und Eintracht Frankfurt vor rund 15.000 Besuchern im Carl-Benz-Stadion, bei dem er Assistent war. Später war er badischer Verbandsschiedsrichterobmann und als Beobachter eingesetzt. 2007 ebnete ihm der ehemalige FIFA-Schiedsrichter Werner Föckler den Weg auf die andere Rheinseite. Krüger wechselte den Verband und war fortan in der Pfalz tätig. Und so führte ihn der Weg ein paar Jahre später zum FC Arminia.

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