Fußball RHEINPFALZ Plus Artikel Oberliga: Warum ein Routinier für den FC Arminia Ludwigshafen so wichtig ist

Bester Vorbereiter der Arminia: Steffen Straub (rechts) im Spiel gegen Gau-Odernheim.
Bester Vorbereiter der Arminia: Steffen Straub (rechts) im Spiel gegen Gau-Odernheim.

Die nächste schwere Aufgabe für den FC Arminia Ludwigshafen steht in der Oberliga mit dem Spiel beim FV Engers an. Ein Spieler ist dabei als Leistungsträger unverzichtbar.

Der FV Engers galt jahrelang als graue Maus in der Fußball-Oberliga. Völlig zu Unrecht, das Team aus einem Stadtteil von Neuwied hat einige Erfolge zu bieten. Von 1949 bis 1953 sowie in der Saison 1955/56 spielten die Grün-Weißen in der Oberliga, damals die höchste deutsche Spielklasse. 2002 stieg der FV Engers erstmals in die jetzige Oberliga auf, die damals viert- und heute fünftklassig ist. Nach dem Abstieg 2008 kehrt der FVE 2017 zurück. Überregionale Bedeutung erfuhr der Verein in den Jahren 2020 und 2022, als er in der ersten Runde des DFB-Pokals an den Zweitligisten VfL Bochum und Arminia Bielefeld scheiterte.

In dieser Saison setzte Engers noch einen drauf. Der aktuelle Rheinland-Pokalsieger traf im DFB-Pokal erstmals auf einen Erstligisten: Eintracht Frankfurt gewann zwar standesgemäß 5:0, doch bis in die 44. Minute hatte der Oberligist ein 0:0 gehalten. In der Liga ist Engers Fünfter. Kein Zufall, meist reichte es für gute Mittelplätze, fernab jeglicher Abstiegsangst. „Das ist eine körperlich starke Mannschaft mit vielen groß gewachsene Akteuren. Engers agiert bevorzugt mit lang geschlagenen Bällen hinter die Kette“, beschreibt Arminia-Coach Marco Laping die Spielweise des unbequemen FVE vor dem Gastspiel am Freitag um 20 Uhr. Das Heimspiel hatte der FCA im September mit 1:2 verloren.

Wichtig für das Team

Bayern-Trainer Louis van Gaal hatte einst den Spruch „Müller spielt immer“ geprägt und damit dem späteren Weltmeister Thomas Müller quasi eine Einsatzgarantie gegeben. Bei der Arminia könnte es dagegen heißen: „Straub spielt immer“. Der Unterschied: Müller war damals ein aufstrebendes Talent, Straub ist ein absoluter Leistungsträger der Marke „unersetzlich“. Seit er beim FCA aufläuft, hat er 91 von 95 möglichen Oberligapartien bestritten, in 88 von ihnen stand er in der Startformation. In dieser Zeit spielte keiner häufiger. Am vergangenen Sonntag in Karbach bereitete er zum 40. Mal ein Tor vor – auch das ist Rekord in dieser Zeitspanne.

„Steffen ist eine Bereicherung für unser Spiel. Dass er dribbeln und flanken kann ist bekannt, aber in der Arbeit gegen den Ball hat er einen Riesenschritt nach vorne gemacht“, hat Laping erkannt. Damit helfe er der Mannschaft und werde noch wertvoller. Nach fast 50 Gegentoren in den 20 Spielen bis Weihnachten sei es essenziell, die Defensive zu stärken. Und da müssten alle mitmachen. Straub sei keiner, der in der Kabine das Wort ergreife, aber aufgrund seiner Erfahrung, Leistung, Qualität und seines Stellenwerts sei er in der Teamhierarchie ganz oben angesiedelt.

Weniger Abschlusschancen

Straub sieht den FCA auf dem richtigen Weg. Er sei stabiler geworden, das Gefüge gefestigt. Die größere Energie sei auf dem Platz zu spüren. „Marco, der ein authentischer und positiver Typ ist, gibt uns Lösungswege an die Hand. Mit Matteo hat er für eine gute Struktur gesorgt“, betont Straub. Dass es jetzt nach Engers geht, ficht den Flügelflitzer nicht an. „In der Liga sind alle Spiele schwer, egal wer der Gegner ist. Wir müssen jede Partie wie ein Endspiel angehen“, fordert der Linksaußen, dessen große Stärke es ist, mit seinem starken Eins-gegen-eins eine tief stehende Abwehr zu knacken. Oder mit seinem Tempo und der guten Technik selbst gefährlich zu werden. Dies ist ihm bei nur einem Saisontor bislang noch nicht so oft gelungen. „Ich habe weniger Abschlusssituationen als zuvor“, erklärt Straub.

Der 31-Jährige ist gebürtiger Ludwigshafener und arbeitet als Selbstständiger in der Immobilienbranche. „Ich bin im Bereich Baufinanzierungen tätig, rede viel mit Banken, vergleiche Angebote und Konditionen. Wichtig ist, eine Finanzierung zu finden, die für den Kunden maßgeschneidert ist“, erläutert der Dribbler. Seine Laufbahn begann der in Ruchheim aufgewachsene Flügelstürmer beim SV Ruchheim, dem Ludwigshafener SC und dem 1. FC Kaiserslautern, wechselte aber noch in der Jugend zur TSG Hoffenheim. Dort spielte er in der A- und B-Junioren-Bundesliga. Er zählte zum Kreis der U15-Nationalmannschaft, blieb aber ohne Länderspieleinsatz.

Tor im DFB-Pokal

Für die zweite Garnitur der Hoffenheimer, den SV Waldhof, Astoria Walldorf, Wormatia Worms und den FSV Frankfurt bestritt er 178 Regionalligaspiele. „Einer der Höhepunkte war in der ersten Runde des DFB-Pokals mein Siegtor für Walldorf beim 4:3 gegen Zweitligisten VfL Bochum“, erinnert sich Straub an die Saison 2016/17. Insgesamt lief er viermal im DFB-Pokal auf. Der Rechtsfuß lief in der Oberliga für Hauenstein und Dudenhofen auf. Seine sportlich beste Zeit hatte er in Frankfurt und Worms, als er absoluter Leistungsträger war.

Während Straub, der noch Vertrag bis 2027 hat, also immer spielt, müssen andere um ihren Einsatz bangen. „Für Leon Zinnicke, der ein Riesenfußballer ist, tut es mir Leid, dass er zuletzt draußen saß“, bedauert Laping. Julian Malburg habe sich herangekämpft und werde zu einer Alternative links in der Kette, Kevin Selzer und Fabian Marx sind ins Training eingestiegen. Darauf wird Malte Moos noch warten müssen. Das MRT habe den Verdacht auf einen Innenbandanriss im Knie bestätigt. Der Coach kalkuliert mit drei bis vier Wochen Ausfallzeit.

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