Ludwigshafen Nur mit Woll-Leibchen

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Während sich am Wochenende in Schwetzingen die motorisierten Oldtimerfreunde zu Hunderten zum „Concours d’Elegance“ trafen, waren die Freunde der unmotorisierten Fortbewegung in weiten Teilen unter sich. Man kennt sich, man trifft sich, man hat sich viel zu erzählen, und auch ein wenig zu frotzeln. „Jetzt hätte ich beinahe die beiden Bremsen verwechselt“, erklärte Cross-Senioren-Europameister Wilfried Senck seinen kurzen Wackler auf der Anfahrt. „Selbst schuld, wenn Du auch einen so neumodischen Kram fährst“, konterte Veranstalter und Vorstandmitglied Hermann Ballosch angesichts der „Flight Deck“-Anlage, die Schaltung und Bremse vereint. „Von wegen neumodischer Kram. Flight Deck gab es schon vor 20 Jahren. Die gibt es mittlerweile sogar schon seit 15 Jahren nicht mehr“, grummelte Senior Senck – eben Kenner unter sich. Trotzdem war Ballosch mit der Resonanz zufrieden. „Sicher gibt es größere Treffs, aber unsere Händler kommen aus einem Raum zwischen Köln im Norden und Lörrach im Süden.“ Und die hatten beileibe nicht nur alte Rennmaschinen in hervorragendem Zustand dabei. „Es geht auch um die Liebe zum Detail. Ein echter Klassiker-Fan würde sich niemals ein neumodisches Trikot anziehen, sondern er setzt sich mit dem alten Woll-Leibchen aufs Rad, auch wenn das kratzt und verdammt schwer wird, wenn es regnet“, sagte der Veranstalter und schmunzelte. Außerdem sei der Markt nach Original-Ersatzteilen für Rennräder ohnehin sehr übersichtlich. „Sicher könnte man auch Teile von modernere Bremsen oder Schaltungen verwenden, aber das würde allen anderen sofort auffallen und stört einfach den Gesamteindruck.“ Rund 30 Jahre haben Rennräder auf dem Buckel, ehe sie sich „Klassiker“ nennen dürfen. Manche bringen es sogar auf knapp 100 Jahre. „Ich glaube, vorhin habe ich ein Rennrad gesehen, dass noch aus den 1920er Jahren stammt“, berichtet Ballosch, der das entsprechende Rad aber nicht mehr fand. „Vielleicht ist es schon verkauft.“ Immerhin: 800 Euro und mehr gingen dabei beim Radklassiker-Treff in Ludwigshafen über den Ladentisch. Angemessen. Man darf dabei aber nicht vergessen: Die knapp zehn Kilogramm schweren Maschinen haben im Neuzustand 5000 Mark und mehr gekostet. Am Ende waren alle zufrieden. Vor allem Hermann Ballosch, der eine Tradition begründet hat. „Ich wollte uns drei Probejahre geben und ich glaube, wir haben uns mittlerweile im Veranstaltungskalender etabliert“, sagte das Vorstandsmitglied des RC Friesenheim, der vor allem die Abteilung „RC Classic“ leitet. Er freute sich über 15 Aussteller und rund 100 gebrauchte Rennmaschinen mit dünnem Stahlrahmen, die zu ihrer Zeit der neueste Stand der Technik waren. „Die Szene für diese Art Veranstaltung ist auf alle Fälle vorhanden“, sagte er am Sonntagabend nach der dritten Auflage. Ein weiterer Traum bleibt aber für die nächsten Jahre. „Ich würde gerne eine Ausfahrt mit den alten Rädern organisieren. Am besten auf den Spuren der alten Pfalz-Rundfahrten.“ Das Interesse dafür sei auf alle Fälle vorhanden. „Die Szene ist zwar übersichtlich, aber sehr aktiv. Es gibt eine Renaissance der Radkultur.“

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