Ludwigshafen
„Nackte Tatsachen“ im Ludwigshafener Prinzregententheater
Na, das wird ein Spektakel geben! Bernhard Dropmann ist diesmal aber „nur“ der Textbearbeiter; Regisseur und Bühnenbildner ist er sowieso. Kerry Renards Komödien sind derzeit Renner auf deutschen Bühnen der leichten Muse. Sie setzen auf klassische Boulevardthemen. In „Nackte Tatsachen“ geht es um den Seitensprung und um die zunehmend aberwitziger werdenden Lügen, ihn zu vertuschen. Das Thema stammt aus der Zeit um die Wende vom 19. zum 20. Jahrhundert, als die Sitten locker wurden, aber die Gesellschaft stockprüde blieb.
Und das soll witzig sein? Es ist spaßig, Ehrenwort! Erstens, weil es schnörkellos zur Sache geht, und doch gelogen wird, dass es kracht. Zweitens, weil das alles komisch genderkorrekt ist. Und verraten wir es gleich: die Autorin, deren erstes Stück „Ganze Kerle“ heißt, hat ein Herz für Männer.
Elegant weiß gestylte Wohnung, große Fensterfront mit Panorama-Blick im Hintergrund, die zugleich Eingang ist. Die Gästecouch nimmt fast den gesamten Raum ein. Auf ihr und um sie herum spielt sich die Handlung ab, doch so offen das ausgestellt wird, kommt es nie dazu, dass wirklich etwas passiert. Die voyeuristische Häme der Zuschauer wird, wie in der verstaubten Seitensprung-Komödie, ständig an der Nase herumgeführt.
Wie viel werden sie preisgeben?
Oliver und Michael wachen also auf und stellen mit Entsetzen fest, in welch peinlicher Situation sie sich befinden. Schlüssel weg, Kleider weg. Was ist passiert? Das perplexe Staunen ist etwas langatmig ausgewalzt. Es dauert an, wenn Olivers Mutti hereinschneit. Bis sich die beiden endlich aus dem Bett herausschälen. Während sie mit vorgehaltenen Kissen gegen nackte Haut kämpfen, geben sie mehr und mehr von ihren Charakteren preis. Felix Weiß ist der jungenhaft bullige Oliver, der gern ein Macho sein möchte, und schnell ausrastet. Paul Meindl ist der Softie und Frauenversteher Michael, der noch das kleinste Wellchen harmoniebedürftig glättet und dabei selbstverliebte Besserwisserei heraushängen lässt. Beide sind Vertreter des gehobenen Mittelstands, verheiratet, kinderlos, im Ganzen bieder, im Detail auch mal versteckt garstig.
Heulsuse und Nervensäge
Letzteres kommt zum Vorschein, wenn die Angetrauten aufkreuzen. Olivers Emily (Antonie Gabriel) ist laut, herausfordernd und ziemlich stressig. Michaels Nicole (Lara Engert) ist eine Heulsuse. Alle vier spielen gern Bäumchen wechsel dich, die Frauen deutlich raffinierter. Emily geht mit Temperament an den Mann, Nicole geht brüskiert auf Distanz. Die Männer demonstrieren traditionelle Überheblichkeit; Michael in lehrerhafter Penetranz (im Stück ist er allerdings Zahnarzt), Oliver bei genüsslich symbolhaftem Verspeisen eines Apfels. Männer, ihr macht das prima!
Mit weniger Text und Situationskomik bedacht, die zudem weniger einfallsreich sind, kommen die Frauen nicht so häufig zum Zug, doch gendergerecht verlassen sie als Siegerinnen das Feld. Auf der Bühne, wo die Lacher punkten, sind die Männer die Helden, zumal solche wie diese hier, die auch Charakterdarstellung mit links stemmen. Und wie war das schlussendlich mit den Handschellen? Am besten Mutti fragen.
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