Dannstadt RHEINPFALZ Plus Artikel Musikverein Harmonie spielt mit Gastorchester

Feuert seine Musiker an: Sebastian Lastein, Dirigent des Musikvereins Harmonie.
Feuert seine Musiker an: Sebastian Lastein, Dirigent des Musikvereins Harmonie.

Ein Doppelkonzert mit einem Orchester aus den Niederlanden – der Musikverein Harmonie Dannstadt bot einen ganz besonderen Abend vor dem Zentrum Alte Schule.

Alles fing damit an, dass Sebastian Lastein, Dirigent des Dannstadter MV Harmonie, im vorigen Jahr den niederländischen Komponisten Hardy Mertens anschrieb und sich ein Werk wünschte. Mertens ist Spezialist für Sinfonische Blasmusik und hat schon viele Kompositionen geschrieben, die weltweit aufgeführt werden. Er studierte Musikwissenschaft und Komposition. Doch jetzt sollte etwas Neues entstehen. Aus dem Kontakt zwischen Lastein und Mertens entstand die Idee, dann auch gemeinsam Musik zu machen, denn der Niederländer leitet auch ein Orchester, die „Königliche Harmonie Orpheus“. Seit über 150 Jahren gibt es diesen Musikverein in Tilburg. In Anerkennung um seine besonderen Verdienste um das Brauchtum verlieh das Niederländische Königshaus im Jahr 1954 dem Orchester den Ehrentitel „königlich“.

Im März besuchten die Dannstadter ihre Kollegen im etwa 400 Kilometer entfernten Tilburg und es entstand ein guter Draht zwischen den Orchestern. „Wir haben gemeinsam überlegt, welche Musik unseren Orchestern besonders liegt“, erklärt Lastein. Und so entstand ein außergewöhnliches Programm.

Kinder der Sonne

Nicht nur Originale von Hardy Mertens, waren dabei auch der zweite Dirigent der Niederländer, Matthias van Nispen tot Pannerden, ist ein Komponist und steuerte etwas bei.

Sein Stück war das zweite dieses spannenden Abends, den die Niederländer eröffneten. „Children of the Sun“ war ein sehr amüsant zu hörendes Charakterstück. Es ist den Kindern gewidmet, deren Eltern sich im Orchester „The Sun“, das er ebenfalls leitet, kennengelernt haben. Und die Musik ist ausgesprochen verspielt, erinnert stellenweise an die Untermalung von Zeichentrickfilmen. Es gibt mehrere Themen, die jeweils von verschiedenen Instrumenten vorgestellt werden, so dass es ganz unterschiedliche Klangfarben gibt.

Typisch für den Abend waren Stücke, die sehr anschaulich, dynamisch und farbenfroh waren. Sehr gut war die Idee von Lastein, die Musik am konkreten Beispiel zu erläutern: „Divergences“ von André Waignein ist die musikalische Schilderung einer Bergbesteigung, nein, nicht des Watzmanns. Beschwerliche Kletterpassagen, ein Sturm, der ein Zelt weg weht, ein Absturz und die Rettung, das hörten die Zuhörer vorab. Gespielt hat das der MV Harmonie, der den zweiten Teil bestritt. Auch die Dannstädter bewiesen ein sehr hohes Niveau. Die Stücke sind durchweg sehr anspruchsvoll – aber auch sehr gut gespielt.

Anschauliche Klangbilder

Den dritten Teil spielten beide Orchester zusammen und das war ein großer und eindrucksvoller Klangkörper, der da entstand. „Andalucia y Joaquin“ ist Vertonung eines Märchens. Hardy Mertens hat auch hier wieder sehr anschauliche und plastische Klangbilder entworfen. Die dramatische Geschichte ist ein andalusisches Märchen um ein Liebespaar. Zu hören ist in der Musik die bekannte andalusische Kadenz und andere Elemente, die aus Flamenco und Volksmusik stammen und vom Komponisten geschickt eingeflochten werden. Gesungen haben Milena Lastein und Elisa Porcu, einen besonderen Part hatten die German Clarinetts, die Sebastian Lastein mitgegründet hat. Mit ihm spielten Gerhard Krassnitzer, Felix Welz und Dörte Sehrer, alle Profis bei renommierten Orchestern.

Bemerkenswert ist der Schluss des Stücks, wo der Rezensent sich „verhungert“ notierte – und beim Nachlesen des Märchens feststellte, dass Joaquin am Ende tatsächlich aus Kummer verhungert. So bildhaft schreibt Mertens.

Nach dem eigentlichen Ende des Programms waren die Zuhörer hoch begeistert und es gab zwei Zugaben. Die waren etwas konventioneller, aber dafür mitreißend, so dass die Stimmung noch höher stieg. Es war ein eindrucksvoller Abend mit origineller und gut gespielter Musik. Beide Orchester machten einen sehr guten Eindruck und zeigten, wie modern und anspruchsvoll sinfonische Blasmusik sein kann. Besonders bedankten sich die Mitwirkenden bei Stella Böhme, der ersten Vorsitzenden des MV Harmonie, die mit vielen freiwilligen Helfern die Organisation gestemmt hat.

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