Ludwigshafen RHEINPFALZ Plus Artikel Meister der Mehrstimmigkeit: „Stimmflut“ im BASF-Feierabendhaus

Ein Quartett, das klingt wie ein ganzes Orchester: LaLeLu aus Hamburg im Feierabendhaus.
Ein Quartett, das klingt wie ein ganzes Orchester: LaLeLu aus Hamburg im Feierabendhaus.

Eine „Stimmflut“ haben die A-cappella-Bands Viva Voce und LaLeLu und der Beatbox-Europameister RoBeat über das BASF-Feierabendhaus in Ludwigshafen gebracht. Jeden Gesang, jedes Instrument, jeden Klang haben die Musiker selbst mit ihren Körpern erzeugt – zur Begeisterung des Publikums.

Mit dem Dr.-Alban-Hit „Sing Hallelujah!“ eröffnete die Hamburger Band LaLeLu mit Tobias Hanf, Jan Melzer, Sanna Nyman und Frank Valet den Abend. Ihre mehrstimmige Darbietung zeigte, welche akustische Bandbreite beim A-capella-Gesang möglich ist. Jedes Mal, wenn man zu der Musik die Augen schloss, glaubte man seinen Ohren nicht zu trauen. Es hatte den Anschein, dass da ein weitaus größeres Ensemble auf der Bühne stand.

Neben der wunderbaren Musik haben LaLeLu auch noch den einen oder anderen Gag gebracht. So widmete das Quartett eines seiner Stücke einer unverstandenen Minderheit: den Berufspolitikern dieser Welt. „Werft eure Vorurteile mal ins Klo und glaubt mit uns an Bodo Ramelow“, sangen sie und beendeten den Choral am Ende mit einem lapidaren „Das geht“. Gänsehaut erzeugten die Musiker mit ihrer Version von „Enjoy the Silence“ der britischen Kult-Band Depeche Mode oder dem Evergreen „I’m still standing“ von Elton John.

Der Europameister im Beatboxen

Ein wahrer Meister der Geräusche betrat mit dem Beatbox-Europameister RoBeat die Bühne, der mit bürgerlichem Namen Robert Wolf heißt, 34 Jahre alt ist und aus Stuttgart kommt. Beatboxing ist die Kunst, mit seinem Mund Beats und Klänge zu erzeugen, so dass auch schon mal die Illusion entstehen kann, dass ein komplettes Orchester oder eine Band am Wirken ist. RoBeat beherrscht diese Kunst meisterhaft. Was aus seinem Mund kam, hörte sich wie ein komplexes Hörspiel oder treibender Clubsound an. Auch mit dem Sound aus dem Computerspiel „Tetris“, den er in verschiedene musikalische Genres gekleidet darbot, machte der Mundakrobat richtig Alarm im Saal.

Viva Voce sorgten für den letzten Höhepunkt des Abends. Für die A-cappella-Band aus Ansbach in Franken war es bereits das dritte Konzert in Ludwigshafen. Heiko Benjes, Bastian Hupfer und Andreas Kuch war die stimmliche Freude über ihre Rückkehr an den Rhein deutlich anzuhören. Ihren Kollegen David Lugert hatten sie kurz vor dem Gig jedoch zu Hause lassen müssen, da dieser erkrankt ist. Für ihn sprang kurzfristig Jan Melzer von LaLeLu ein und machte seine Sache trotz der knappen Vorbereitungszeit grandios.

Sehnsuchtsort Ludwigshafen

Fabelhaft war auch der Klang, der im Laufe des Abends aus den vier Kehlen der Akteure kam, wobei die Band unter Beweis stellte, dass sie sowohl Metal als auch Opera kann. „Ain’t no mountain high enough“ von Marvin Gaye und Tammi Terrell war ein beschwingter Song aus dem Genre Pop, den die Musiker für ihren Auftritt in Ludwigshafen mal eben spontan umgeschrieben haben. Also begab sich der liebeskranke Protagonist, um den es im Song geht, auf seinen langen Weg an dessen Sehnsuchtsort, der Industriestadt am Rhein.

Im schönsten Santiano-Look mit Dreispitz auf dem Kopf performte das Quartett anschließend den Song „Die Ratten verlassen das sinkende Schiff“, um die Shanty-Session mit dem Hit „Wellerman“ von Nathan Evans zu beschließen. Episch war die Version von Leonard Cohens „Hallelujah“. Bei einem Wortspiel übten sich die Sänger in der Kunst des Bauchredens, indem sie Puppen, die ihrem Alter Ego entsprachen, mal eben ihre Stimmen liehen. Ohne eine Zugabe wollte das Publikum die Band nicht verabschieden. Mit „Yellow Submarine“, „Let it be“ und „Twist & Shout“ wurden es sogar drei an einem runden Abend, an dessen Ende noch einmal alle Interpreten auf der Bühne standen.

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