Ludwigshafen Mini-Zoo mit Mitmachgedanke

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Pfingstweide. Käthe und Benedikt haben es nicht eilig. Die beiden Esel trotten gemütlich an den Zaun, lassen sich von den Rufen der Pfauen und dem Schnattern der Gänse ein paar Meter weiter nicht stören. Über dem offenen Feuer rösten Kinder und Eltern Stockbrot, zwei Jungs kicken auf ein Fußballtor, während drei Mädchen auf Pferden gemütlich im Kreis traben. Eine grüne Idylle, so präsentiert sich das Gelände der Jugendfarm in der Pfingstweide an einem Donnerstag im Frühling. Kaum einen Steinwurf entfernt rauchen die Schlote der BASF, doch weder davon noch vom Verkehr auf der B9 ist auf dem 30.000 Quadratmeter großen Gelände etwas zu spüren. Genau das war der Gedanke, als die Jugendfarm 1976 eingeweiht wurde, ein Jahr nach der Gründung des gleichnamigen Vereins, berichten die langjährige Vorsitzende Gabriele Albrecht und ihr kürzlich gewählter Nachfolger Christian Dietz. „Es sollte ein Gegensatz zur Trabantenstadt Pfingstweide sein“, sagt Dietz. Von Anfang an lebte das Projekt von der Beteiligung der Bürger selbst. Auf dem flachen Gelände schufen sie mit Bäumen, Sträuchern und Hügeln Strukturen, eine Art Cafeteria und eine Scheune entstanden, zeigt Albrecht eine Sammlung alter Fotos und Zeitungsausschnitte der RHEINPFALZ. Ein Esel, zwei Hunde, ein Shetlandpony und eine Ziege waren die ersten Tiere. Hinzu kamen etliche neue, etwa durch Patenschaften wie Kurt Becks Pony Citano im Jahr 1992. Zwischenzeitlich lebten sogar eine Kuh und ein Kalb auf der Jugendfarm. Nachdem das Euter eiterte, habe sich aber keiner mehr getraut zu melken, berichtet Albrecht. „Die Mutter des damaligen Pfarrers hat sich schließlich erbarmt“, sagt Albrecht schmunzelnd. Milch gibt es heute nicht mehr frisch von der Kuh. Dafür können Kinder und Jugendliche auf zwölf Pferden Reiten lernen. „Aber auch das Saubermachen der Ställe oder Striegeln der Pferde gehört dazu“, sagt Albrecht. Um das Reittraining kümmert sich Pferdewirtin Sabine Kippenhan. Neben ihr bezahlt die Stadt noch sechs weitere Mitarbeiter überwiegend im sozialpädagogischen Bereich, die sich knapp über fünf Planstellen teilen. Dazu kommt ein Bundesfreiwilligendienstler. „Sofern sich jemand meldet“, sagt Dietz. Dazu zahlt die Stadt für den Unterhalt der Anlage, Tierfutter und Tierbetrieb sowie Honorarmittel jährlich 47.560 Euro. Dass das so bleibt, dafür will sich Dietz weiter einsetzen. Schließlich steht Diplomsozialpädagoge Jürgen Göbel kurz vor der Pensionierung, im Jahr darauf scheidet ein weiterer Mitarbeiter aus. Wie bei anderen Stellen der Stadt auch sei eine fünfmonatige Neueinstellungsfrist vorgesehen, sagt Albrecht. Trotzdem ist sie zuversichtlich: „Man hat immer Lösungen gefunden.“ Allerdings haben sich Personaleinsparungen der vergangenen Jahre schon bemerkbar gemacht. So hat die Jugendfarm nur noch an vier statt wie früher an fünf Tagen geöffnet. Auch die Zuschüsse wurden weniger. Trotzdem ist es dem Verein mithilfe von Sponsoren immer wieder gelungen, größere Projekte zu stemmen. Jüngstes Beispiel ist die 2014 nach drei Jahren Plan- und Bauzeit fertiggestellte, 120.000 Euro teure Schlechtwetterhalle. Dass sie steht, sei zu einem Großteil der Eigenleistung von Freiwilligen zu verdanken, sagt Albrecht und nennt als Beispiel den Vater einer Reiterin, der sich als Zimmermann extra Urlaub nahm, um helfen zu können. „Selbst die Baufirma war überrascht, wie viel Hilfe wir leisten konnten“, sagt Albrecht. Überhaupt sind viele Jugendliche von damals heute als Erwachsene auf der Jugendfarm engagiert. Artur Piwowarski züchtet seit etlichen Jahren Enten, Gänse und Pfauen auf dem Gelände, verbringt einen Großteil seiner Freizeit dort. Ein anderes Beispiel ist Dietz selbst, der als Jugendlicher dort seine Frau kennenlernte. „Wir müssten aber mehr auf die Leute zugehen, sie direkt ansprechen“, sagt Dietz selbstkritisch zu der Suche nach Helfern für Thekendienste oder die Salatbar beim Sommerfest. „Viele Leute nehmen heute alles für selbstverständlich.“ Für Herbst will er wegen des Jubiläums Ehemalige zur Jugendfarm-Disco einladen. Und wer weiß, vielleicht lässt sich beim Wiedersehenstreffen der eine oder andere zur Mitarbeit überzeugen. Käthe und Benedikt würden sich sicher freuen. Info Frühlingsfest mit Reitertag, Samstag, 7. Mai, 13-17 Uhr, 17.30 Uhr, verlängerte Athener Straße, Kinderflohmarkt, Reitvorführungen, Geschicklichkeitsspiele.

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