Ludwigshafen
Mitmachzirkus für Kinder: Erfolgserlebnisse in der Manege
Die Turnhalle der Grundschule ist am Freitag bis auf den letzten Platz gefüllt. Stolze Eltern, Großeltern und Geschwister verfolgen gespannt die Aufführung. In der eigens aufgebauten Manege zeigen die kleinen Artisten, was sie während des fünftägigen Projekts gelernt haben. Wagemutig drehen sie ihre Runden auf dem Rad – alleine, zu zweit oder sogar zu dritt meistern sie die rasante Fahrt. Während des Kugellaufens beweisen die Kinder ihre Balancierkünste und jonglieren dabei geschickt. Beim Leiterlauf steigen sie sicher die Sprossen hinauf und hinab, ohne dabei ins Wanken zu geraten.
Die jungen Akrobaten springen geschickt durch Seile. Auf dem Trapez vollführen sie in luftiger Höhe Kunststücke. Besonders beeindruckend ist der Moment, in dem zwei Kinder übereinander auf dem Trapez stehen. Bei der Tuchakrobatik klettern sie mutig an den langen Tüchern empor, wickeln sich darin ein und zeigen elegante Figuren in der Luft.
So gelungen die Vorführung am Ende ist, sie steht nicht im Mittelpunkt des Projekts. Entscheidend sind vor allem die Tage davor, in denen die Kunststücke geübt werden. In dieser Zeit lernen die Kinder, mit Frustrationen umzugehen – etwa wenn eine Nummer nicht auf Anhieb gelingt und die Kinder wiederholt üben müssen, um ihre Technik zu verbessern, wie Zirkuspädagoge Sebastian Dorner im Gespräch mit der RHEINPFALZ erläutert. Der Zusammenhalt zwischen den Kindern werde gefördert, indem sie sich gegenseitig unterstützten und motivierten.
Herausforderungen meistern
Das Selbstvertrauen wachse, wenn neue Herausforderungen gemeistert würden und sich Erfolge einstellten – sei es beim Jonglieren oder auf dem Trapez. „Zudem treten Talente zutage, die im herkömmlichen Unterricht möglicherweise unentdeckt geblieben wären“, sagt Dorner. „Viele Eltern reagieren erstaunt, wenn sie in der Vorstellung sitzen. Oft wird dann überrascht die Frage gestellt: ,Mein Kind kann das?’“, berichtet der Zirkuspädagoge. Seit einigen Jahren ist er mit dem Zirkus Soluna unterwegs. In Ludwigshafen ist er jedoch zum ersten Mal. „Der Ablauf war reibungslos. Es ist schön zu sehen, wie die Kinder in fünf Tagen über sich hinauswachsen“, erklärt Dorner.
Auch die kleinen Teilnehmer gehen mit einem guten Gefühl nach Hause. Nora Gacia ist zum ersten Mal dabei und beweist Mut auf dem Nagelbrett. „Am besten gefällt mir aber das Kugellaufen. Das macht sehr viel Spaß“, berichtet die Siebenjährige glücklich.
Dass der Kinder-Mitmachzirkus aus Leverkusen bereits zum 20. Mal in der Stadt Station macht, hängt maßgeblich von den ehrenamtlichen Helfern ab. In diesem Jahr unterstützen 14 Ehrenamtliche das Projekt als Trainer. Viele von ihnen waren selbst einmal Teilnehmer des Zirkus. So wie Baran Sik, der als Kind hier war und nun bereits zum zweiten Mal in Folge als Helfer mitwirkt. „Ich freue mich sehr darüber, den Kindern etwas mitzugeben. Vor allem, weil ich selbst viel Spaß beim Mitmachzirkus hatte“, sagt der heute 16-Jährige.