Ludwigshafen RHEINPFALZ Plus Artikel „Mauerblümchen“: Ausstellung im Karl-Otto-Braun-Museum

Platz ist in der kleinsten Ritze: Friedrich Kögel mit Mauerblümchen auf der Limburg in Bad Dürkheim.
Platz ist in der kleinsten Ritze: Friedrich Kögel mit Mauerblümchen auf der Limburg in Bad Dürkheim.

Friedrich Kögel fotografiert seit vielen Jahren „Mauerblümchen“. Es ist auch der Titel einer Ausstellung im Karl-Otto-Braun-Museum in Ludwigshafen-Oppau.

Eine Warnung vorab: Wenn man einmal damit anfängt, wird man vielleicht nie wieder aufhören können. Anfängt? Damit, genau hinzusehen und sie wahrzunehmen – die Mauerblümchen, die aus den kleinsten Ritzen kriechen, die graue Hauswände bunt machen und die sich gegen Kälte und Frost durchsetzen, sobald sie nur ein Minimum an Nährstoffen finden und ein wenig Licht und Wasser. Friedrich Kögel hat irgendwann damit angefangen und konnte nicht mehr aufhören. Sobald er unterwegs ist, fotografiert er die Blümchen: in Straßen, auf Plätzen, im Schnee, selbst an unwirtlichen Autobahnraststätten. So viel Zeit muss immer sein.

Über 7000 Fotos von Mauerblümchen sind im Lauf der Jahre entstanden. Eine kleine Auswahl von ihnen zeigt er von Ende April bis Anfang Juni als Beitrag zum „Off Foto“-Festival im Karl-Otto-Braun-Museum in Ludwigshafen-Oppau. Sie sind in Thüringen entstanden, in München, in der Pfalz. An Orten, die auch Stationen seines Lebens sind: Friedrich Kögel wurde 1951 in Thüringen geboren und verbrachte die ersten Jahre seiner Kindheit auf einem Bauernhof in der Kyffhäuser-Region. Im Alter von neun Jahren, kurz vor dem Mauerbau, siedelte er in die Bundesrepublik über. Er studierte Biologie in Heidelberg, promovierte und arbeitete bis zu seinem Ruhestand als Lektor in einem Ratgeber-Verlag in München. Seit 2016 lebt er, der heute 74 Jahre alt ist, mit seiner Frau in Weisenheim am Berg. In Bad Dürkheim ist er Mitglied des Fotokreises Cyclops.

„Fachlich muss es stimmen“

Friedrich Kögel belässt es längst nicht dabei, Löwenzahn-Pflanzen, Krokusse oder Akeleien zu zeigen. Er hat sich intensiv mit den Mauerblümchen in all ihren Facetten beschäftigt: hat recherchiert, warum man umgangssprachlich schüchterne Mädchen mit diesem Begriff belegt (hat), wie die Botanik Mauerblümchen definiert (nämlich gar nicht) und welche Pflanzen die häufigsten sind, die auf Wegen wachsen. „Fachlich muss es stimmen“, sagt Kögel und weist auf eines hin: Er habe bei allen Fotos darauf geachtet, dass die Blumen tatsächlich aus einer Pflasterfuge oder etwas Ähnlichem sprießen, also keinen Kontakt zum Mutterboden haben. „Pflanzen, die auf einem Garten über den Gehsteig wuchern, sind für mich keine Mauerblümchen.“ Für die Fotos hat er nichts verändert. Menschen sind darauf nicht zu sehen, nur manchmal haben sie Spuren hinterlassen. So ist auf einer Fotografie ein Zigarettenstummel zu sehen, ästhetisch wirkt er als Kontrast zu einem hübschen Veilchen. „Mauerblümchen machen Mut“, sagt er und meint damit, dass sich der Mensch ruhig ein Beispiel nehmen sollte an Lebewesen, die sich von widrigsten Umständen nicht unterkriegen lassen.

Wann sein Interesse an den Mauerblümchen geweckt worden ist, kann Kögel auf den Tag genau benennen – er hat es in einem Tagebuch notiert, das er auszugsweise in der Ausstellung präsentiert. „Es war ein herrlicher Frühlingstag“, beginnt der Bericht über seinen Sonntagsspaziergang am 3. April 2011, „ich bin im Stadtpark unterwegs und erfreue mich an der kraftvoll und blütenreich austreibenden Pflanzenwelt. Auf dem Nachhauseweg (…) hat meine Aufmerksamkeit bereits nachgelassen, ich sehe beiläufig auf dem geteerten Bürgersteig am Fuße einer Mauer ein Veilchen.“ Plötzlich sei ihm klar geworden: „Du hast im Park die Blumen bewundert, dort, wo sie nach landläufiger Meinung hingehören. Hier aber, im Häusermeer, gehst du gedankenlos daran vorbei. Dabei ist dieses kleine Wunder der Beharrlichkeit und Lebenskraft doch erst recht bestaunenswert.“ Was er damals ahnte, hat sich 15 Jahre später bewahrheitet: dass ihn die Mauerblümchen noch sehr, sehr lange beschäftigen würden.

Die Ausstellung

„Mauerblümchen – die verkannten Sieger“, 27. April bis 1. Juni im Karl-Otto-Braun-Museum Ludwigshafen-Oppau, Edigheimer Straße 26. Öffnungszeiten: Samstag, 12-17, Sonntag 10-13/14-17 Uhr.

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