Ludwigshafen
Ludwigshafen: Tag der offenen Tür in der Alemi Islam Moschee im Stadtteil West
Die Samstagsreportage: Unter dem Motto „Menschen machen Heimat/en“ hatten am Donnerstag bundesweit die Moscheen zum Tag der offenen Tür eingeladen. Rund 50 Besucher besuchten die Alemi Islam Moschee in West. Gemeindesprecher Ahmet Özbek präsentierte die größte Moschee in Ludwigshafen.
Eins stellt Ahmet Özbek gleich zu Beginn des Rundgangs klar: „Wir finanzieren uns ausschließlich aus Spenden der Gemeindemitglieder.“ Im Unterschied zu den Moscheen der „Türkisch-Islamischen Union der Anstalt für Religion“ (nach der Abkürzung im türkischen Original „DiTiB“ genannt), also jenen Moscheen, die vom türkischen Staat unterstützt werden, wie zum Beispiel die Yavuz Sultan Selim Moschee am Mannheimer Luisenring. Das Haus in der Quadratestadt ist deutschlandweit die drittgrößte Moschee.
Seit Anfang des Jahrtausends ist die Ludwigshafener Gemeinde in der Krummlachstraße zu Hause. Sie zog damals aus der Rohrlachstraße im Hemshof in den Außenbezirk des Stadtteils West. „Und wir bauen eigentlich ständig“, berichtet der Vorstandssprecher lächelnd angesichts des aktuellen Rohbaus am Gemeindezentrum. Ein Billardtisch und ein Dartautomat stehen im Aufenthaltsraum. Bücher liegen bereit. Tische und Stühle stehen vor einer kleinen Bühne. Kaffeeautomaten und ein kleiner Verkaufsstand komplettieren das Angebot auf der Seite der Männer. Beinahe spiegelbildlich, wenn auch ein wenig gemütlicher eingerichtet, ist der Frauenbereich auf der anderen Hofseite.
Mittelpunkt der Gemeinde
„Eine Moschee ist mehr als der eigentliche Gebetsraum. Es ist der Treffpunkt und der Mittelpunkt für die Gemeinde.“ Die Räume werden gerade an mehreren Ecken umgestaltet: Neben dem Männerbereich auch im Keller unter dem Gebetsraum: „Hier sollen die Jugendräume entstehen“, erklärt Özbek. Allerdings braucht man dafür in dem völlig leeren Kellergewölbe noch ein wenig Fantasie. Unter Druck stehe die Gemeinde dabei nicht: „Wir bauen immer, wenn wieder Geld vorhanden ist.“
Die Herzstücke des Gebäudes sind längst fertig. Da sind zunächst einmal die beiden mit dicken Teppichen ausgelegten Gebetsräume für Männer und Frauen, ebenso wie die Waschräume, die vor dem Gebet oder vor der Berührung des Koran für die rituelle Waschung genutzt werden, und die Aufenthaltszimmer. „Alles andere entsteht eben nach und nach.“
Drei Gebetskanzeln
Mit den nach Mekka ausgerichteten Gebetsräumen hatte die Gemeinde Glück: „Wir können die volle Raumkapazität nutzen“. Die drei unterschiedlichen Gebetskanzeln des Imams stehen an der Stirnseite, dahinter versammeln sich die Gläubigen. „Bei manchen nachträglich genutzten Gebäuden muss der Imam in die Ecke und die Gläubigen sich dahinter versammeln. Das ist dann nicht so gut.“
In der Ecke des Ludwigshafener Raumes befindet sich dafür die Minbar, eine Art Gebetskanzel wie auch in christlichen Kirchen. Sie geht zurück auf den Propheten Mohamed, der sich während seiner Reden, also den Predigten, etwas erhöht auf einen Palmstumpf gesetzt hatte, damit seine Gläubigen ihn besser sehen konnten. Den aktuellen Imamen ist dieser Platz für das Freitagsgebet und hohe Festtage vorbehalten.
Kunstvolle Ornamente
An der Mitte der Wand befindet sich hingegen der Mihrab, die Gebetsnische des Imams, der von hier aus das Gebet leitet. Die Frauen, die ihren Gebetsraum im Erdgeschoss haben, erreicht er über Lautsprecher. Das ist den Gegebenheiten des Baubestandes geschuldet: „In Mannheim beten die Frauen in der Etage über den Männern.“
Außerdem gehören noch die Dikka als Platz des Gebetsrufers Muezzin und der Kursi links der Gebetsnische als Predigtort für Nicht-Feiertage in den Gebetsraum – alles geschmückt mit kunstvollen Ornamenten, zumeist Kaligrafien, die in ihrem textlichen Inhalt an die Allgegenwart Gottes erinnern sollen. All das und noch vieles andere mehr konnten die Besucher in der größten Moschee Ludwigshafens erfahren, die rund 270 Gemeindemitglieder hat.
Und um die Zukunft sei es gut bestellt. „Unser Imam sagt immer: Wenn in einer Moschee keine Kinder spielen, dann stirbt die Moschee.“ Auf dem weichen Teppich des Gebetsraums tollten hingegen die Kinder. Der Ludwigshafener Alemi Islam Moschee geht es demnach richtig gut. Und so lange die Zakat, die freiwilligen Abgaben der Gläubigen an die Gemeinde, weiter sprudeln, wird das auch so bleiben.