Ludwigshafen Ludwigshafen: Bauboom am Rhein
Die Kommunalpolitik diskutiert derzeit über eine Sozialquote im Wohnungsbau. Am Rheinufer Süd brummt unterdessen das Geschäft mit hochwertigen Immobilien. Die Nachfrage nach den teuersten Wohnungen der Stadt ist ungebrochen hoch.
Ein Baukran steht noch auf dem Baufeld 6. Vor einigen Wochen war es noch ein regelrechter Wald aus Kränen. Doch nun, da alle Rohbauten stehen, werden die stählernen Kolosse mit über 60 Metern Höhe nicht mehr gebraucht. Auf knapp 1,9 Hektar Fläche entstehen südlich von der Schneckennudelbrücke am Luitpoldhafen rund 200 Wohnungen. Wer hier einziehen will, gehört zu den besserverdienenden Menschen der Gesellschaft.
Je näher am Wasser, desto teurer
Eine Zwei-Zimmer-Wohnung mit 90 Quadratmetern Wohnfläche in einer der Stadtvillen wird ab 360.000 Euro angeboten. Dafür gibt’s auch noch einen Tiefgaragenstellplatz, eine Terrasse und einen kleinen Garten. Generell gilt die Faustregel: Je höher die Wohnung und je näher am Wasser, desto teurer. Wer auf Immobilienportalen nachsieht, entdeckt Vier-Zimmer-Wohnungen, die für über 700.000 Euro angeboten werden. Gibt es viele Käufer in diesem Luxussegment? „Es läuft sehr gut“, sagt Herbert W. Rabl vom Bauträger Epple. Das Unternehmen hat sechs Gebäude im südlichsten Teilstück des Rheinufers Süd errichtet. Gut 50 Prozent der 48 Epple-Wohnungen sind bereits verkauft. Im ersten Bauabschnitt, der Ende des Jahres fertig werden soll, sind es sogar 80 Prozent der Wohnungen. Dort hat der Innenausbau bereits begonnen, die anderen Wohnungen werden folgen. Mitte 2019 soll alles fertig sein.
„Die Nachfrage ist da.“
„Mit dem Rheinufer Süd wird eine Lücke im hochpreisigen Segment geschlossen. Das ist gut für Ludwigshafen“, sagt Wolfgang van Vliet. Denn dorthin zögen potente Einkommensteuerzahler. „Es ist gut, wenn diese Leute hier wohnen und nicht in Heidelberg oder an der Haardt“, sagt der 60-Jährige. Der Sozialdemokrat war lange Jahre Sozialdezernent der Stadt und ist seit Januar Chef der kommunalen Wohnbaugesellschaft GAG. Deren Tochterunternehmen RSE (Rheinufer Süd Entwicklungsgesellschaft) hat das über 100.000 Quadratmeter große Areal in verschiedene Baufelder unterteilt und an Investoren verkauft. RSE-Mitgeschäftsführer Ernst Merkel spricht von einer Erfolgsgeschichte. „Die Nachfrage ist da.“ Das bestätigt auch das Mannheimer Bauunternehmen Diringer & Scheidel, das 62 Wohnungen in fünf Gebäuden im Baufeld 6 unter dem Namen „Luitport“ auf den Markt bringt. 33 Millionen Euro steckt die Firma in dieses Projekt. Eine Investition, die sich auszahlen soll – und offenbar geht auch hier der Plan auf. „Der Vermarktungsstand liegt bei über 50 Prozent“, sagt Unternehmenssprecherin Beate Baumann. Heißt: Über die Hälfte der Wohnungen ist bereits verkauft – dabei wird die Musterwohnung für Kaufinteressenten erst Anfang Juli fertig sein.
185 Mietwohnungen geplant
Die Mannheimer wollen im Sommer weiter bauen – auf dem gegenüberliegenden Baufeld 5, das von der Rheinallee vom Wasser getrennt liegt. 185 Mietwohnungen sind dort geplant. „Aktuell stehen wir mit mehreren Investoren in Verhandlungen, die das Wohnbauprojekt global erwerben möchten“, sagt die D&S-Sprecherin. Rund 70 Millionen Euro werden in die elf geplanten Gebäude investiert, die bis Ende 2020 fertig gebaut sein sollen. Dann soll auch das nördliche Ende des Baugebiets bebaut sein. Auch hier stehen Investoren parat: Neben dem Gesundheitszentrum Lusanum und dem Ost-Asien-Institut sind mehrgeschossige Wohn- und Bürohäuser geplant. Investoren sind die Deutsche Wohnwerte GmbH Heidelberg und die BOB AG Aachen. Sie bringen weitere 128 Wohnungen auf den Markt, daneben Gewerberäume für Dienstleistungsfirmen.
Aus Industriegebiet Wohnviertel geworden
In drei Jahren soll das ganze Baugebiet am Rhein bebaut sein. „Ganz objektiv betrachtet ist es eine Bereicherung für die Stadt“, sagt Walter Schiestel von der RSE. Er ist seit 2002 mit der Vermarktung des Gebiets beauftragt. Aus einem alten Industriegebiet sei ein neues Wohn- und Arbeitsviertel geworden.