Fussball
Oberliga: Hauskrach bei Arminia Ludwigshafen
Was wiegt schwerer? Die 2:3 (0:2)-Heimschlappe des FC Arminia Ludwigshafen gegen Oberliga-Frischling TSV Gau-Odernheim oder der Hauskrach zwischen dem Sportlichen Leiter Markus Impertro und dem vom VfR Mannheim an den Hohen Weg zurückgekehrten Mittelfeldspieler Yakup Polat?
Impertro, dessen Verdienste um den Fußball in Ludwigshafen und die Erfolge des FCA unbestritten sind, hatte die Tribüne nach der Pause verlassen und sich auf der Gegengerade neben der Trainerbank positioniert. Schon während des Spiels sah sich „Kuba“ Polat heftiger verbaler Kritik des Chefs ausgesetzt. Im schon obligatorischen Mannschaftskreis kam es dann nach Spielende zu einem heftigen Wortgefecht zwischen Impertro und Polat.
Klärendes Gespräch
Da wurde viel Porzellan zerschlagen. Am Montag soll der Hauskrach unter vier Augen geklärt werden, sagte Impertro. Er hat das Trainerteam vor dem Montagstraining einbestellt. „Es gibt Gesprächsbedarf“, betonte der gesperrte Kapitän Ricardo Antonaci nach dem Eklat. Er mahnt trotz der Enttäuschung ob der zweiten Niederlage im zweiten Saisonspiel zur Sachlichkeit.
„Gau-Odernheim hat gemacht, was sie können: lange Bälle und weite Einwürfe. Wir waren die bessere Mannschaft“, befand FCA-Coach Chris Chorrosch sichtlich betroffen vom Eklat im Mannschaftskreis. Der Neuling zeigte sich vor 248 Zuschauern äußerst effektiv. Nach einem abgewehrten Standard traf Aleksandar Dimitrijevic aus 20 Metern zum 0:1 (21.). Nach der vierten Ecke, von Belel Meslem serviert, war Kapitän Jakob Friedrich per Kopf zur Stelle und es hieß 0:2 (33.). Dabei startete die Arminia elanvoll, die große Chance zur Führung aber ließ Yassin Memokoh aus, der am guten Schlussmann Daniel Diel scheiterte (12.). Memokoh und der in den ersten 45 Minuten überragende Malte Moos rechts, der fintenreiche Steffen Straub links, beflügelten den FCA. Den Flanken aber fehlte die Präzision, sie wurden meist leichte Beute von Torhüter Diel. Die mangelhafte Boxbesetzung kritisierte Trainer Chorrosch. So tat sich trotz aller Einsatzfreude Maximilian Krämer als einzige echte Spitze schwer. Stürmerkollege Noah Hannawald fällt wegen einer Achillessehnenreizung weiter aus. „Bis zum Sechzehner haben wir gut gespielt“, sagte Markus Impertro nach der bitteren Niederlage. Chris Chorrosch hatte nach dem Pausenrückstand reagiert, Memokoh durch Routinier Tim Amberger und Julian Malburg durch den erfahrenen Lukas Hartlieb ersetzt. Zwei Minuten nach dem Seitenwechsel aber schockte der Aufsteiger die Arminen. Der für Torschütze Dimitrijevic eingewechselte Luis Breitenbruch, der viel Power entwickelte, startete den Konter, den Meslem mit dem 0:3 veredelte.
Der Gast, in grauen Trikots angetreten, war alles andere als eine graue Maus. Ratlose Arminen waren immer wieder auf der vergeblichen Suche nach Anspielstationen. So erging’s dem eifrigen Amberger in der 52. Minute, Polat in der 70. Minute. Polat verkürzte in der 73. Minute aus der Distanz und war auf einmal im Spiel, das noch mal Fahrt aufnahm. Urplötzlich war Betrieb vor Diels Gehäuse, im Strafraum herrschte Getümmel, aber es gab kein Durchkommen.
Standardschwäche
FCA-Coach Chris Chorrosch machte trotz der zweiten Niederlage eine Leistungssteigerung gegenüber dem 2:3 von Auersmacher aus, haderte aber damit, quasi durch zwei Standards ins Hintertreffen und aus dem Takt geraten zu sein. „Das haben wir nicht gut verteidigt“, monierte Chorrosch, der „der Mannschaft aber keinen Vorwurf machen wollte“, die engagiert arbeitete. In der Schlussphase ging Kapitän Wal Fall mit in die Spitze, um mit seiner Kopfballstärke noch was auszurichten. In der Nachspielzeit (90. + 5) stocherte Fall, der Kopf der Dreier-Abwehrkette, den Ball zum 2:3 über die Linie. Es war die letzte Aktion der Partie, die in Jan-Vincent Ritter einen ausgezeichneten Leiter hatte. „Ich fand unsere Leistung gar nicht so schlecht“, sagte Ricardo Antonaci, der noch für ein weiteres Spiel gesperrt ist. Von der Qualität der Mannschaft ist er überzeugt. „Aber das ist ohne Frage ein Fehlstart“, sagte Antonaci, der am Mittwoch im Pokalspiel beim Landesligisten FSV Schifferstadt „eine Reaktion“ erwartet: „Es ist ein guter Landesligist. Es muss aber unser Anspruch sein, dort zu gewinnen.“