Ludwigshafen „Muslime fühlen sich nicht mehr wohl“

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Terroristische Anschläge und Morde im Namen des Islam in vielen Ländern der Welt, islamfeindliche Demonstrationen auch in vielen deutschen Städten – das Bild, das derzeit von der durch den Propheten Mohammed gestifteten Religion gezeichnet wird, gefällt Sertac Bilgin, Vorstandsmitglied des türkisch-deutschen Unternehmensverbands Rheinland-Pfalz, und anderen Muslimen in der Region überhaupt nicht. „Wir Muslime fühlen uns nicht mehr wohl“, sagt der 34-Jährige gegenüber der RHEINPFALZ.

Bilgin, der mit seiner Familie in Dannstadt-Schauernheim lebt und in Ludwigshafen einen Pflegedienst leitet, war es, der um das Gespräch gebeten hat. Für die Muslime in Stadt und Land sei es höchste Zeit, die Diskussion mitzubestimmen, meint der Unternehmer mit türkischen Wurzeln und deutschem Pass. Die wichtigste Botschaft müsse dabei lauten: „Der Islam ist ein friedlicher Glaube.“ Muslime wie er stünden derzeit leider unter Generalverdacht und müssten sich auch immer wieder entsprechende Äußerungen von Andersgläubigen anhören, „mit denen wir hier doch seit Jahrzehnten Haus an Haus oder Tür an Tür leben“. Dass die einfachen Menschen es nicht besser wissen, macht Bilgin diesen allerdings nicht zum Vorwurf. Dass der Islam in der westlichen Welt derzeit so negativ dargestellt werde, sei vielmehr nicht zuletzt auch Schuld der islamischen Verbände selbst. „50 Jahre haben Christen und Muslime hier nebeneinander anstatt miteinander gelebt“, beklagt Bilgin. Die Muslime seien nach Deutschland, nach Ludwigshafen gekommen, und hätten sich, was den Glauben betrifft, abgeschottet. „Wäre man stattdessen von Anfang an aufeinander zugegangen und hätte sich über die Religionen ausgetauscht, hätten wir die heutigen Probleme erst gar nicht“, ist sich der der 34-jährige zweifache Familienvater sicher. Zwar würden sich die islamischen Kulturvereine in Stadt und Kreis allmählich öffnen und auch zu Begegnungen einladen, nach Ansicht Bilgins liegt aber noch immer vieles im Argen. So könnten die in der Türkei ausgebildeten Imame, die in die islamischen Gemeinden nach Deutschland geschickt werden, oft nur unzureichend Deutsch sprechen und seien kaum oder gar nicht mit der christlichen Kultur ihres Gastlandes vertraut. Und nach zwei Jahren würden diese Männer wieder durch neue Vorbeter mit den gleichen Schwierigkeiten ersetzt. „Für die notwendige Diskussion mit den Religionen brauchen wir aber Imame, die gut deutsch können und mit dem Christentum vertraut sind“, fordert Bilgin. Und es brauche den Mut, Stellung zu beziehen. Wenn Terrororganisationen wie der IS oder Al-Qaida im Namen des Islam mordeten, „müssen die islamischen Verbände dies entschieden verurteilen und klarmachen, dass der Islam damit nichts zu tun hat und die Taten solcher Organisationen in keinster Weise unterstützt“, meint Bilgin. Dass dies bisher noch eher selten der Fall sei, liegt nach Ansicht des 34-Jährigen daran, dass die islamischen Vertreter Angst davor haben, selbst als kriminell hingestellt zu werden. „Aber im Gegenteil sollten wir doch über alles reden können“, mahnt Bilgin an. Natürlich verurteile auch er den Anschlag auf die französische Satirezeitschrift „Charlie Hebdo“, „aber ich bin auch der Meinung, dass man mit Glauben nicht spielen sollte“, sagt Bilgin dann noch. Satire müsse Grenzen kennen und eben nicht alles dürfen. Karikaturen, die den Propheten Mohammed verunglimpften, fügten den 1,8 Milliarden Muslimen in aller Welt ebenso Schaden zu wie die Verbrechen von Terroristen, die angeblich im Namen des Islam handeln.

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