Ludwigshafen Minnelieder und andere alte Weisen

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Short Tailed Snails nennt sich eine Band aus Heidelberg, die sich der traditionellen Musik Europas verschrieben hat. Alte Musik, Folk und Weltmusik verknüpft sie sehr gekonnt, und damit hat sie auch ihr Publikum im Museumsgarten des Ludwigshafener Wilhelm-Hack-Museums begeistert.

Lieder und Melodien aus Deutschland, von den Britischen Inseln, aus Frankreich, Spanien und dem Balkan spielten die „Kurzschwanzschnecken“, darunter Weisen, die bis 800 Jahre alt sind. Minnelieder standen hoch im Kurs im Mittelalter und auch die Band hat manches in diesem Stil nachkomponiert. Süße Melancholie und lustvoller Liebesschmerz vermischten sich dabei, wenn der hohen Herrin sehnsuchtsvoll gehuldigt wurde. Im Zentrum der Band steht die Stimme von Regina Schmidt, die von Bert Brückmann (Gitarre, Cister), Ismael Rodriguez (Perkussion) und Ines Hartig-Mantel (Flöten, Drehleier) instrumental begleitet wird. Sephardische Lieder, welche die spanischen Juden sangen und prägten, hatte die Band gleichfalls im Repertoire. Deren Schönheit mit ihren zauberischen Ornamenten hatte in diesem Gesang eine starke Stimme so in „Die Nachtigallen“, alte Lieder der Renaissance wie „Dunkle Wolke“ oder „Grimmig Tod“. Der feine, klare Gesang in Folktönung brachte die Melancholie ebenso in Schwung wie die instrumentale Begleitung durch Flöte, indische Tablas oder die Drehleier. Jedenfalls brachten die vier sehr viel authentischen Klangzauber in diese alten Lieder, wurde das Lebensgefühl des Mittelalters klanglich sehr lebendig: in den Gesängen, den pulsierenden Rhythmen und der Drehleier, welche bald fein wie eine Fidel, dann wieder kräftig schnarrend tönte. Zu dem Minnelied „Ich zoch mir einen Falken“ ist keine Melodie überliefert, aber die Band fand eine alte schwedische Melodie, die dazu passt. In zweistimmigem Gesang erfüllte Regina Schmidt mit ihrer Kollegin diese wunderschöne Melodie, vom Silberklang der Cister begleitet. Ansonsten begleitete sie der Gitarrist meist auf der akustischen Gitarre und schlug auch schon einmal modernere Funk-Rhythmen an zu manch alter Weise, wie bei Kopanitsa, einem Tanz im 11/8tel Takt vom Balkan. Und auch ein altes französisches Trinklied fand sich in dem Reigen: „Ganz egal, ob weiß oder rot, Hauptsache es knallt“, heißt es darin. In der Eigenkomposition „Scottish Medieval“ sah man bei den mehrstimmigen Klängen der Drehleier sowie den hell klackernden und sprechenden Basstönen der Tablas regelrecht die Schottenröcke fliegen. Gefühlvolle Balladen und lebhafte Tanzstücke, vom Mittelalter bis zu weltmusikalischen Anwandlungen aus unserer Zeit reichte das Repertoire und bot jede Menge Abwechslung. Irische Jigs, auf der Tin Whistle geblasen, ornamentreich jubilierend, gab es neben einem schottischen Spottlied auf König George. Viele Schätze packten die „Short Tailed Snails“ noch aus, entführten in ferne Länder und Zeiten. Und auch an dunkle Zeiten hierzulande erinnerte „Die Weber“, eine Heinrich-Heine-Vertonung vom Weberaufstand und Anklage der bitteren Armut ausgebeuteter Arbeiter. Dass die Trauer von den Rhythmen der Rahmentrommel belebt wurde, brachte Hoffnung und wurde von weiteren Tanzrhythmen zu einem fröhlichen Ende geführt.

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