Ludwigshafen
Linie 10: Ausbau dauert länger und wird noch teurer
Seit rund 25 Jahren wird über den Ausbau der Linie 10 diskutiert. Im April 2019 startete schließlich das Mega-Projekt. Vier Jahre lang wurde in Alt-Friesenheim gebaut: 900 Meter Doppelgleis wurden erneuert, 63 neue Fahrleitungsmaste gesetzt und 3000 Meter Fahrdraht in der Oberleitung gespannt. Im April 2023 wurde die knapp einen Kilometer lange Strecke wieder für den Verkehr freigegeben. Drei Haltestellen (Friesenheim-Mitte, Hagelloch- und Kreuzstraße) sind jetzt barrierefrei. Das heißt, dort ist durch einen erhöhten Bahnsteig ein ebenerdiger Zustieg in die Bahn möglich. Die Haltestellen haben auch digitale Anzeigetafeln bekommen, die den Fahrplan in Echtzeit anzeigen. 19 Millionen Euro kostete der Ausbau – ursprünglich waren 14 Millionen Euro dafür veranschlagt.
Damit ist das Projekt noch lange nicht zu Ende, es fehlt noch ein größeres Stück: Der 1,7 Kilometer lange Bereich zwischen Stern-/Hohenzollernstraße und Marienkirche muss noch ausgebaut werden. Nach langem Hin und Her um verschiedene Ausbauvarianten und die finanziellen Fördermöglichkeiten hat der Stadtrat 2022 beschlossen, auf einen ursprünglich vorgesehenen eigenen Gleiskörper in der Hohenzollernstraße zu verzichten. Denn durch die zwei- anstatt eingleisige Führung der Linie 10 könne auch der Takt erhöht und der Ebertpark wieder besser angefahren werden. Ferner sieht die überarbeitete Planung den Erhalt von mehr Bäumen und Ladezonen fürs Gewerbe vor. Ohne den Gleiskörper sei auch die Verkehrssituation für Autofahrer, Radler und Fußgänger besser.
Langwierige Verhandlungen
Nach der feierlichen Eröffnung des ausgebauten Abschnitts in Alt-Friesenheim vor einem Jahr gab es Absichtserklärungen vonseiten der Politik und der Rhein-Neckar-Verkehrsgesellschaft (RNV), dass weitergebaut werden sollte – möglichst rasch. Doch bis heute ist nichts passiert. Warum das so ist und wie es weitergehen soll, hat Frank Dommasch, Leiter des Bereichs Infrastruktur bei der RNV, den Ortsbeiräten Nord und Friesenheim am Donnerstagabend erläutert. Ein Hauptgrund ist das komplexe Baurecht. Für die alte Planung war das baurechtliche Verfahren in trockenen Tüchern. Wegen der geänderten Planung der Trasse ohne eigenen Gleiskörper seien Abstimmungen mit dem Landesbetrieb Mobilität (LBM) erforderlich gewesen, denn schließlich soll das Land einen großen Teil der Kosten übernehmen. „Das war wegen personeller Engpässe beim LBM schwierig“, sagte Dommasch. Die RNV handelte schließlich aus, für welche der fünf Haltestellen beim Umbau noch eine Genehmigung erforderlich ist und wo das sogenannte Investitionsbeschleunigungsgesetz angewendet werden kann, um die Bauverfahren zu verkürzen.
Hintergrund: Die RNV wollte bei der Planung und den Förderanträgen nicht noch einmal von vorne beginnen – denn dies hätte bedeutet, dass es vier bis fünf Jahre dauern würde, bis Baurecht für den weiteren Ausbau besteht. Stadt, RNV und Verkehrsbetriebe Ludwigshafen (VBL) handelten zudem eine neue Planungsvereinbarung aus, die eine Musterlösung für weitere Nahverkehrsprojekte sein soll. Dies nahm ebenfalls einige Zeit in Anspruch. Dann ging das mit der Bauplanung beauftragte Planungsbüro pleite. Deswegen muss nun die Planung für das Großprojekt europaweit neu ausgeschrieben werden. Laut RNV wird die Neuplanung zirka anderthalb Jahre dauern. Danach kann der Förderantrag ans Land gestellt werden. Nach der Zusage – mutmaßlich im Jahresverlauf 2026 – sollen die Baufirmen beauftragt werden. Es sei denn, der Stadtrat votiert für einen vorzeitigen Baubeginn. In jedem Fall müssen die Bauarbeiten ausgeschrieben werden. Der Beginn des Ausbaus könnte Ende 2027 erfolgen. Die Bauzeit ist mit zweieinhalb bis drei Jahren veranschlagt. Dies würde bedeuten, dass der Ausbau der Linie 10 voraussichtlich im Jahr 2030 abgeschlossen wäre. Was jetzt schon klar ist: Es wird teurer. Ursprünglich waren 44 Millionen Euro geplant, jetzt ist von knapp 51 Millionen die Rede.
Frust vor Ort
Die Reaktionen der Ortsbeiräte fielen entsprechend aus: „Der Zeitplan ist frustrierend“, sagte Willi Renner (CDU, Friesenheim). Sein Kollege Thorsten Ralle meinte: „Es zeigt sich, dass wir nur abnicken können, was der Fördergeber vorgibt. Das widerspricht kommunaler Selbstverwaltung.“ Wolfgang Leibig (CDU, Nord) war sauer: „Das Ganze ist ein Irrsinn, wenn ich die Dauer sehe. Und dann noch diese Kostenexplosion.“ Das sei Bürgern nicht vermittelbar. Friesenheims Ortsvorsteher Günther Henkel (SPD) meinte: „Manche Bretter muss man lange bohren. Es ist gut, dass der Ausbau überhaupt gemacht wird.“
